Obamas Vermächtnis Von wegen Held der Afroamerikaner

Barack Obama war der erste afroamerikanische US-Präsident. Das Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß war auch ein Brennpunkt während seiner achtjährigen Regierungszeit. Doch viele sind von seinem Handeln enttäuscht.
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Die Meinungen unter den Afroamerikanern über US-Präsident Barack Obama gehen weit auseinander. Quelle: AFP
Obama tritt ab

Die Meinungen unter den Afroamerikanern über US-Präsident Barack Obama gehen weit auseinander.

(Foto: AFP)

ChicagoBarack Obama zog als eine Art lebendes Symbol ins Weiße Haus ein: der erste afroamerikanische Lenker der mächtigsten Nation der Welt. Das Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß wurde auch zu einem Brennpunkt in seiner Regierungszeit. Jetzt, nach acht Jahren, am Ende seiner Amtszeit: Wie sieht Obamas Bilanz bei diesem Thema aus? Das Vermächtnis, das er hinterlässt, ist so kompliziert wie der Präsident selbst.

Für viele war Obamas Wahl ein großer Schritt vorwärts auf dem Weg zur Verwirklichung des Traums von einer Gesellschaft, die den Rassismus überwunden hat. Eine Rekordzahl von Afroamerikanern, zusammen mit Latinos und Asiatischstämmigen, gab ihm 2008 ihre Stimme – voller Erwartung, dass seiner Botschaft der Hoffnung und des Wandels auch entsprechende Aktionen folgen.

Manche sagen, dass er dies auch getan hat. Sie verweisen darauf, dass Obama Strafrechtsreformen einleitete – mit mehr Gerechtigkeit für Minderheiten, Hunderttausende Migranten vor der Abschiebung bewahrte, eine Gesundheitsreform durchsetzte, die Millionen von Schwarzen und Latinos eine Krankenversicherung ermöglichte. Obama brachte auch ethnische Vielfalt in sein Kabinett, darunter die ersten beiden afroamerikanischen Justizminister.

Bye-bye, Michelle
Michelle Obama
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Eleganz, Lockerheit, Stil: es verwundert kaum, dass viele Designer und Branchenkenner Michelle Obama als eine der bisher einflussreichsten First Ladys in Sachen Mode betrachten und sie schmerzlich vermissen werden, wenn sie am 20. Januar nach acht Jahren aus dem Weißen Haus auszieht.

Amtseinführung 2009
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Vom ersten Tag an demonstrierte Michelle Obama ihre Vielseitigkeit bei der Wahl der Designer. First Ladys vor ihr hatten sich bei Amtseintritt ihrer Männer oft für etablierte Luxus-Modeschöpfer wie Oscar de la Renta entschieden. Michelle trug tagsüber ein zitronengelbes Ensemble aus der Schneiderstube der kubanischstämmigen Amerikanerin Isabel Toledo und bei den Amtseinführungsbällen eine weiße, auf einer Seite schulterfreie Abendrobe des taiwanesisch-kanadischen Designers Jason Wu.

Vier Jahre später
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Vier Jahre später, bei der zweiten Vereidigung ihres Mannes, wählte sie eine geschmeidige Mantel-Kleid-Kombination des amerikanischen Modeschöpfers Thom Browne, bekannt für seine eklektischen Talente, und für den Abend erneut eine Kreation von Jason Wu. „Es war eine Ehre, die First Lady einzukleiden“, so Browne. „Dass sie so stilbewusst ist, liegt an ihrem Selbstvertrauen und ihrer Intelligenz.“

Der zweite Wahlkampf
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Den Designern der First Lady war nie im Voraus klar, ob sie ihre Schöpfungen wirklich an Michelle sehen würden oder nicht. „Wir haben ab und zu Anrufe von ihrem Team erhalten“, schildert Modeschöpferin Tracy Reese . „Aber wofür die Sachen waren, wann sie sie tragen würde, das wussten wir nicht genau.“ Aber was immer sie trug – es konnte sicherlich die Karriere des Designers dahinter ändern. „Millionen Menschen mehr als wir sie sonst jemals hätten erreichen können, wurden auf uns aufmerksam“, sagt Reese.

Amerikanische Designer
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Die First Lady trug beispielsweise ein schwarzes Kleid mit roten Blumen der Modedesignerin Tracy Reese bei den Feiern zum 50. Jahrestag des Bürgerrechtsmarsches auf Washington. Die aus Detroit stammende Reese zählt zu den Lieblingsmodeschöpferinnen von Michelle Obama. 20 bis 30 Mal ist sie in Kleidungsstücken ihres Labels fotografiert worden. Aber im Gegensatz zu einigen ihrer Vorgängerinnen, die ein oder zwei namhafte Designer bevorzugten, hat Michelle ihre Gunst auf eine große Zahl verteilt, oft auch weniger bekannte.

Aktienpreise von Designerfirmen
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David Yermack, ein Experte für Unternehmensfinanzen an der New York University, hat die Auswirkungen von Michelles Modewahl in ihrem ersten Jahr als First Lady studiert. Er entdeckte einen unmittelbaren Anstieg der Aktienpreise von Designerfirmen, deren Bekleidung sie getragen hatte. Auch die Einzelhändler hätten profitiert. Bei größeren Auftritten habe sich das auf Dutzende Millionen Dollar belaufen können – und es sei mehrere Male vorgekommen.

Im Gedächtnis
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Und die Öffentlichkeit, so sagt Yermack, behält im Gedächtnis, was Michelle Obama trägt. Beispielsweise trug die First Lady ein blaues Kleid als sie mit Obama den französischen Präsidenten François Hollande für ein Dinner im weißen Haus erwartete. „Können Sie sich an das erinnern, was Pat Nixon oder Laura Bush getragen haben? Sie (Michelle) hat die Fähigkeit, das Interesse der Verbraucher auf eine Weise wach zu halten wie es fast niemand anderes kann. Ich habe mich überall umgeschaut – Kate Middleton, Carla Bruni. Niemand kommt in dieser Hinsicht auch nur annähernd an Mrs. Obama heran.“

Für viele lag die größte Bedeutung von Obamas Präsidentschaft aber nicht darin, was er in die Tat umsetzte: Sie lag in seiner schieren Präsenz im Oval Office. Selbst wenn er als Präsident niemals etwas für die Afroamerikaner getan hätte, „sehen wir uns allein durch die Tatsache, dass er das Weiße Haus bewohnt hat, selber in einem anderen Licht“, formuliert es Loretta Augustine-Herron. Sie arbeitete in den 198Oern an der Seite Obamas, als er Gemeindeorganisator in Chicago war.

Viele Schwarze spenden Obama auch Beifall dafür, wie ruhig er auf die vielen Demütigungen reagierte, mit denen er es als erster Präsident mit dunkler Hautfarbe zu tun hatte. Da gab es zum Beispiel die „Birther“-Bewegung, die fälschlicherweise verbreitete, Obama sei in Afrika geboren. Oder Fotos, die ihn als afrikanischen Medizinmann darstellten und rassistische Schimpfwörter. „Bei uns in Alabama gibt es ein Sprichwort, das besagt, wenn du mit einem Schwein kämpfst, vergnügt sich das Schwein und du bist derjenige, der dreckig wird“, sagt Glennon Threatt, ein Pflichtverteidiger in Birmingham. „Der Präsident hat sich nicht in den Schmutz begeben.“

Aber umgekehrt gibt es eine Reihe von Schwarzen, die von Obama mehr erwartet haben, von ihm enttäuscht sind. Sie meinen, dass er das Rassenthema nicht schnell oder stark genug angesprochen und nicht entschieden genug für eine Reform der Einwanderungsgesetze gekämpft habe.

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