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OECD-Studie Reich und unversteuert

Eine OECD-Studie prangert die Steuersysteme an: Viel zu häufig könnten Reiche Steuern vermeiden oder hinterziehen – auch in Deutschland. Dabei gäbe es eine einfache Möglichkeit, das zu verhindern.
5 Kommentare
Nur wenige Behörden, ein Drittel der untersuchten Länder, hätten den Rat aus einer Studie von 2009 umgesetzt, und spezielle Abteilungen für Reiche eingerichtet. Deutschland ist nicht dabei. Quelle: dpa
Immer mehr Reiche auf der Welt

Nur wenige Behörden, ein Drittel der untersuchten Länder, hätten den Rat aus einer Studie von 2009 umgesetzt, und spezielle Abteilungen für Reiche eingerichtet. Deutschland ist nicht dabei.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Deutschland schont seine Gutverdiener. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die Steuerbehörden seien nicht streng genug, mahnt die Organisation.

In der Studie „Tax Administration 2015“ vergleicht die Organisation Strukturen und Effektivität der Steuerbehörden in 56 Ländern. Das Fazit: In den meisten Industrieländern seien die Steuerbehörden nicht ausreichend auf die mehr werdenden Reichen eingerichtet. Nur wenige Behörden, ein Drittel der untersuchten Länder, hätten den Rat aus einer Studie von 2009 umgesetzt und spezielle Abteilungen für sie eingerichtet. Deutschland ist nicht dabei.

Die „High Net Worth Individuals“ sind Einzelpersonen mit einem Vermögen von mehr als einer Million Dollar. Diese seien für die Steuerbehörden eine besondere Herausforderung, weil sie häufiger Wege fänden Steuern zu hinterziehen. Das habe Auswirkungen auf die Integrität des gesamten Steuersystems, urteilt die OECD.

Deswegen fordern die Macher der Studie erneut eine Sonderabteilung für Reiche mit speziell geschulten Beamten. Zudem müsse die grenzübergreifende Zusammenarbeit der Steuerbehörden deutlich gesteigert werden.

Die Reichen werden immer mehr: Der Report „Global Wealth 2015 – Winning The Growth Game“ der Beratungsfirma Boston Consulting Group (BCG) sieht die Konzentration der Vermögen noch stärker bei den Superreichen als in den Jahren zuvor. Die Zahl der Millionäre weltweit kletterte im vergangenen Jahr nach Angaben der Beratungsfirma deutlich von 15 auf 17 Millionen. Der Anteil dieser Haushalte am gesamten Privatvermögen nahm von 40 auf 41 Prozent zu. Nach Schätzung von BCG dürfte er bis 2019 auf 46 Prozent steigen. Das rasanteste Wachstum sagen die Forscher der Spitzengruppe mit Vermögen von mehr als 100 Millionen Dollar voraus, bei der sich zuletzt bereits sechs Prozent des globalen Reichtums ballten. 

Die meisten Millionäre und Superreichen hatten zuletzt die USA vor dem stark aufholenden China. Die höchste Millionärsdichte macht die Studie in der Schweiz aus, wo 135 von 1.000 Einwohnern mehr als eine Million Dollar auf der hohen Kante hatten. Dahinter folgen Bahrain, Katar, Singapur, Kuwait und Hongkong.

In Deutschland nahm die Zahl der Millionäre zum Vorjahr um 3,6 Prozent auf 350.000 zu, damit landete die Bundesrepublik auf Rang sieben des Rankings. Deutlich schneller - um 6,9 Prozent - wuchsen die Vermögen der Superreichen hierzulande. 679 deutsche Haushalte mit Privatvermögen von mehr als 100 Millionen Dollar zählten die BCG-Forscher. Damit rangiert Deutschland hinter den USA, China, Großbritannien und Indien auf Platz fünf.

Wo die Reichen ihr Geld lagern
Global Wealth Report 2015
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Das private Vermögen in Steueroasen hat auch 2014 weiter zugenommen: Sieben Prozent mehr Geld wurde in den Offshore-Finanzplätzen gelagert, wie aus einer Studie der Boston Consulting Group hervorgeht. Im „Global Wealth Report 2015“ führt die Unternehmensberatung auf, an welchen acht ausländischen Orten die Reichen ihr Geld am liebsten horten.

(Foto: dpa)
Platz 8: Hongkong
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Die Küstenstadt gilt als eine Art asiatische Schweiz: Der Finanzplatz hat bei Vermögenden den Ruf eines steuerfreundlichen Ortes. Da verwundert es kaum, dass von den 2,4 Billionen US-Dollar, die in Hongkong lagern, mehr als ein Fünftel aus dem Ausland kommen. Und die Tendenz ist steigend: Der Studie der Boston Consulting Group zufolge werden die Vermögenswerte aus dem Ausland bis 2019 um jährlich etwa acht Prozent wachsen. Damit zählt Hongkong zu den am schnellsten wachsenden Offshore-Zentren der Welt.

Offshore-Vermögen: 0,5 Billionen US-Dollar
Absolutes Vermögen im Finanzzentrum Hongkong: 2,4 Billionen US-Dollar

(Foto: Reuters)
Platz 7: Luxemburg
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In Europa zählt das kleine Ländchen Luxemburg zu einem der steuerfreundlichen Finanzplätze des Kontinents. Unternehmen wie Amazon oder Starbucks verlegten ihre Europazentralen bisher gerne in den Staat zwischen Deutschland und Frankreich. Von den 700 Milliarden US-Dollar, die Luxemburg an Vermögenswerten beherbergt, kommen 85 Prozent aus dem Ausland. Diese Summe soll laut „Global Wealth Report“ auch in den kommenden Jahren stabil bleiben. Auch 2019 soll das Land demnach noch sechs Prozent der globalen Offshore-Märkte halten.

Offshore: 0,6 Billionen US-Dollar
Absolutes Vermögen im Finanzzentrum Luxemburg: 0,7 Billionen US-Dollar

(Foto: dpa)
Platz 6: USA
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Auch in den Vereinigten Staaten gibt es sogenannte Steueroasen, etwa in New Jersey. Von den Vermögenswerten von 46,3 Billionen US-Dollar ist allerdings eher ein geringer Teil des Offshore-Vermögens gelagert: Mit 700 Milliarden US-Dollar sind lediglich 1,5 Prozent des angelegten Vermögens aus dem Ausland. Als Steueroase bleiben die USA auch in Zukunft attraktiv. Rund sieben Prozent werde das Offshore-Geschäft in den kommenden Jahren wachsen, so die Boston Consulting Group. 2019 sollen die Staaten dann insgesamt acht Prozent der Offshore-Vermögenswerte halten, vor allem dank neuen Reichtums in Lateinamerika. Vom Anteil her würde sich für die USA nichts ändern.

Offshore: 0,7 Billionen US-Dollar
Absolutes Vermögen im Finanzzentrum USA: 46,3 Billionen US-Dollar

(Foto: ap)
Platz 5: Singapur
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Singapur gilt neben Hongkong als aufstrebender Offshore-Markt in Asien. Mehr als die Hälfte der eingelagerten Vermögenswerte in dem Finanzzentrum stammen derzeit aus dem Ausland. Genau wie Hongkong soll aber auch Singapur noch deutlich in dem Bereich zulegen, laut Studie etwa sieben Prozent pro Jahr bis 2019. Gemeinsam mit Hongkong würde der kleinste Staat Südostasiens dann 18 Prozent am kompletten Offshore-Geschäft halten. Heute sind es zusammen 17,3 Prozent.

Offshore: 1,0 Billionen US-Dollar
Absolutes Vermögen im Finanzzentrum Singapur: 1,8 Billionen US-Dollar

(Foto: ap)
Platz 4: Großbritannien
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In Großbritannien lagern rund eine Billion US-Dollar von Offshore-Märkten, das sind 13 Prozent des derzeitigen Marktes. Aufgrund des einfachen Zugangs und seines guten Rufs in punkto Sicherheit werde das Land auch weiterhin blühende Geschäfte mit privatem Vermögen machen, so die Boston Consulting Group.

Offshore: 1,1 Billionen US-Dollar
Absolutes Vermögen im Finanzzentrum Großbritannien: 10,2 Billionen US-Dollar

(Foto: AFP)
Platz 3: Kanalinseln und Dublin
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Nicht nur Großbritannien, auch die Nachbarn aus Irland und den Kanalinseln erfreuen sich als Steuerschlupfloch einiger Beliebtheit. Rund 85 Prozent der Vermögenswerte, die dort verwaltet werden, kommen aus dem Ausland. Derzeit halten die Länder fast 14 Prozent am globalen Offshore-Markt. Allerdings dürfte die Beliebtheit bis 2019 auf zwölf Prozent zurückgehen, heißt es in der Studie. Grund dafür soll der Rückgang im globalen Trust-Geschäft sein, in dem die Staaten als Experten gelten.

Offshore: 1,2 Billionen US-Dollar
Absolutes Vermögen im Finanzzentrum Kanalinseln und Dublin: 1,4 Billionen US-Dollar

(Foto: dpa)
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Mehr zu: OECD-Studie - Reich und unversteuert

5 Kommentare zu "OECD-Studie: Reich und unversteuert"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Mein Gott. Jetzt reflektiert doch mal wenigstens ein bisserl. Der Anstieg der Zahl der Millionäre ist in erster Linie auf die Vermögenspreisinflation zurückzuführen die durch Draghi un Co. angeheizt wird und keine wirklichen Vermögenseffekte hat. Der Knall kommt dann. Da wird Luft besteuert.

    Die vermutlich korrupteste Partei der OECD ist die mexikanische PRI. Angel Gurria, der Chef der OECD war mal PRI Finanzminister. Wer da wohl der OECD Aufträge für Studien mit vorhersehbaren Ergebnissen gibt lasse ich mal so dahingestellt. Die OECD ist wohl so eine Art FIFA für Behörden nehme ich an.

    Wie viele Steuern zahlen eigentlich die Beamten der OECD? Ach so ja, gar keine. Wie bei der EU.

    No further comment.

  • Reich und unversteuert. die Zahl der Millionäre in Griechenland wuchs um 123; nach dem 3. Hilfspaket werden es nochmal 76 mehr sein. Auch Zipras ist dabei und viele Unionsmitglieder pofitieren von den Milliardengeschenken.

  • "Reich und unversteuert"

    Wer hat denn nun die Steuergesetze geschaffen? Waren es die kleinen Bürger wie "Uli Honeß", die in den Knast wandern oder waren es die, die es wussten sich Abgeordnete und Parteien zu kaufen?

    Schließen wir die "Hoenß" aus, dass sie die Steuergesetze geschaffen hätten, die Steuerfreiheit legalisierten, dann landen wir bei der zweiten Gruppe.

    Wir erkennen, dass unsere Politiker korrupt sein müssen und in der Kausa "Griechenland" versuchen sie uns auch noch zu verkaufen, dass sie "alternativlos" handeln. Selbst kleine Praktikanten wussten schon vor 30 Jahren wie es mit der griechischen Wirtschaft bestellt war. Sie brauchten keine 300 Mrd. € dort zu versenken, um aufzuwachen.

    Warten wir also ab, ob sich die deutschen Bundestagsabgeordneten nun wissentlich für jedermann wiederum für die Veruntreuung von deutschen Steuermilliarden trauen. Ein Untersuchungsausschuss soltte sich mit den Vorgängen in Bundesregierung und Parlament beschäftigen. Aber wie soll das gehen, wenn über 80 % der Abgeordneten in diese Korruption eingebunden sind?

    Wie hat das Volk zu agieren, wenn sie im Bundestag kaum noch vertreten werden? Wenn selbst ein Fraktionsvorsitzender Politikern mit Verantwortungsbewusstsein mit Verbannung droht, wer will dann noch von einer Bundesrepublik als demokratisches Land reden?

    Man mag für Herrn Kauder Verständnis ausdrücken wollen, aber das er immer noch im Amt ist, das ist ein Skandal. Das die Medien ihn noch hofieren ist ein weiterer Skandal.

    Die Bürger sind gefordert endlich Flagge zu zeigen!

  • Wenn Konzerne, die unzählige Gewinne erzielen Steuern zahlen würden, dann wäre es egal wie viele Millionäre ihr Geld an der Steuer vorbei Schleusen.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Die Steuern müssen weder erhöht noch gesenkt werden,die Steuern müssen bezahlt werden.Basta!

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