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Novartis Griechische Ex-Regierungschefs sollen in Schmiergeld-Affäre verstrickt sein

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Nicht die erste Untersuchung der Novartis-Geschäftspraktiken

Justizminister Kontonis spricht allerdings bereits von einem Skandal, „größer noch als die Siemens-Affäre“. Der deutsche Technologiekonzern soll Ende der 1990er Jahre in Griechenland Schmiergelder von 70 Millionen Euro gezahlt haben, um lukrative Aufträge des staatseigenen Telekommunikationsunternehmens OTE an Land zu ziehen. Wegen der Vorwürfe wird seit über zwei Jahren vor dem Athener Berufungsgericht gegen 64 Angeklagte verhandelt, darunter 13 ehemalige Siemens-Manager wie den früheren Konzernchef Heinrich von Pierer.

Vizejustizminister Papangelopoulos sieht in der Novartis-Affäre sogar „den größten Skandal seit Gründung des modernen griechischen Staates“ vor fast 190 Jahren. In den Ermittlungsunterlagen geht es nach Informationen aus Justizkreisen um Schmiergelder in Höhe von rund 50 Millionen Euro. Davon sollen 40 Millionen vor 2010 an drei Politiker geflossen sein, im Zusammenhang mit der Beschaffung von Novartis-Impfstoffen. Die Ermittler stützen sich unter anderem auf die Aussagen von drei „Kronzeugen“, deren Identität aus den Akten nicht hervorgeht. Es soll sich um „glaubwürdige“ Insider handeln, die mit den Vorgängen vertraut seien, heißt es inoffiziell in Justizkreisen.

Die Vorwürfe sind nicht neu. Die Affäre hatte bereits im Januar 2017 in Griechenland Schlagzeilen gemacht. Damals durchsuchten Staatsanwälte die Athener Büros von Novartis. Die Ermittlungen stützten sich auf Presseberichte über mutmaßliche Schmiergeldzahlungen des Basler Arzneimittelkonzerns an griechische Ärzte und Beamte, hieß es damals in Justizkreisen. Es ging damals um rund 4000 „Zielpersonen“, die der Pharmariese mit Geldzuweisungen und anderen Geschenken für seine Zwecke eingespannt haben soll.

Ihre Absicht: höhere Preise durchzusetzen, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und den Absatz von Novartis-Produkten zu steigern. Ein ehemaliger Novartis-Mitarbeiter berichtete damals anonym in der Zeitung „Kathimerini“: Der Konzern habe seiner Organisation in Griechenland hohe Verkaufsziele vorgegeben und extremen Druck auf die Vertriebsmitarbeiter gemacht, diese Vorgaben zu erreichen – obwohl der griechische Pharmamarkt in jenen Jahren infolge der Krise deutlich schrumpfte. Novartis erklärte damals, man kooperiere bei der Klärung der Vorwürfe „vollumfänglich mit den lokalen und ausländischen Behörden“.

Bereits vor einem Jahr zeichnete sich die innenpolitische Brisanz der mutmaßlichen Affäre ab. Der stellvertretende Gesundheitsminister Pavlos Polakis, ein prominenter Politiker des Tsipras-Linksbündnisses Syriza, sprach von „Schwarzgeldern in Höhe von über vier Milliarden Euro“. Verstrickt in den Skandal seien „zahlreiche Politiker, Ärzte und Journalisten“, die „ihre Hand tief in den Honigtopf gesteckt“ hätten.

Parallel zu den damals eingeleiteten Ermittlungen gegen Novartis und mögliche Schmiergeldempfänger in der Politik und im staatlichen Gesundheitswesen prüfte die Staatsanwaltschaft auch Kontobewegungen von Ärzten daraufhin, ob sie Zuweisungen von Novartis erhalten haben. Zu welchen Ergebnissen diese Ermittlungen führten, ist bisher nicht bekannt.

Die griechische Staatsanwaltschaft bat seinerzeit die US-Justizbehörden um Unterstützung bei den Ermittlungen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Pharmakonzern mit dem Vorwurf konfrontiert sieht, die Absätze eigener Medikamente mit unlauteren Mitteln zu steigern. Im Jahr 2015 hatte Novartis in den USA ein Verfahren wegen so genannter Kickback-Zahlungen beigelegt. Demnach soll das Unternehmen zwischen 2007 und 2012 spezialisierten Apotheken Rabatte gewährt haben, damit diese die beiden Novartis-Produkte Exjade and Myfortic empfehlen. Der Pharmakonzern zahlte 390 Millionen US-Dollar Buße und räumte das Vorgehen ein.

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1 Kommentar zu "Novartis: Griechische Ex-Regierungschefs sollen in Schmiergeld-Affäre verstrickt sein"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Bisher hat die griechische Regierung ihr Versprechen nicht eingelöst, die Korruption auszurotten."

    Hat da irgendjemand geglaubt, daß dieses Land, in dem Korruption seit Jahrhunderten zum Alltag gehört wie
    die Akropolis zu Athen, dieses "Versprechen" tatsächlich einlöst, evtl. sogar über Nacht - das ist an Naivität
    und Schwachsinn nicht zu überbieten. Die Griechen versprechen alles - immer wieder neu - so viele Reformen gibt es gar nicht, die sie schon umsetzen wollten - damit Gelder fließen. Das unwürdige Spiel geht in die nächste Runde.

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