Obergrenze für Anleihekäufe „Berechenbarkeit macht die EZB wehrlos“

Der Streit um die Rolle der EZB in der Euro-Krise spitzt sich zu. Berichte, dass sie sich Grenzen für Anleihekäufe setzt, werden nicht dementiert. Das hätte Folgen für ihre Macht, der Spekulation entgegen zu treten.
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Der Präsident der Europaeischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi. Quelle: dapd

Der Präsident der Europaeischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi.

(Foto: dapd)

Berlin, DüsseldorfBerichte über eine Höchstgrenze für die wöchentlichen Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) stoßen unter Ökonomen auf heftige Kritik. "Die EZB macht ihren Schutz unwirksam, wenn sie vorher festlegt, bis zu welcher Grenze sie Anleihen kauft," sagte der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Laut eines Zeitungsberichts legt die EZB vorab eine Höchstgrenze für ihre wöchentlichen Anleihekäufe fest. Alle zwei Wochen verständige sich der EZB-Rat auf ein Limit für die wöchentlichen Ankäufe, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ am Freitag. Die Begrenzung werde in Notenbankkreisen „als Geheimnis behandelt“, weil man ansonsten befürchtet, Spekulationen zu ermuntern. Eine Sprecherin der EZB wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren.

Aus Sicht von Gustav Horn untergräbt eine Limitierung die Effektivität der Anleihekäufe durch die EZB. "Die theoretische Unbegrenztheit ihrer Mittel ist die stärkste Waffe der EZB," sagte Horn. Wenn berechenbar sei, wie viele Anleihen die EZB kaufe, könnten sich Spekulanten darauf einstellen.

Horn sieht keine erhöhten Inflationsgefahren durch die Anleihekäufe. Die Banken würden derzeit aus Angst vor der Krise Rekordsummen bei der EZB parken. Auf diese Weise würde der Wirtschaft Liquidität wieder entzogen.

Auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sprach sich gegen eine Limitierung der EZB-Anleihekäufe aus. Der Notenbank dürften keine Grenzen auferlegt werden. "Das Grundprinzip heißt klotzen statt kleckern," sagte Bofinger gegenüber Handelsblatt Online.

Die EZB streitet heftig über ihren Kurs in der Schuldenkrise. Nachdem in den vergangenen Tagen die Forderung nach unbegrenzten Anleihenkäufen der EZB immer lauter geworden war, dringen die Gegner auf ein schnelles Ende der Anleihekäufe.

Laut FAZ wächst im EZB-Rat inzwischen die Skepsis gegenüber Anleihekäufen. Diese zunehmenden Zweifel hätten dazu geführt, dass die schon seit Beginn des Programms existierende Obergrenze auf 20 Milliarden Euro herabgesetzt wurde. Über eine weitere Absenkung werde verhandelt, so zuletzt bei der Tagung des EZB-Rates am Donnerstag. Das Ergebnis sei aber noch nicht bekannt. „Schon allein die Existenz dieser Grenze ... wird in Notenbankkreisen als Geheimnis behandelt“, schreibt die „FAZ“ weiter.

Die EZB hat stets betont, dass das Programm zur Marktstützung vorübergehend ist. EZB-Chef Mario Draghi hat am Freitag nochmals eine schnelle Umsetzung der beim Krisengipfel Ende Oktober gefassten politischen Beschlüsse zur Stabilisierung des Euro eingefordert. „Wir sollten damit nicht länger warten“, sagte der Italiener am Freitag bei einem Bankenkongress in Frankfurt.

Starker Widerstand gegen unbegrenzte Anleihekäufe
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21 Kommentare zu "Obergrenze für Anleihekäufe: „Berechenbarkeit macht die EZB wehrlos“"

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  • Endlich eine realistische Analyse.
    Bitte mehr und in Artikelform!!

  • Meines Erachtens ist das Problem weniger, ob die EZB Staatsanleihen kauft oder nicht, sondern viel mehr das Vertrauen in die EU und die Politik der Euro-Staaten. Dass man auch 100 % oder 200 % Staatsschulden stemmen kann, sieht man an den USA und Japan.

    Ohne politische Union funktioniert keine Währungsunion. Das ist inzwischen hinlänglich bekannt. Die politische Union wollen die europäischen Politiker aber offensichtlich nicht. Euro-Land befindet sich in einer Lähmung, weil viele Kräfte aus unterschiedlichsten Richtungen am "gemeinsamen" Projekt zerren.

    Weniger als eine Schuldenkrise halte ich es viel mehr für eine Vertrauenkrise. Die Schuldendimensionen wären noch absolut stemmbar bei einer geeigneten Politik.

    Europa hat ein Problem, das schon hunderte von Jahren währt, das Gezänk zwischen den europäischen Mächten Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Großmächte sind sie genau aus diesem Grund schon lange nicht mehr.

  • Schuldenkrise, weltweite Aufrüstung, Abschaffung der Wehrpflicht in Deutschland... wer da Zusammenhänge vermutet und Böses denkt... Man könnte diesen Faden noch viel weiter spinnen. Aber gaaaanz ruhig, alles wird gut.

  • Alle Versuche, die aktuelle Schuldenkrise mit Hilfe der Notenbank zu lösen, sind zum Scheitern verurteilt: damit werden die eigentlichen Gründe (Überschuldung,mangelnde Wettbewerbsfähigkeit,ungelöste Strukturprobleme)nicht gelöst. Vielmehr werden neue Probleme geschaffen:(Ausweitung der Geldmenge,Verringerung des Anpassungsdrucks in den Schuldnerländern, Verletzung des Verbots der Staatsfinanzierung). Ein Patentrezept ist auch nicht einfach die Übertragung von noch mehr Souveränität auf die europäische Ebene sein.Die jüngsten Forderungen des EU-Parlaments nach noch mehr Steuereinnahmen zeigen vielmehr, dass dies ein problematischer , wenn nicht sogar gefährlicher Weg ist.Die Lösung muss in mehr und dauerhafter finanzpolitischer Disziplin auf nationaler Ebene bestehen flankiert von wirksamen Sanktionsmechanismen.

  • Der "angelsächsische Zockerkapitalismus" hat es doch recht leicht. Ein Kinderspiel, es mit dem Schwachsinn deutscher Leitideologie aufzunehmen. Deutschland versucht es mal wieder im Alleingang gegen die Welt. Und wie immer, mit totalen Amateuren an der Spitze. Der Ausgang ist bekannt.

  • Die EU und der Euro waren und sind ein absoluter Fehlschlag. Anstatt aber nun einmal Arsch in der Hose zu haben und einmal einen radikalen Schnitt zu machen und zur Nationalität zurückzukehren - das würde nur einmal richtig wehtun - setzt man restlos alles dran, um den Schaden ins unendliche zu forcieren - und somit werden die Wehwehchen immer mehr und grösser, bis zum totalen Bankrott. Und zu den Ökonomen und Wirtschaftsweisen: Ihr hättet wirklich beizeiten einen vernünftigen Beruf erlernen sollen!

  • Vergesst doch mal kurz die gegenseitigen Anschuldigungen!
    Alle sind die Verlierer des Systems.

    Wie funktioniert Geld, wie funktioniert unser System, was ist der Ausblick!

    "Goldschmid Fabian" als Zeichentrickvideo. Eine Stunde die sich lohnt.
    http://www.youtube.com/watch?v=OA4unG7uNas

    Wollt Ihr dieses System? Denkt darüber nach!

  • In der NYTimes meinte ein Mr. Zeihan
    im Artikel : European Rift on Bank’s Role in Debt Relief
    By JACK EWING and NICHOLAS KULISH
    Published: November 17, 2011


    In the end, Germany might leave.”

    (Much discussion has centered on whether Greece might leave or be forced to leave the euro zone, but the Germans might question whether they should stay if all their most cherished principles are violated. The Germans are pushing to amend the treaties right now so a country could leave the euro zone,” said Mr. Zeihan, vice president of analysis at Stratfor, a geopolitical research center )

    Sicher eine sehr interessante Empfehlung, Deutschland sollte doch lieber den Euroraum verlassen. Besonders im Anbetracht, dass Deutschland nur 2 Stimmen von insgesamt 23 Stimmen im EZB Rat besitzt - aber das größte Kapital bei der Bank stellt. ( While wielding only 2 of the 23 votes on the bank’s governing council, Germany is the biggest contributor to its capital).
    Da sollte man doch einmal mehr die Tatsachen berücksichtigen.

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    Mit Draghi ist die EZB (Europäische Zocker Bank )jetzt

    komplett von den Bankrottstaaten unterwandert u. sie

    werden Deutschland in den Ruin zwingen .

    Jetzt fehlt nur noch Ackermann ,dann ist der Laden komplett

    organisiert für die Banksterbande .


    Die Sparkonten der Normalbürger hat man jetzt im Visier

    u. wird sie in Kürze plündern für die Bankrottstaaten .

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  • Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus. Die Zivilgesellschaft stellt sich dar wie der Müll unter Hempels Sofa. Jedes "Bonbon, jede Zigarette, Münze, Einwegfeuerzeug, Apfelsinenschale, Staubflocken" stellen ein Problemfeld dar und keiner ist zuständig. Wer sich zuerst bückt, hat verloren.
    Aber so ist es, wenn Technologiezyklen und Vormachtstellungen auslaufen. Die Tonarten verändern sich merklich und am Ende ist Krieg. Da wird nicht mehr gekleckert, da wird geklotzt.
    China rüstet auf und eine Allianz unter Führung der USA hält dagegen. Am Ende sind dann alle wieder lieb und brav.
    http://www.bps-niedenstein.de/

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