Nordkorea Pjöngjang geht gegen BBC-Reporter vor

Als ein BBC-Journalist nach dem Parteitag Nordkorea verlassen will, wird er festgenommen und verhört. Pjöngjang wirft dem Reporter einen „Angriff auf das System“ vor, weil er offizielle Berichte angezweifelt hat.
Kritik und Zweifel an offiziellen Berichten des Regimes sind unerwünscht. Das musste auch ein ausländischer Journalist spüren. Quelle: dpa
Nordkoreas Machthaber Kim auf dem Parteitag

Kritik und Zweifel an offiziellen Berichten des Regimes sind unerwünscht. Das musste auch ein ausländischer Journalist spüren.

(Foto: dpa)

SeoulIn Nordkorea ist ein BBC-Reporter festgenommen und später des Landes verwiesen worden. Wie der britische Rundfunk am Montagmorgen auf seiner Internetseite berichtete, wollten Rupert Wingfield-Hayes sowie eine Produzentin und ein Kameramann der BBC am Freitag gerade das Land verlassen, als der Journalist am Flughafen von Pjöngjang festgenommen wurde. Er wurde demnach anschließend acht Stunden lang verhört.

Das BBC-Team hielt sich vor dem Parteitag der herrschenden Partei der Arbeit in Nordkorea auf und begleitete dort ein Team von Nobelpreisträgern auf einer Forschungsreise. Der BBC-Reporter John Sudworth, der über den Parteitag berichtete, sagte dazu, Wingfield-Hayes sei in ein Hotel gebracht und dort von Sicherheitsvertretern verhört worden. Anschließend habe er eine Erklärung unterschreiben müssen und sei am Samstag wieder freigekommen.

Pjöngjang – Tristesse in Grau
Bauklotz-Tristesse
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Wie unsortiert aufgestellte Bauklötze ragen die Hochhäuser in Pjöngjang in die Luft. Viele von ihnen sind trotz den frischen Anstrichen heruntergekommen, einige wirken gar verwahrlost.

Bunt und doch verwahrlost
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Knapp 2,9 Millionen Nordkoreaner leben in der Hauptstadt Pjöngjang, die zugleich auch die größte Stadt des Landes ist. Viele von ihnen leben unter der Armutsgrenze.

Ungepflegte Häuser sind normal
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Betrachtet man die Häuser aus der Nähe, sieht man, wie ungepflegt die Wohnblöcke aussehen. Umgerechnet gerade einmal 100 Euro verdient ein durchschnittlicher Arbeiter. Zu wenig, um das eigene Zuhause zu renovieren.

Besserung in kleinen Schritten
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Dabei sieht die Stadt heute moderner und oftmals gepflegter aus als noch vor zehn Jahren. In diesem Viertel etwa leben besser verdienende Schichten, wie etwa Wissenschaftler und Ingenieure. Vereinzelt sind auch Autos zu sehen. Ein Bild, das die Verantwortlichen vermutlich gerne nach außen dringen lassen.

Im Netz
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Seit einigen Jahren gibt es in der Diktatur sogar Zugänge zu Computern und auch dem Internet. Knapp 7.000 Menschen surfen regelmäßig, weniger als 50 Internetadressen sind verfügbar.

Prunk nach außen
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Besonders stolz ist die Regierung in Nordkorea auf die modernen sauberen Metrostationen in Pjöngjang. Die Metro gilt als eine der tiefsten der Welt.

Grau, Grauer, Pjöngjang
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Abseits der Propagandabilder von Metrostationen und moderner Technik bietet sich das wahre Bild von Pjöngjang: Graue Tristesse, eingehüllt in grau-weißen Smog, der sich über die Plattenbauten der Stadt legt. Im Mittelpunkt des Fotos: Das Monument der Parteigründung.

Der BBC zufolge wurden ihre drei Mitarbeiter schließlich am Montag wieder zum Flughafen gebracht. Befragt wurde Wingfield-Hayes offenbar im Zusammenhang mit der Berichterstattung über ein Krankenhaus, dessen Authentizität er in seinen Berichten angezweifelt hatte. Für ausländische Reporter waren rund um den Parteitag in Pjöngjang Fahrten unter anderem zu einer Fabrik und einer Klinik organisiert worden.

Wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete, hielt das Nationale Friedenskomitee Nordkoreas am Montag eine Pressekonferenz zum Fall des BBC-Reporters ab. Demnach wurde er wegen eines "Angriffs auf das System" Nordkoreas sowie wegen seiner "nicht objektiven Berichterstattung" ausgewiesen. Xinhua ist mit einem Büro in der Hauptstadt des stalinistisch regierten Landes vertreten.

Wegen des Parteitags halten sich derzeit rund 130 ausländische Journalisten in Pjöngjang auf. Sie haben aber keinen Zugang zur Tagungshalle, Dauer und Programm des Parteitags sind zudem unklar.

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  • afp
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