Nordkorea Kim Jong Un rechtfertigt Hinrichtung seines Onkels

Durch die Beseitigung „sektiererischen Schmutzes“ sieht sich Kim Jong Un gestärkt. Damit meint Nordkoreas junger Diktator offenbar seinen hingerichteten Onkel. In Richtung Süden schlägt Kim gemäßigtere Töne an.
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Kim Jong Un: „Spalterischen Dreck loswerden“

SeoulNordkoreas Machthaber Kim Jong Un sieht nach der Hinrichtung seines in Ungnade gefallenen Onkels Jang Song Thaek sein Regime gestärkt. In seiner Neujahrsansprache bezeichnete Kim die jüngste politische Säuberung durch die herrschende Arbeiterpartei als „resolute Aktion“. Ohne Jang beim Namen zu nennen, sprach der rund 30-jährige Diktator von der Beseitigung „sektiererischen Schmutzes“. Jang und einige seiner Gefolgsleute waren im Dezember und November hingerichtet worden.

Kim kündigte an, die Beziehungen zu Südkorea im neuen Jahr zu verbessern. Außerdem stehe für ihn die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Landes im Mittelpunkt. Zugleich werde Nordkorea seine militärischen Fähigkeiten weiter ausbauen.

Die Säuberung „von parteifeindlichen und konterrevolutionären Sektierern hat die Partei stärker gemacht“, sagte Kim im Staatsfernsehen. Der innere Zusammenhalt der Partei und des Landes sei um das Hundertfache gestiegen. Die Exekution Jangs im Dezember wurde in Südkorea unter anderem als Zeichen eines Machtkampfs gesehen. Die Regierung in Seoul befürchtet eine wachsende Instabilität im Nachbarland und mögliche Provokationen, um von der inneren Vorgängen abzulenken.

Der Jungdiktator, der keine Familie kennt
Jang Song Thaek
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Der entmachtete Onkel des nordkoreanischen Herrschers Kim Jong Un ist nach offiziellen Angaben wegen des Vorwurfs des Hochverrats hingerichtet worden. Ein Militärtribunal habe Jang Song Thaek am Donnerstag zum Tode verurteilt, berichteten die Staatsmedien am Freitag. Der Beschuldigte habe parteifeindliche, konterrevolutionäre Handlungen mit dem Ziel ausgeführt, „die Führung unserer Partei, des Staates und des sozialistischen Systems zu stürzen“. Der 67-Jährige habe seine Taten gestanden. Das Urteil sei sofort vollstreckt worden. Jang galt lange Zeit als die graue Eminenz des Regimes.

Kim Jong Un, Jang Song Thaek
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Jang wurde den offiziellen Angaben zufolge vorgeworfen, bereits seit dem Tod des früheren Machthabers und Vaters von Kim Jong Un, Kim Jong Il, im Dezember 2011 auf die Machtübernahme hingearbeitet zu haben. Jang, der bis vor kurzem noch Vizevorsitzender der mächtigen Nationalen Verteidigungskommission gewesen war und enge Kontakte zu China unterhielt, wurde in den nordkoreanischen Medien als „Verräter“ und „abscheulicher menschlicher Abschaum, der schlimmer als ein Hund war“, bezeichnet.

Jang Song Thaek is dragged into the court by uniformed personnel
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Eine unabhängige Bestätigung der Berichte über die Hinrichtung gibt es nicht. Nach Informationen des südkoreanischen Senders Free North Korea Radio (FNK), das von nordkoreanischen Flüchtlingen betrieben wird, ließ das kommunistische Regime den 67-jährigen Jang und einige seiner Gefolgsleute bereits in der vergangenen Woche hinrichten. Bilder des Staatsfernsehens, die die Festnahme Jangs am vergangenen Sonntag bei einer Sitzung des Politbüros der herrschenden Arbeiterpartei zeigten, seien womöglich manipuliert gewesen, hatte FNK am Dienstag berichtet.

Kim Jong Un, Jang Song Thaek
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Nach Ansicht von Beobachtern festigte der etwa 30-jährige Kim Jong Un seine Macht durch die Absetzung Jangs. Politische Säuberungen sind in dem weithin abgeschotteten Staat nicht unüblich. Angesichts der jüngsten Vorgänge in Pjöngjang hatte Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye in dieser Woche das Regime im Nachbarland in scharfem Ton kritisiert und Kim Jong Un eine „Schreckensherrschaft“ vorgeworfen. Auch die Bundesregierung hat die Hinrichtung des Onkels von Kim Jong Un kritisiert. „Die Todesstrafe ist nach Sicht der Bundesregierung kein angemessenes Mittel der Strafe“, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Schäfer. Diese grundsätzliche Haltung gelte auch für andere Fälle.

Massentrauer (KCNA) besser
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In Pjöngjangs Straßen brach eine regelrechte Trauerhysterie aus, als Kim Jong Il am 17. Dezember 2011 starb. Der geliebte Führer hatte die Machtübernahme seines Sohnes sorgfältig vorbereitet: seit 2009 übertrug er Kim Jong Un nach und nach zentrale Posten – die Leitung des Geheimdienstes, das Oberkommando über die Armee, den Vorsitz der Partei. Der Herrscher-Spross folgte seinem Vater mit zarten 30 Jahren ins Amt. In der Öffentlichkeit war er bis dahin fast unbekannt.

File photo of North Korean leader Kim Jong-il and his son Kim Jong Un saluting as they watch soldiers attending a military parade in the Kim Il Sung square in Pyongyang
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Doch diejenigen, die dachten, Kim Jong Un werde nach dem Tod seines Vaters Kim Jong Il vom Führungszirkel nicht ernstgenommen, durften sich nun selbst überzeugen, dass der Sohn genauso skrupellos ist wie es der Vater war. Der Jungdiktator macht nicht einmal vor der eigenen Familie halt.

Proteste Raketenstart (EPA)
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Doch auch nach außen hin profilierte sich Kim Jong Un als gnadenloser Machthaber und provozierte den Westen mit Raketentests. Nordkorea behauptete im Dezember 2012, einen Wettersatelliten ins All befördert zu haben, der Westen vermutete Tests für ein Atomprogramm. Die internationale Gemeinschaft verurteilte den Raketentest, Tausende Menschen in Südkorea protestierten gegen die Provokation des Nordens, die Vereinten Nationen verhängten Sanktionen.

Der 67 Jahre alte Jang hatte lange Zeit als graue Eminenz des Regimes gegolten. Er war kurz nach der Verurteilung wegen Hochverrats durch ein Militärtribunal hingerichtet worden. Jang wurden unter anderem Fraktionsbildung, Korruption, Verschwendung von Devisen sowie Ausverkauf von Rohstoffen an China zur Last gelegt.

Nordkorea werde energisch handeln, um die Beziehungen zwischen beiden koreanischen Staaten zu verbessern, sagte Kim Jong Un am Mittwoch. Auch Südkorea solle sich um ein besseres Verhältnis bemühen. Kim warnte zugleich, dass ein zufälliger militärischer Konflikt zu einem umfassenden Krieg eskalieren und eine „massive Nuklearkatastrophe“ auslösen könne. Das würde auch die Sicherheit der USA gefährden.

Südkorea reagierte skeptisch. „Es bleibt abzuwarten, ob Nordkorea seine Haltung ändert, da es weiter Südkorea kritisiert“, erklärte das Vereinigungsministerium in Seoul. Kim hatte ähnlich versöhnliche Töne in seiner ersten Neujahrsansprache vor einem Jahr angeschlagen. Die Spannungen in der Region hatten sich allerdings nach dem dritten nordkoreanischen Atomtest im Februar deutlich erhöht.

Unterdessen berichteten Nordkoreas Staatsmedien, dass das Regime am Dienstag ein luxuriöses Skiresort am Masik-Pass an der Westküste eröffnet habe. Das Resort sei „eine wertvolle Frucht der tiefen Sorge der großen (Arbeiterpartei) für die Menschen, damit sie sich am Luxus und an der Annehmlichkeit des Sozialismus erfreuen“, wurde das Präsidiumsmitglied des Politbüros der Partei, Choe Ryong Hae, zitiert. Für das Vorzeigeprojekt hatte sich besonders der junge Machthaber eingesetzt, der in der Schweiz eine internationale Schule besucht hatte. Kim hatte das fertige Projekt den Berichten zufolge kurz vor der Eröffnung inspiziert.

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  • dpa
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