Occupy Wall Street Wo geht‘s hier zur Revolution?

Die Bewegung „Occupy Wall Street“ hat ganz Amerika erfasst. Bald wird sich zeigen, ob aus der bunten Truppe eine politische Größe wird. Doch was wollen die Aktivisten eigentlich? Ein Besuch im Hauptquartier des Protests.
15 Kommentare
Demonstranten von „Occupy Wall Street “ ziehen als Zombies verkleidet durch die Straßen New Yorks. Quelle: AFP

Demonstranten von „Occupy Wall Street ziehen als Zombies verkleidet durch die Straßen New Yorks.

(Foto: AFP)

New YorkMichael Miller geht jetzt alles ein bisschen ruhiger an. Vor langer Zeit, als es gegen den Vietnamkrieg und gegen Rassismus ging, da hatte er Straßen blockiert, mit Polizisten gerangelt, in Sprechchören mitgebrüllt. Heute steht der 72-jährige Arzt im Ruhestand ganz still mit seinem Transparent im New Yorker Bankenviertel und schwärmt: „Das sind diese besonderen Momente. Genauso war es früher“.

Miller, groß gewachsen, gütige Augen, die weißen Haare nach hinten gestrichen, wirkt wie eine Statue inmitten eines Gewusels aus hunderten jungen Menschen. Sie könnten Millers Enkel sein, doch er wollte unbedingt mitmachen, wie er sagt. „Ich habe zufällig mit angesehen, wie brutal die Polizei neulich zugelangt hat. Das war für mich die Zündung“. Also malte der Rentner ein Transparent, das zur Kündigung des Kontos bei der Bank of America aufruft („Du bist nicht machtlos“) und schloss sich der Bewegung „Occupy Wall Street“ an.

Jeden Tag steht er nun für ein paar Stunden auf dem Broadway vor dem kleinen Zuccotti Park, auf dem die Aktivisten seit fast drei Wochen demonstrieren, campen und essen. „Es ist höchste Zeit, dass sich die Leute gegen die Macht der Banken, den Lobbyismus, die Entmündigung zur Wehr setzen“, sagt Miller. Ob aus den losen Protestlern irgendwann eine richtige Volksbewegung werde, müsse sich zeigen. „Aber ich würde es mir wünschen“.

Diese Frage stellt sich mittlerweile das ganze Land. Ist „Occupy Wall Street“ eine kurze, spontane Erscheinung, oder ist es die Geburt einer neuen, breiten politischen Bewegung? Amerika reibt sich verwundert die Augen, es kann noch nicht so viel anfangen mit dem, was da vor drei Wochen mit einem Häuflein Protestler begann und in den vergangenen Tagen erst richtig Fahrt aufnahm.

Prominente sympathisieren mit der Bewegung
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

15 Kommentare zu "Occupy Wall Street: Wo geht‘s hier zur Revolution?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Von Wölfen und Lämmern.
    Hier ist der Staat gefragt. Aufmarschieren, festnehmen und ins Gefängnis bringen wenn sie Straftaten begehen. Die Gründer und Organisatoren hart bestrafen falls es zu übergriffen in Verbindung mit Straftaten kommt.

  • Was leider in dem Artikel unbeachtet blieb, ist das es sich bei der Occupy Wall Street Aktion grundsätzlich nur um eine von vielen Aktionen weltweit handelt, die in Vorbereitung stehen zum 15.10.2011 den Tag an dem weltweit für einen globalen Wandel des wirtschaftlichen und Gesellschaftlichen Systems demonstriert wird u. welcher als eine Art Auftaktkundgebung anzusehen ist.

    Weltweite Mobilisierung:
    http://15october.net/de/
     unter „where“ kann man auch die meisten geplanten Aktionen in Deutschland bereits sehen!
    Berliner Aktion startet am 15.10.2011 um 13.00 Uhr am Neptunbrunnen:
    http://www.facebook.com/event.php?eid=223853597672895
    Info auch unter: www.alex11.org

  • wan sind wir bereit für so eine aktion, - arabische aufstand in cairo, tunesien und jetzt in america, - in berlin ???
    wir, das volk soll die meinung äußern, nicht die abgeordneten überlassen, denn sie seien unfähig und klar zu denken bzw zu ausdrucken. ihre birne ist durch fette diät voll geschmiert und ihr fresse ist voll gestopft.
    rettung grieche, rettung euro -- die wahrheit ist rettung die banken, die fond-speculanten. politikern debatieren vor dem tv, es ist nur affentheatre und leeres wort.
    am ende wir, das volk muß dafür bezahlen und die politikern genießen weiter ihre diät und rente. n.blöm sei grüßt

  • @lowabras

    Mir ist einfach der Flug nach NY zu teuer. Aber bevor man den Arsch bewegt, sollte man den Artikel gelesen haben, um zu verstehen wo die Reise hingehen sollte ;-) Also bitte selber weiter denken bevor man auf andere einschlaegt!

  • Ich wünsche Euch viel Glück aus Brasilien. Kann deshalb leider nicht physisch dabei sein, aber in meinen Gedanken!
    Lasst Euch nicht entmutigen, wenn auch nur wenige mitmachen. Es wird schon! Bis der deutsche fettwamsige Michel sich bewegt brauchts halt sehr lange. Erst wenn ihm der A.sch auf Grundeis geht wird er sich bewegen, aber das wird nicht lange dauern, das ist sicher!

  • Ja Stubi(d). Dann musst Du Deinen Arsch halt auch bewegen, dass es keine große Gefahr wird! Parolen wie Herr Lehrer ich weiß da was, helfen Keinem!

  • Genau diese Einstellung verhindert solche Bewegungen! Das ist doch immer wieder wiederlich das gleiche Gesülz von diesen Deutschen (leider bin ich auch ein rein Deutscher aber eben mit einer anderen Gesinnung) Micheln zu hören, die hinter Allem und Jedem nur Nachteile sehen. Nicht fähig Chancen whr zu nehmen. Ekelhaft diese Einstellung. Penne weiter und lasse diejenigen die weiter denken in Ruhe!

  • "Basisdemokratie könnte ein probates Mittel sein".
    Ich gehe davon aus, dass es ein probates Mittel sein MUSS!
    Dort wo Unrecht zu Recht wird, dort ist Wiederstand Pflicht.
    Aber die Meisten haben das immer noch nicht begriffen, zu Satt, zu faul und immer nach Anderen schielend!

  • Was wir und die Amerikaner brauchen, ist eine verfassungstreue Tea Party, keine linken Traumtänzer. Diese Leute haben doch überhaupt keinen Plan (gegen Wall Street, aber G. Soros ist denen sypathisch?) und übersehen geflissentlich, dass die "Wall Street" überwiegend die Obama-Regierung stützt. Ich muss auch lachen (oder k****), dass ein paar Hundert Protestiere sofort in den deutschen Medien auftauchen, aber Tea-Party-Proteste mit Hundertausenden nur am Rande erwähnt und als rechtsextrem diffamiert werden.

  • Absurd !
    Seit Anfang der 90iger hat man in den USA, von div. keynesianischen Ökonomen auch hierzulande bejubelt, mit einer Blasen-Politik Beschäftigung und Einkommen "produziert". "Wall Street" oder "die Banken" werden als probate Sündenböcke herangezogen.

    Abgesehen davon, daß ich nicht weiß, was ein "angehender Professor" sein soll, sollte die Naivität, mit der die Heranwachsenden in den USA großgezogen wurden, nachdenklich stimmen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%