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Donald Trump vor dem Abflug in Kanada

„Der Präsident scheint entschlossen zu sein, einen "Handelskrieg" loszutreten.“

(Foto: Reuters)

Obamas Chefökonom Jason Furman „Amerika lässt seine treuesten Partner im Stich“

Der Chefökonom von Barack Obama über das G7-Debakel in Kanada, die Willkür von Präsident Trump und den transatlantischen Handelskrieg.
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Als Chefökonom von Ex-Präsident Barack Obama musste sich Jason Furman schon mit dem deutschen Handelsüberschuss auseinandersetzen. Heute lehrt er in Harvard. Die Politik von Donald Trump erfüllt ihn mit wachsender Sorge.

Professor Furman, sind die G7 noch zu retten?
Die Trump-Regierung hat sich von ihren traditionellen Partnern im G7-Bündnis abgespalten und empfohlen, Russland wieder in die Gruppe aufzunehmen. Das ist ein Fehler. Amerika lässt seine treusten Verbündeten und wirtschaftlichen Partner im Stich. Allerdings haben die G7 schon lange aufgehört, eine besonders effektive oder bedeutsame Gruppierung zu sein. Die globalen Kooperationsaufgaben sind an die G20 übergangen, die China als zweitgrößte Volkswirtschaft und viele bedeutende Schwellenländer umfasst. Die negativen Folgen der amerikanischen Politik betreffen also weniger die G7 als Institution als die Handelsbeziehungen zu den Partnerländern.

Führt Trump einen Handelskrieg gegen den Rest der Welt?
Der Präsident scheint entschlossen zu sein, einen „Handelskrieg“ loszutreten – so nennt er es selbst. Wenn der Konflikt jetzt endet, also nicht über US-Stahlzölle und maßvolle Gegenreaktionen hinausgeht, wird der ökonomische Schaden relativ begrenzt sein. Aber wenn dies erst der Anfang ist, und sich beide Seiten zu weitreichender Maßnahmen treiben lassen, wird der Schaden zunehmen.

Obama-Chefökonom zu G7: „Amerika lässt treuste Partner im Stich“ Quelle: Bloomberg
Jason Furman

Trumps Handelspolitik schade gewöhnlichen Amerikanern, sagt der Chefökonom des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama.

(Foto: Bloomberg)

Warum boomt die US-Wirtschaft trotz aller Spannungen?
Gemessen an der globalen Wirtschaftsleistung sind die US-Zölle und die Gegenreaktionen der anderen Staaten, die bisher beschlossen wurden, sehr klein. Der fiskalpolitische Schub von 200 Milliarden Dollar durch die amerikanischen Steuersenkungen hat kurzfristig eine viel größere Auswirkung auf die Wirtschaft als alle bisherigen handelspolitischen Schritte.

Trump behauptet, für die „vergessenen Amerikaner“ zu kämpfen.
Doch seine Handelspolitik schadet gewöhnlichen Amerikanern. Als Konsumenten werden sie höhere Preise für alles bezahlen, was Stahl und Aluminium benötigt. Dadurch sinkt die Kaufkraft ihrer Löhne. Und für jeden Stahlarbeiter, der von den Zöllen profitiert, arbeiten 40 Arbeitnehmer in stahlverarbeitenden Industrien wie der Autobranche, die unter den Zöllen leiden. Hinzukommt: Selbst die Beschäftigten in der Stahlindustrie sind negativ betroffen – durch die Störung von Lieferketten. Das erklärt, warum selbst die Gewerkschaft der Stahlarbeiter gegen die Zölle ist.

Wie ist es zu erklären, dass die US-Arbeitgeber weiter hinter dem Präsidenten stehen?
Die Wirtschaftsverbände wollen keinen Handelskrieg. Aber ihr Kalkül ist, dass die Kosten der protektionistischen Politik von den Steuersenkungen und der Deregulierung aufgewogen werden. Einige Konzernchefs glauben offenbar auch, dass sie mehr Einfluss auf Trump ausüben können, wenn sie ihm nach dem Mund reden. Doch diese Strategie scheint nicht aufzugehen.

Angenommen, Sie berieten die Europäer, was würden Sie ihnen jetzt empfehlen? Ihr Harvard-Kollege Dani Rodrik sagt: Schenkt Trump einen symbolischen Sieg!
Ich bin kein Berater, aber ich hoffe, dass sich die Entscheidungsträger wie verantwortungsvolle Staatsmänner verhalten, die globale Handelsregeln stärken und nicht überproportional zurückschlagen. Es ist möglich, dass symbolische Erfolge die Vereinigten Staaten besänftigen. Aber ich würde es keinem Land verübeln, sich mit gleichen Mitteln zur Wehr zu setzen.

Kann Trump sein Ziel erreichen, das Exportdefizit der USA zu reduzieren?
Das Handelsdefizit wird von makroökonomischen Kräften bestimmt, genauer: davon, wie viel ein Land spart und investiert. Die Wirtschaftspolitik von Präsident Trump, höhere Haushaltsdefizite und Investitionsanreize, dürften höhere Kapitalzuflüsse in die USA erfordern und damit zu höheren Handelsdefiziten führen.

Der deutsche Handelsüberschuss war schon der Obama-Regierung ein Dorn im Auge. Führt Trump nur – auf aggressivere Weise – die Politik seines Vorgängers fort?
Deutschlands Handelsüberschuss ist wirtschaftlich problematisch, aber nicht weil er bestimmte Handelspraktiken widerspiegeln würde, sondern weil er das Ergebnis mangelnder Investitionen und exzessiven Sparens ist. Die Obama-Administration war in ihren Diskussionen mit Deutschland zurecht auf diese Triebkräfte der Ungleichgewichte fokussiert. Die Trump-Regierung fixiert sich auf Dinge wie Autozölle, die nichts mit dem deutschen Exportüberschuss oder dem US-Defizit zu tun haben.

In Washington werden schon Gesetze beraten, die Trumps Macht beschneiden würden. Wird der Kongress ihn stoppen?
Nein, der Kongress hat dem Präsidenten traditionell großen Spielraum in der Handelspolitik eingeräumt. Die Entscheidungsträger haben klargestellt, dass sich das nicht ändert.

Wer profitiert von der disruptiven Politik der USA, China?
Der Handel ist ein Positivsummenspiel, niemand gewinnt, wenn er unterbrochen wird – alle verlieren ein bisschen. Es ist möglich, dass China relativen Nutzen aus der Selbstisolation der USA zieht. Aber wenn ich in Peking wäre, wäre das nicht die Art von Nutzen, die ich mir wünschen würde.

Es entsteht der Eindruck, Trump behandle Rivalen wie China besser als enge Partner.
Die Vereinigten Staaten verhalten sich in willkürlicher und unvorhersehbarer Weise – das ist Trumps Stil, er hält das für seine beste Verhandlungsstrategie.

Herr Furman, vielen Dank für das Gespräch.

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