Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Notstand in der Lagunenstadt Venedig drohen weitere Hochwasserwellen – Politiker zum Krisenbesuch

Die Flut kehrt am Wochenende zurück, die Regierung hat den Notstand ausgerufen. Streit gibt es um das rettende, aber unvollendete Deichprojekt „Mose“.
15.11.2019 - 13:57 Uhr Kommentieren
Silvio Berlusconi (M), Forza Italia-Parteichef, geht mit Luigi Brugnaro (2. Reihe, M), Bürgermeister von Venedig, und Renato Brunetta (3.v.r), Leiter der Abgeordnetengruppe von Forza Italia, über den Markusplatz. Quelle: dpa
Überschwemmungen in Venedig

Silvio Berlusconi (M), Forza Italia-Parteichef, geht mit Luigi Brugnaro (2. Reihe, M), Bürgermeister von Venedig, und Renato Brunetta (3.v.r), Leiter der Abgeordnetengruppe von Forza Italia, über den Markusplatz.

(Foto: dpa)

Venedig Durchdringend heult am Morgen die Sirene über der Stadt. Vier Töne hintereinander, in steigender Tonfolge. Dann wissen die Venezianer, dass neues Hochwasser droht. Die Bewohner haben hohe Anglerstiefel an, im Gegensatz zu den Touristen, die mit Plastikgaloschen durch das kniehohe Wasser waten. Die Kanäle sind über Ufer getreten, aber vor allem rund um den Bahnhof gibt es immer noch trockene Wege. Man muss sich nur auskennen. 

Vier Sirenentöne bedeuten den höchsten Wasserstand. Nachdem sich die Lage in der Stadt am Donnerstag beruhigt hatte, wird für diesen Freitag mit neuem Hochwasser gerechnet. Die Experten berechnen die Gezeiten der Adria und können präzise Vorhersagen machen. Auf 1,60 Meter soll das Wasser steigen. Es regnet nicht mehr, aber der warme Scirocco-Wind drückt auf die Lagune und hindert das Wasser in den Kanälen am Abfließen.

Bürgermeister Luigi Brugnaro erklärte am Morgen per Twitter, dass er nun den Markusplatz schließen lasse. Die Stadtmitte von Venedig ist der tiefste Punkt und deshalb am meisten betroffen. Auch die Basilika von San Marco ist betroffen, es gibt Schäden an den kostbaren Mosaiken.

Am Freitagmorgen wurden die circa 50 Zentimeter hohen Holzstege abgebaut, auf denen man bisher den Platz überqueren konnte. Und die Vaporetti, die Boote des öffentlichen Nahverkehrs, die bisher nach Fahrplan fuhren, müssen jetzt zum Teil umgeleitet werden, weil sie an den Haltestellen des Canale Grande nicht mehr anlegen können.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen
    Die Straßen in der italienischen Lagunenstadt stehen unter Wasser.
    Venedig

    Die Straßen in der italienischen Lagunenstadt stehen unter Wasser.

     Die Regierung hat den Notstand ausgerufen, nachdem Premier Giuseppe Conte in Venedig die Schäden angesehen hat. Das bedeutet, dass 20 Millionen Euro an Soforthilfe bereitstehen: 5000 Euro pro Kopf als Entschädigung für Privatpersonen und 20.000 Euro für Gewerbetreibende. Conte hat zugesagt, dass die Gelder sofort fließen. Anschließend werde man den gesamten Schaden aufnehmen.  Der Bürgermeister hat inzwischen einen Spendenaufruf veröffentlicht.

    „Wir haben Venedig zerstört, wir sprechen von einem Schaden von einer Milliarde Euro allein gestern”, sagte Brugnaro, als er am Freitag früh mit Legachef Matteo Salvini durch die Stadt ging. In der Stadt Venedig wie in der Region Veneto regiert seit langem die Lega.

    Der große Schuldige der Flutkatastrophe

    Nicht nur Conte und Salvini, auch Forza-Italia-Chef Silvio Berlusconi ließ sich in Gummistiefeln beim Ortstermin ablichten. Rund um die Welt ging das Bild vom grünen Zeitungskiosk an den Fondamenta delle Zattere, wo an normalen Tagen die Touristen in die Gondeln steigen. Der Kiosk wurde vom Wasser weggespült. Conte sprach mit Besitzer Walter Mutti, der bei einem Spendenaufruf über Gofundme.com inzwischen bereits 16.000 Euro für den Wiederaufbau sammeln konnte.

    Doch der große Schaden wird erst berechnet werden können, wenn das Hochwasser zurückgeht. Für den 26. November hat Premier Conte ein interministerielles Komitee einberufen, in dem über die Strukturprobleme der Stadt beraten werden soll: „die Kreuzfahrtschiffe und ‚Mose‘“, so Conte.

    Dass die großen Kreuzfahrtschiffe bis in die Lagune hereinfahren, um die Touristen nahe des Markusplatzes zum Landausflug zu bringen, wird schon lange in Italien kontrovers diskutiert. Eine Lösung ist noch nicht gefunden, aber die Stadt will die Schiffe außerhalb anlegen lassen.

    Zum großen Schuldigen der Flutkatastrophe wird das Deichprojekt „Mose“ – ein Infrastrukturprojekt, über das seit mehr als 20 Jahren gestritten wird, bereits Milliarden Euro verschlungen hat und bei dem es zahlreiche Prozesse wegen Korruption gegeben hat.

    Theoretisch sollen an drei Zugängen zum Hafen in der Lagune von Venedig bewegliche Barrieren, die im Boden verankert sind, bei Hochwasser hochgefahren werden können, um das Wasser abzuhalten. Schon 2012 sollte es fertig sein, doch es funktioniert bis heute nicht.

    „Die Realisierung ist unvermeidbar“, sagte Premier Conte in Venedig, rund 90 bis 93 Prozent seien bereits fertig, eine andere Lösung gebe es nicht. „2021 ist Moses fertig, es gibt keinen Stillstand“, ergänzte Infrastrukturministerin Paola De Micheli, die ebenfalls in die Lagunenstadt geeilt war.        

    „Opfer des Klimawandels und der Korruption“

    Doch der politische Streit geht weiter. „Mose ist nicht unsere Baustelle, sondern eine Angelegenheit des Staates“, sagt Luca Zaia, der Ministerpräsident der Region Veneto, ein Lega-Politiker. „Wenn Mose endlich seine Arbeit aufnimmt, werden wir sehen, ob es funktioniert oder nicht."

    Außenminister Luigi Di Maio, Chef der Bewegung Fünf Sterne und ehemaliger Koalitionspartner der Lega, sagte am Freitag in New York: „Venedig ist ein Opfer des Klimawandels und ein Opfer der Korruption. Bei ‚Mose’ sind Hunderte Millionen an Bestechungsgeldern geflossen.”

    Der Streit hilft den Einwohnern der Stadt wenig. Auch für die nächsten Tage ist neues Hochwasser angekündigt.  „Es wird weitere Schäden geben, denn das Salzwasser hat eine zerstörende Wirkung“, sagte Emanuela Carpani, die Chefin der Denkmalbehörde für Archäologie, Bildende Kunst und Landschaft, im Radio.  „Zum Glück sind bisher die Sammlungen der Museen und Archive nicht beschädigt.“

    Mehr: Die Koalition aus Fünf Sterne und Sozialdemokraten hat einen schweren Stand. Sie verliert bei Regionalwahlen und verrennt sich beim Haushalt. Aber sie hält.

    Startseite
    Mehr zu: Notstand in der Lagunenstadt - Venedig drohen weitere Hochwasserwellen – Politiker zum Krisenbesuch
    0 Kommentare zu "Notstand in der Lagunenstadt: Venedig drohen weitere Hochwasserwellen – Politiker zum Krisenbesuch"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%