Nordkorea Drohung im Gleichschritt

Zum 105. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il-sung protzt Nordkorea mit einer Militärparade. Das Regime zeigt unter anderem eine neue Interkontinentalrakete – und verschärft den Ton gegenüber den USA.
Kommentieren
Nordkoreas Staatsoberhaupt Kim Jong Un während der Militärparade am Ostersamstag: Gute Miene zum bösen Spiel. Quelle: dpa
Nordkorea «Tag der Sonne»

Nordkoreas Staatsoberhaupt Kim Jong Un während der Militärparade am Ostersamstag: Gute Miene zum bösen Spiel.

(Foto: dpa)

TokioDer Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-sung ist der wichtigste nordkoreanische Feiertag. Traditionell marschieren Bevölkerung und Soldaten mit militärischer Präzision in einer farbenprächtigen Parade auf. Doch jene zum 105. Geburtstag des „Ewigen Präsidenten“ am Samstagvormittag war ganz besonders brisant: Nur einen Tag zuvor hatte Chinas Außenminister Wang Yi gewarnt, dass Krieg ausbrechen könne auf der koreanischen Halbinsel. Doch die Parade legte nahe, dass Nordkorea die Lage nicht entspannen will.

Unter den Waffensystemen im militärischen Teil der mehrstündigen, mit militärischer Präsentation inszenierten Feierlichkeiten führte der derzeitige Führer Kim Jong-un nicht nur Festbrennstoffraketen vor, die von U-Booten abgeschossen werden können. Der Star des Tages war eine bisher unbekannte große Rakete, die laut südkoreanischen Militärexperten wie eine Interkontinentalrakete aussah.

Streit-Eskalation – Nordkorea kündigt katastrophale Konsequenzen an

Streit-Eskalation – Nordkorea kündigt katastrophale Konsequenzen an

Zwar wissen die Experten nicht, ob es sich nur um maßstabsgetreue Modelle ohne Wert handelte. Aber schon diese Waffenschau erklärt, warum US-Präsident Donald Trump in den vergangenen Wochen Nordkorea mit militärischen Schlägen gedroht hat und damit erstmals seit Jahren eine richtige Kriegsangst in der Region ausgelöst hat. Die US-Regierung fürchtet, dass die kleine ostasiatische Atommacht schon in wenigen Jahren die USA direkt mit Atomwaffen angreifen könnte. Und US-Präsident Trump will dies offenbar deutlich entschlossener verhindern als sein Vorgänger Barack Obama.

Obama setzte mit Sanktionen auf eine Politik der „strategischen Geduld“. Trump hat sich derweil für die Strategie „maximaler Druck und Engagement“ entschlossen, berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf amerikanische Regierungsquellen. Und stärker als Obama es je tat spielt Trump im hochriskanten Spiel um Korea offensichtlich seine militärischen Trumpfkarten aus.

Militärparade als Geburtstagsgeschenk
Feierlichkeiten in Pjöngjang
1 von 10

Nordkoreas Staatsoberhaupt Kim Jong-Un winkt in Pjöngjang. Zu Ehren des 105. Geburtstags seines Großvaters und Staatsgründers Kim Il Sung findet im Stadtzentrum der nordkoreanischen Hauptstadt eine Militärparade statt. Kim ist sichtbar erfreut.

Der Staat ist überall
2 von 10

Plakate des Staatsgründers Kim Il-Sung (l.) und des letzte Staatsführers Kim Jong-Il (r.) werden auch noch nach ihrem Tod verehrt und sind im alltäglichen Leben – und natürlich auch während der Feierlichkeiten – allgegenwärtig.

Armee im Stechschritt
3 von 10

In Reih und Glied marschieren die Soldatenmassen im Stechschritt und mit der roten Flagge durch die nordkoreanische Hauptstadt.

Militärparade in Pjöngjang
4 von 10

Die Armee ist ihrem Führer Kim Jong-Un tief ergeben und schaut zu ihm auf. Kim regiert sein Land mit eiserner Hand und setzt auf internationale Abschreckung und Provokationen.

Raketentest
5 von 10

Zuletzt provozierte das Regime mit dem Test der ballistische Mittelstreckenrakete Pukguksong-2.

Militärische Stärke zeigen
6 von 10

Natürlich protzt das Regime auch während des höchsten Feiertages mit seiner militärischer Stärke und stellt schweres Gerät zur Schau. Das soll zeigen: Nordkoreanische Raketen könnten das amerikanische Festland erreichen.

Frauen in der Armee
7 von 10

In der nordkoreanischen Volksarmee dienen auch viele weibliche Soldaten. Ähnlich wie ihre männlichen Kollegen marschieren auch sie in Reih und Glied.

Erst hatte Außenminister Rex Tillerson vor wenigen Wochen auf seiner Antrittsreise nach Ostasien erklärt, dass gegenüber Nordkorea alle Optionen auf dem Tisch lägen, auch militärische. Der jüngste Vergeltungsschlag gegen Syrien nach dem Einsatz von Giftgas gegen Zivilisten wurde dann auch als ein Zeichen an Nordkorea gedeutet, dass Trump auch in Fragen zur Gewalt bereit ist, in denen Obama zurückgezogen hat. Dass er den Angriff während des Gipfeltreffens mit Chinas Staatschef Xi Jinping durchführte, war ein weiteres Zeichen dieser Politik.

Doch das militärische Pokerspiel ging weiter: Kaum war Xi abgereist, beorderte Trump auch noch den Flugzeugträger USS Carl Vinson zur koreanischen Halbinsel. Und Regierungsquellen steckten den Medien Geschichten über mögliche Militäraktionen, sollte Nordkorea wie befürchtet in den nächsten Tagen oder Wochen einen sechsten Atombombentest oder neue Raketenstarts durchführen.

Auch der Einsatz der größten Bombe der Welt gegen Tunnelsysteme des islamistischen ISIS in Afghanistan wurde in Ostasien aufmerksam verfolgt. Schließlich hat Nordkorea viele Atom- und Militäranlagen eingegraben.

Kurz vor den nordkoreanischen Feierlichkeiten stieg auch noch General Dave Goldfein, der Stabschef der US-Luftwaffe, in die psychologische Kriegsführung gegen Kim und Genossen ein. Am Samstagmorgen ostasiatischer Zeit postete er ein Foto mit 20 Kampfjets und mehreren Bombern von der US-Luftwaffenbasis Kadena in Japan. Sein schriftlicher Rat: Schaut euch die beängstigend-beeindruckende Schau der Schlagkraft an. Der Kampf beginne.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Ostasien fürchtet die Eskalation
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Nordkorea - Drohung im Gleichschritt

0 Kommentare zu "Nordkorea: Drohung im Gleichschritt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%