Ochi! Warum die Griechen so gerne „Nein“ sagen

Nüchtern betrachtet gibt es kaum einen Grund, warum die Griechen die Rettung ihres Staats vor der Insolvenz ablehnen sollten. Trotzdem ist ein Nein der Griechen nicht unwahrscheinlich. Das hat auch historische Gründe.
8 Kommentare

Papandreou kämpft

DüsseldorfMit den Finanzmärkten werden sie locker fertig, die eigenen Parlamente, geschenkt, aber es gibt eine Sache, die Angela Merkel und Nicolas Sarkozy mehr fürchten als alles andere: die Starrköpfigkeit der unbeugsamen Griechen. Genau deshalb haben die selbsternannten Euro-Retter vor dem G-20-Gipfel die Daumenschrauben angezogen und das von der griechischen Regierung angekündigte Referendum zur Abstimmung über den Verbleib des Landes in der Euro-Zone erklärt.

Aber was macht das griechische Volk so unberechenbar? Warum sollten die Griechen ein 100-Milliarden-Euro-Geschenk – und nichts anderes ist der Schuldenschnitt – ablehnen? Die Sparprogramme verlangen dem Volk viel ab, klar, aber wäre die Alternative besser? Können die Griechen wirklich wollen, dass ihr Land dauerhaft von der wirtschaftlichen Bildfläche verschwindet?

Die Antwort: Sie können. Eben weil es so schön irrational ist, könnte es so machen Hellenen reizen, seinem Frust über die radikale Sparkur Luft zu machen und bei einem Referendum mit Nein zu stimmen. „Wir lassen uns von Euch nicht vorschreiben, wie wir zu leben haben“, wäre die Botschaft, die die Griechen damit an Europa senden würden. „Wenn wir schon untergehen, dann bestimmen wir wenigstens selbst, wann und wie.“

„Wir lassen uns nicht vom Ausland bevormunden.“
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8 Kommentare zu "Ochi!: Warum die Griechen so gerne „Nein“ sagen"

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  • So ist es! 10 000e Libyer haben für ein klein wenig mehr Freiheit ihr Leben geopfert. Die deutsche Regierung konnte dafür kein Verständnis aufbringen.

  • Es gibt noch eine Besonderheit: In Deutschland gibt es ein Querulantengesetz, das zur endgültigen Entmündigung führt.
    Eine Zwischenstufe ist die fehlende Prozeßfähigkeit aller Bundesbürger vor Landgerichten. Dort muß sich das Mündel, anders als in der Schweiz, von einem Anwalt vertreten lassen.
    Papandreou zeigte Demokratieverständnis, Merkel hat das ihm wieder ausgetrieben.

    Wir brauchen einen Michael-Kohlhaas-Tag!

    http://www.locus24.de/psy-0006.html

  • Die Griechen haben gelügen, oder die Regierung? Können Sie persönlich wissen, ob die Angaben Ihres Landes echt sind? Glauben Sie, dass es ein geheimes Referendum für die Verfälschung der Statistiken gab?

    Ich habe hundertmals gegen meiner Politiker demonstriert und keiner sitzt vor Gericht. Die Gesetze sind so gemacht, dass es sehr schwer ist! Wieso kann ich mein Land verändern, wenn nach dem griechischen Wahlgesetz die erste Partei mit nur 30% der Stimmen die 51% der Sitzen bekommt? Vor den Wahlen hat Papandreou ein Kampf gegen die Korruption versprochen. Das gleich hat auch der Vorheriger versprochen. Sie machten aber nichts dagegen.

    Ich glaube, dass nur wenn die erste zwei Parteien (Sozialdemokraten und Christdemokraten) nichts mehr die Wahlen gewinnen, könnte Griechenland eine Hoffnung haben. Ich hoffe, dass die Krise das bringt.

    Die Antwort auf eine schlechte Demokratie ist nicht keine Demokratie, sondern mehr und bessere Demokratie.

  • Wenn die Grichen so die Demokratie lieben und ihre Unabhängikeit. Dann hätten sie uns alle nicht beim Eintritt in die Eurozone belügen dürfen.

  • Erstens ist es kein 100 Mrd-Geschenk sondern viel weniger, denn die Banken haben bereits einen grossen teil ihrer Forderungen an die EZB weitergereicht. Und die EZB verzichtet nicht!
    Zweitens wäre Griechenland auch nach dem kleinen Schuldenschnitt immer noch zu hoch verschuldet.
    Und drittens würden die Griechen im Falle eines Bankrott erst einmal gar nichts mehr zahlen, dann neu verhandeln und wahrscheinlich einen Schuldenerlasse von 95% erzielen und nicht 15% wie heute.
    Und viertens kann man im Falle eines Bankrotts v.a. den Leviathan Staat (der griechische Leviathan ist im Vergleich noch zweimal groesser als der deutsche) viele staerker verkleinern.
    Ergo: Als Grieche wuerde ich auch mit NEIN stimmen.

  • An die HB-Redaktion:

    Wer hat diesen Artikel zu verantworten? Wie kann man das "Nein" gegen das fschistische Mussolini-Regime in einem atemzug mit der jetzigen Staatsschuldenkrise nennen? Sind sie vom HB der Auffassung, das damlige "Nein" gegen Mussolini sei etwa unberechtigt gewesen. Ich denke, mit diesem Artikel wurde eine Grenze überschritten. Es käme auch keiner auf die Idee, das heutige teilweise unverständliche Verhalten Israels in der Siedlungspolitik mit irgend welchen historischen Vergleichen ins Lächerliche zu ziehen. Dieser Artikel ist beschämend und geschmacklos.

  • Ich als Grieche, der u. a. in Deutschland studierte, damit ich genug "rational" sein, um Demokratie von Reichtum vorzuziehen, gebe ich Ihnen Recht.

    Ich finde gar keinen Grund, ein Sklave der Banken zu sein. Ich bevorzüge arm zu sein und dabei eine Demokratie zu haben. Mein familiäres Einkommen ist ohnehin auf 85% seit dem letzten Jahr versunken (und ich war Mittelklasse). Ich habe nichts mehr zu fürchten. Ich will nur die korrupte Elite meines Landes ins Gericht.

    Ich hoffe, dass das Referendum echt stattfindet und wir Griechen NEIN sagen, mit der Hoffnung, dass es der Anfang einer Demokratischer Zeit in der EU sein würde. Wir lieben Europa, wenn Europa "Europa" ist. Demokratie, Humanismus...

  • Ich freu mich auf das "NEIN" der Griechen. Dann kommt die Eurozone wenigstens schön auf's Glatteis... dann wird die Diktatur der EU-Kommission in der neuen EUSSR zuverlässig verhindert, indem die Eurozone kollabiert. Das sollte einem die Freiheit schon wert sein! Nieder mit diesen größenwahnsinnigen, überheblichen "politischen Projekten" einer Kleinstelite, die gnadenlose auf Kosten der europäischen Nationen unbändig Macht anhäuft, und nur ihre Nomenklatura füttern will und den persönlichen Machtehrgeiz befriedigen. Damit ist Europa auf dem Holzweg!
    Den Griechen bei einem "NEIN" überall zu Dank verpflichtet, sollte deren Freiheitswillen ein leuchtendes Vorbild sein!

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