Norwegen: Scharfe Kritik an Oslos zögerlicher Ukraine-Hilfe
Stockholm. Es ist selten, dass sich die nordischen Länder öffentlich kritisieren. Doch im Fall der zögerlichen norwegischen Ukrainehilfen platzte einigen dänischen und schwedischen Parlamentariern der Kragen. „Norwegen kann es besser“, sagte die liberale schwedische EU-Parlamentarierin Karin Karlsbro kürzlich. Es sei „töricht“, dass sich Norwegen bei der Unterstützung der Ukraine so zurückhalte.
Unterstützung erhielt sie von ihrer dänischen Kollegin Christel Schaldemose. „Norwegen hat sowohl die Möglichkeiten als auch die moralische Verantwortung“, sagte die Sozialdemokratin der schwedischen Zeitung „Svenska Dagbladet“.
Am Montag empfing Bundeskanzler Friedrich Merz den norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre in Berlin. Die verteidigungs- und sicherheitspolitische Zusammenarbeit beider Länder stand im Mittelpunkt. Aussagen zur Unterstützung der Ukraine blieben aber im Allgemeinen.
Man bekräftige die „unerschütterliche Unterstützung für die Ukraine, die ihre Freiheit, Souveränität, Unabhängigkeit und territoriale Integrität gegen den anhaltenden Angriffskrieg Russlands verteidigt“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Ob das ein stärkeres finanzielles Engagement Norwegens beinhalten könnte, blieb unklar.
Stoltenberg ist Wächter über Norwegens Ölfonds
Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang die Personalie Jens Stoltenberg. Als Nato-Chef hatte Stoltenberg von den Mitgliedstaaten immer wieder eine stärkere Unterstützung der Ukraine gefordert. Inzwischen ist er norwegischer Finanzminister und damit oberster Wächter über den größten Staatsfonds der Welt, den norwegischen Ölfonds, der mehr als eine Billion Euro verwaltet. In den Fonds fließen die Überschüsse aus der Öl- und Gasförderung.