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Notre Dame Gute Genesung, alte Dame!

Die Kathedrale Notre Dame brennt, und die ganze Welt nimmt Anteil. Der Wiederaufbau des Pariser Wahrzeichens wird zur globalen Herzensangelegenheit.
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„Das Gebäude ist noch sehr heiß. Es besteht die Gefahr, dass Steine herunterbrechen“

ParisIm Angesicht der Flammen rückte die Welt zusammen – erst in fassungslosem Entsetzen und schließlich in Trauer über die Brandwunden, die das Feuer der Kathedrale zugefügt hat. Notre Dame ist schwer verletzt, ein Fall für die Intensivstation, aber die alte Dame lebt. Und sie wird überleben. Wieder einmal.

Das globale Dorf blickt auf Notre Dame, weil sie mehr ist als ein Wahrzeichen von Paris. Notre Dame ist eine globale Marke, ein Weltkulturerbe, das jedes Jahr von 13 Millionen Touristen besucht wird. Notre Dame ist Mythos und Museum zugleich, eine Erzählerin, deren Steine die Geschichten des Mittelalters und der Neuzeit kennen.

Sie ist eine Überlebenskünstlerin, die dem Tod immer wieder entronnen ist. Und sie ist Filmstar und Romanfigur. So spielte sie eine Hauptrolle im „Glöckner von Notre Dame“, Disneys Kultfilm, der auf Victor Hugos berühmter Romanvorlage aus dem Jahr 1831 beruhte.

Wenn Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron am Abend des Brandes sagte, die Kathedrale Notre Dame sei „das Epizentrum unseres Lebens“, stimmt das einerseits. „Sogar besonders laizistische oder atheistische Franzosen hängen an Notre Dame, vor allem die Pariser, jeder hat hier seine Familienfotos gemacht, viele haben sich auf dem Vorplatz verliebt“, erläutert Marlène Schiappa, Ministerin für die Gleichstellung von Männern und Frauen.

Andererseits haben die Franzosen die alte Dame in ihrer Geschichte ganz schön herumgestoßen. Die Revolutionäre zerrten nach 1792 den Kirchenschatz und viele Kunstwerke heraus. Die Statuen der Könige und der Apostel wurden zerschlagen. Den Kirchenraum machten die Vandalen zur Lagerhalle. Die große Orgel entging der Zerstörung nur, weil ein findiger Organist anfing, laufend patriotische Lieder auf ihr zu spielen.

Wenigstens wurde das Kunstwerk nicht wie die in der Nähe gelegene Saint-Jacques als Steinbruch verkauft. Doch ein halbes Jahrhundert später machte ihr fast ein großbürgerlicher Stadtplaner den Garaus: Baron Haussmann hatte aus Angst vor Arbeiteraufständen eine Vorliebe für große Schneisen und ließ vieles vernichten, was denen im Wege stand.

Auch Notre Dame wollte er abrasieren, wie der Pariser Erzbischof Michel Aupetit am Dienstag bestätigte. Ohne Rücksicht auf ihr ehrwürdiges Alter: Notre Dame war ab 1163 an der Stelle einer früheren romanischen Kathedrale entstanden.

Doch dank dem Schriftsteller Hugo und den vielen Franzosen, die dessen Werk begeisterte, musste Haussmann darauf verzichten, was nicht frei von Ironie ist: Die Kathedrale verdankt ihr Überleben einem Schriftsteller, dessen Werke der Vatikan teils auf den Index setzte.

Der Wiederaufbau ist finanziell gesichert, über 900 Millionen Euro an Zuwendungen sind zugesagt – manche Franzosen verfolgen den breit kommunizierten Spendenwettlauf der Superreichen mit gemischten Gefühlen. Schwierig wird die Frage sein, wie man Notre Dame aufbaut: so originalgetreu wie möglich oder lieber sicherer dank moderner Materialien?

Und was setzt man an die Stelle des verbrannten Vierungsturms aus dem 19. Jahrhundert: eine Kopie des 1792 zerstörten Originals? Oder etwas völlig Neues? Schon ist ein internationaler Wettbewerb für den Neubau des Turms ausgeschrieben.

Was auch passiert: Die 850 Jahre alte Dame wird es mit Fassung ertragen.

„Notre-Dame ist ein Teil von uns“ – Weltweite Bestürzung über Großbrand
Pariser Wahrzeichen
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Notre-Dame steht im Zentrum von Paris, auf der Insel Île de la Cité im Fluss Seine. Ein literarisches Denkmal setzte Victor Hugo dem Bauwerk mit seinem Roman „Der Glöckner von Notre-Dame“.

(Foto: AP)
Île de la Cité
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Der Sakralbau ist eine der am meisten besuchten Touristenattraktionen Frankreichs, 13 Millionen Menschen strömen jährlich zur Kathedrale. Sie gilt als Herzstück der französischen Hauptstadt.

(Foto: AFP)
Verheerender Brand
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Die Ursache für den Großbrand, der am Montagabend gegen 18.50 Uhr ausgebrochen war, ist vorerst weiter unklar. Das Büro der Staatsanwaltschaft in Paris behandelt den Großbrand als Unfall. Brandstiftung und ein mögliches Terrormotiv wurden vorerst ausgeschlossen. In französischen Medienberichten hieß es mit Verweis auf die Feuerwehr, es gebe eine mögliche Verbindung zu Renovierungsarbeiten am Spitzturm und dessen tonnenschwerer Holz- und Kupferauskleidung.

(Foto: AP)
Dach in Flammen
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Das Feuer ließ den Spitzturm einstürzen, rasch griff es auf große Teile des Dachstuhls über. Nach Kirchenangaben brannte auch die hölzerne Inneneinrichtung. Flammen schossen aus dem Dach und tauchten den Abendhimmel in Orange, Rauch stieg auf.

(Foto: Reuters)
Funkenregen
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Mehr als fünf Stunden nach dem Ausbruch des Feuers fielen noch Funken ins Innere des Sakralbaus. In der Kathedrale brannten keine Lichter, aber die Glut am Loch, das der eingestürzte Vierungsturm hinterlassen hatte, erleuchtete die Dunkelheit.

(Foto: AP)
Löscharbeiten
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Nach Stunden brachten die Einsatzkräfte das Feuer schließlich unter Kontrolle, ein Feuerwehrmann wurde verletzt. In der Nacht waren sie aber noch damit beschäftigt, das Bauwerk zu sichern und abzukühlen.

(Foto: AP)
Bangen um historisches Bauwerk
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Hunderte Katholiken, Anwohner, Schaulustige und Touristen versammelten sich zu Gesängen und zum Gebet. Tausende verfolgten die Szenerie von Brücken rund um die Insel.

(Foto: AP)
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