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Ökonom Felbermayr zum Handelsstreit „Der Dollar könnte aufwerten, die Schwellenländer in Gefahr geraten“

Ifo-Experte Felbermayr fürchtet vor allem die Nebenwirkungen des Konflikts zwischen den USA und China. Deutsche Firmen könnten hingegen ihre Lieferketten schnell umstellen.
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In China könnte es eine steigende Zahl von Firmenpleiten durch den Handelskonflikt geben, fürchtet Ifo-Experte Felbermayr. Quelle: Reuters
Container am Hafen in Shanghai

In China könnte es eine steigende Zahl von Firmenpleiten durch den Handelskonflikt geben, fürchtet Ifo-Experte Felbermayr.

(Foto: Reuters)

Gabriel Felbermayr ist Außenhandelsexperte beim Ifo-Institut und designierter Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Seit Jahren analysiert er die Wirkung von Zöllen auf Handelsströme.

Herr Felbermayr, etliche deutsche Unternehmen produzieren in China für den US-Markt. Welche Auswirkungen werden die neuen Strafzölle auf die deutsche Industrie haben?
Für diese Firmen werden diese Strafzölle auf jeden Fall spürbar. Allerdings: Neue Zölle von zehn Prozent sind deutlich weniger als die angedrohten 25 Prozent. Wenn es dabei bleibt, stellt das die Lieferketten nicht komplett infrage. Viel kommt darauf an, wie jetzt der Dollar-Wechselkurs reagiert.

Wie ist denn da die Wechselwirkung zwischen Handelsströmen und Wechselkurs?
Die Firmen müssen ja ohnehin mit einem schwankenden Dollarkurs leben. Ein Zoll von zehn Prozent wirkt da nicht stärker auf die Preise als diese Kursschwankungen. Kritisch würde es für deutsche und europäische Unternehmen wohl erst, wenn Trump die Zölle tatsächlich auf 25 Prozent erhöhen würde.

Der Außenhandelsexperte beim Ifo-Institut ist designierter Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Quelle: dpa
Gabriel Felbermayr

Der Außenhandelsexperte beim Ifo-Institut ist designierter Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft.

(Foto: dpa)

Die Unsicherheit bleibt also und die Frage: Wo wird das enden?
Das ist das Problem, dass man es nicht weiß. Effekte auf die Lieferketten werden die Strafzölle dann haben, wenn sie noch steigen. Bei zehn Prozent wird jetzt vielleicht manch einer sogar aufatmen. Und viele Produkte stehen außerdem nicht auf der Liste: Smartphones, Kleidung, auch Bücher, die in China für den US-Markt gedruckt werden.

Betroffen sind aber doch auch Maschinen und Autoteile, und damit die deutsche Industrie…
Ja, aber die meisten dieser deutschen Firmen haben weltweite Strukturen, innerhalb derer sie reagieren können. Natürlich sind Firmen betroffen, die in China für den US-Markt produzieren. Diese werden vielleicht überlegen, ob sie ihre Produktion in andere Länder verlagern. Sehr viele deutsche Unternehmen, die in China produzieren, tun dies aber für den asiatischen Markt, sind also nicht betroffen. Ich warne vor allzu dramatischen Schlüssen.

Die internationale Handelsordnung sehen Sie also nicht bedroht?
Jedenfalls nicht komplett. Die Lieferketten werden sich umstellen. Es gibt ja auch positive Entwicklungen, etwa das neue Handelsabkommen der EU mit Japan, und Ceta-Abkommen der EU mit Kanada. Und wenn es in Nordamerika zu Nafta 2.0 kommt, können deutsche Unternehmen das auch zu ihrem Vorteil nutzen. Wir sollten die Elastizität in den Unternehmen nicht unterschätzen.

Also alles halb so wild?
Für bedeutsamer als die Effekte auf die Lieferketten halte ich die makroökonomischen Risiken. In den USA werden Importe im Wert von 200 Milliarden Euro jetzt teurer. Womöglich wird die US-Notenbank die Zinsen dann langsamer anheben. Trotzdem könnte der Dollar unter Aufwertungsdruck geraten. Und das bedeutet wiederum, dass die Schwellenländer in Gefahr geraten, weil Kapital aus ihnen abgezogen wird und in die USA wandert. Die Schwellenländer sind am verletzlichsten, vor allem wenn Sie über China in die USA exportieren.

Und China selbst?
In China wächst die Gefahr, dass die ohnehin hohe Verschuldung der Unternehmen zu einer steigenden Zahl von Konkursen führt. Das wiederum könnte die chinesischen Banken belasten. Der Stress im chinesischen Bankensystem dürfte steigen. Das sind Risiken, die man im Auge behalten muss.

Was würden Sie denn jetzt deutschen Unternehmen und der Politik empfehlen?
Wenn zwei sich streiten, gibt es immer die Chance, dass der dritte sich freut. Als deutscher Produzent ist man schlagartig wettbewerbsfähiger, wenn chinesische Konkurrenten vom US-Markt ausgesperrt werden. Wenn es Trump zudem gelingt, China zu einer stärkeren Marktöffnung zu bewegen, dann profitiert Europa davon ja ebenfalls. Und Deutschland vermutlich sogar noch stärker als die USA selbst. Europa kann gewinnen, wenn wir die Rolle des good cops spielen, der aber dennoch beim Thema Marktzugang an der Seite der USA in der Rolle des bad cops steht.
Wie wird der Streit jetzt weitergehen, was ist das wahrscheinlichste Szenario?
Ich denke, der Streit wird noch weiter eskalieren, bis es zu Zugeständnissen kommt. China kann die Zölle eine ganze Weile aushalten, es wird dort nicht mehr als einen halben Prozentpunkt Wachstum kosten. Und die USA erleben gerade einen Boom durch die Steuerreform. Irgendwann dürfte es zu Zugeständnissen Chinas kommen, vor allem dann, wenn Japan und die EU im Prinzip bei den Themen Marktöffnung und Schutz geistigen Eigentums an der Seite der USA bleiben. Trump wird auf jeden Fall bis zu den November-Wahlen eine harte Linie fahren. Sie kommt ja bei vielen Amerikanern gut an.
Herr Felbermayr, vielen Dank für das Interview.

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