Szene aus dem Reichstag

Bilder aus der westlichen Welt sollten Kim Jong Un von den US-Avancen überzeugen.

Nordkorea-Gipfel In Trumps Propaganda-Video für Kim Jong Un kommt sogar der Reichstag vor

Nordkorea in den schönsten Farben, Trump und Kim Seite an Seite: Was nach einem Propaganda-Video aus Pjöngjang klingt, stammt aus dem Weißen Haus.
Update: 13.06.2018 - 08:38 Uhr Kommentieren

New YorkWährend die gegenseitigen Zusagen zwischen dem US-Präsidenten und Nordkoreas Staatsführer in Singapur weltweit kritisch betrachtet werden, feiern Donald Trump und Kim Jong Un das Treffen als großen Erfolg. „Die Welt wird eine große Veränderung erkennen“, erklärte Kim zufrieden.

Die große Euphorie hatte sich bereits kurz nach dem Treffen in Singapur abgezeichnet – auf einer riesigen Videoleinwand: Reporter, die im Auditorium warteten, wurden plötzlich mit einer Videomontage überrascht. Nordkorea flackerte als eine Art Paradies über die Leinwand, unterstützt von einem theatralischen Sprecher, der die historische Bedeutung von Kims Entscheidungen auf die Weltgeschichte pries.

Journalisten, die das Video vorschnell als Nordkorea-Propaganda abtaten, wurden eines Besseren belehrt: Der über vierminütige Kurzfilm von Trump für Kim kam aus dem Weißen Haus.

Der Clip ist als eine Art Filmvorschau gestaltet. Zu sehen sind goldene Sonnenaufgänge, glänzende Skylines und Hochgeschwindigkeitszüge. Nordkoreanische Flaggen flattern zwischen Bildern ägyptischer Pyramiden, dem Taj Mahal, dem Lincoln Memorial und sogar dem Reichstag (Minute 3:15).

In einer Split-Screen-Aufnahme winkt Kim Jong Un einer anbetenden Menge zu, während Präsident Trump mit dem Daumen in der Luft neben ihm steht. Dazu kommen kurze Interludien von Raketen, Soldaten und Kriegsschiffen, die den Prunk der sonstigen Bilder unterbrechen. Der Erzähler besteht auf Englisch darauf, dass das Schicksal der Welt in der richtigen Balance bleibt und schmeichelt Trump wie Kim: „Von den heute Lebenden wird nur eine kleine Zahl einen bleibenden Eindruck hinterlassen.“

Wer im Saal nach den rund vier Minuten Prunk und Lobhudelei in Richtung Nordkorea immer noch dachte, gerade Zeuge von Pjöngjang-Propaganda geworden zu sein, wurde von Trump persönlich belehrt. Das Video sei für Kim gemacht worden, bestätigte er im Anschluss: „Ich hoffe es hat euch gefallen“, sagte Trump den Reportern. „Ich dachte, es wäre gut. Ich dachte, es wäre interessant genug zu zeigen. ... Und ich denke, er hat es geliebt.“

Laut des US-Präsidenten sei das Video eine Art Sales-Pitch gewesen. Es sollte helfen, eines der repressivsten Regime der Welt davon überzeugen, seine Atomwaffen abzuschaffen und fast 70 Jahre internationaler Isolation und Feindseligkeit gegenüber den Vereinigten Staaten zu beenden – in einer glitzernden Produktion, ähnlich den Verkaufs-Vorstellungen, mit denen der frühere Immobilienguru einst seine Investoren beeindrucken wollte.

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