Donald Trump und Xi Jinping

Der Handelsstreit geht in die nächste Runde.

(Foto: dpa)

Ökonomen senken Wachstumsprognosen Eskalation im Handelskrieg – Welthandel in Gefahr

Wie du mir, so ich dir. Mit seiner erneuten Drohung in Richtung China hat US-Präsident Trump einen Teufelskreis in Gang gesetzt. Ökonomen warnen vor wachsenden Risiken für die Weltwirtschaft und nehmen ihre Wachstumsprognosen zurück.
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Frankfurt, Berlin, Brüssel, Peking, WashingtonWenn erst einmal der erste Schuss gefallen ist, lässt sich eine weitere Eskalation kaum noch vermeiden. Das ist in Handelskriegen nicht anders als bei militärischen Konflikten.

Nachdem Donald Trump vor Kurzem Strafzölle auf Importe aus China im Wert von 50 Milliarden Dollar verhängt und die Chinesen kurz danach mit gleicher Münze zurückgeschlagen hatten, legte der US-Präsident jetzt noch einmal nach. Trump forderte seinen Handelsbeauftragten Robert Lighthizer auf, eine neue Liste mit chinesischen Importgütern von 200 Milliarden Dollar aufzustellen, die er mit einem Strafzoll von zehn Prozent belegen will. Sollte Peking auch darauf mit Vergeltung antworten, drohte Trump mit weiteren Sanktionen auf Importe von noch einmal 200 Milliarden Dollar. China wiederum konterte und drohte mit erneuter Vergeltung.

Die Angst geht um an den Märkten

Ein solches Schreckensszenario macht jetzt auch die Anleger an den internationalen Finanzmärkten nervös. In Asien gingen die Aktienbörsen in Hongkong und Schanghai um bis zu vier Prozent in die Knie. Auch in Europa und im vorbörslichen Handel an der Wall Street notierten die Kurse schwächer. „Der Handelsstreit gibt ganz klar den Ton an“, meint Christian Schmitt, Analyst bei der Helaba. Immerhin: „In Panik sind Investoren noch nicht, sonst würden die Kapitalmarktzinsen noch weiter fallen“, meint Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Dass unter den Börsianern die Angst umgeht, hat vor allem einen Grund: „Es wird ernst, wenn nicht nur die USA handeln, sondern auch andere Länder Vergeltung üben“, warnte Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), mit Blick auf einen globalen Handelskrieg. Gemeint waren damit neben China auch die Europäer, die am 1. Juli Strafzölle auf US-Importe von zunächst 2,8 Milliarden Euro einführen wollen. Später soll dann ein zweiter Schritt mit weiteren Sanktionen auf Einfuhren von 3,6 Milliarden Euro folgen. Die EU antwortet damit auf Einfuhrabgaben der Amerikaner auf Stahl- und Aluminiumimporte.

Auch im transatlantischen Handelskonflikt droht eine Eskalation, nachdem Trump nun auch noch Strafzölle auf die Einfuhr von Autos und Autoteilen prüfen lässt. „Wenn es zu einer Eskalation im Handelsstreit kommt, droht ein weltweiter Abschwung“, warnte Roberto Azevêdo, Chef der Welthandelsorganisation WTO im Handelsblatt.

Betroffen von einer Eskalation der Handelskonflikte wäre vor allem Deutschland, dessen Unternehmen sich wie in kaum einem anderen Land darauf spezialisiert haben, die Weltmärkte zu bedienen. „Da rauschen zwei Züge mit zunehmender Geschwindigkeit aufeinander zu“, warnt DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Ein Zusammenstoß hätte enorme Folgen für die Weltwirtschaft. „Die Zuspitzung im Streit zwischen den USA und China bleibt nicht ohne Folgen für die EU, insbesondere für Deutschland. Die globalen Wertschöpfungsketten sind so eng miteinander verflochten, dass man die Handelsbeziehungen zwischen einzelnen Ländern nicht isoliert betrachten kann“, konstatiert Gabriel Felbermayr vom Ifo-Institut in München.

Die Wirtschaftsforscher haben ihre Konjunkturprognose für Deutschland deutlich abgesenkt und rechnen für dieses Jahr jetzt nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent nach zuvor 2,6 Prozent. Ein Grund dafür sei, dass „die weltwirtschaftlichen Risiken deutlich zugenommen haben“, schreiben die Ifo-Experten. Auch das Essener RWI-Institut nahm seine Prognose auf 1,8 Prozent zurück. Der direkte Schaden für europäische Firmen durch die von den USA und China erhobenen Strafzölle dürfte zunächst überschaubar sein, allerdings hat auch die EU-Kommission noch kein klares Bild über die verflochtenen Wertschöpfungsketten. Die Sorge in Brüssel ist aber groß, dass ein eskalierender Handelskrieg der beiden Wirtschaftsgroßmächte die Weltwirtschaft schwer belasten und damit auch die Erholung in Europa beenden würde.

In Brüssel zweifelt kaum jemand daran, dass Trump den Handelskonflikt auch mit der EU weiter zuspitzen wird. EU-Diplomaten rechnen fest damit, dass der US-Präsident noch vor den Halbzeitwahlen im November hohe Einfuhrzölle auf Autos verhängen wird, um seine Basis zufriedenzustellen. Davon wären Exporte aus Europa im Volumen von knapp 50 Milliarden Euro betroffen, fast 30 Milliarden davon von den deutschen Herstellern.

Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat bereits deutlich gemacht, dass die EU darauf – wie bereits beim Stahl – mit Gegenzöllen reagieren würde. „In diesen Handelsauseinandersetzungen mit den Vereinigten Staaten ist es Pflicht Europas, auf unsere eigene Würde zu achten“, betonte er.

Wie die EU zurückschlagen wird, ist noch völlig offen – die Behörde hat erst damit begonnen, mögliche Gegenmaßnahmen zu prüfen. Eine denkbare Option wäre laut Experten, dass sie das gleiche Muster anlegt wie in ihrer Reaktion auf Trumps Stahl- und Aluminiumzölle: Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, würde die EU nur die Marktsegmente zugrunde legen, in denen die eigenen Exporte in die USA zuletzt nicht gestiegen waren.

Sollte die EU diese Berechnungsmethode auf die europäischen Autoexporte übertragen, würde das Vergeltungszölle auf US-Güter in Höhe von rund zehn Milliarden Euro bedeuten. Denkbar wäre aber auch, dass die Europäer stärker eskalieren und in voller Höhe der eigenen betroffenen Exporte zurückschlagen oder unkonventionelle Methoden anwenden, etwa amerikanische Dienstleistungen in der EU ins Visier nehmen.

Noch hoffen die Europäer

Noch wollen die Europäer versuchen, Trump davon abzubringen. Ein möglicher Ausweg bestünde darin, sich gemeinsam mit anderen Auto-Ländern auf eine allgemeine Senkung oder Abschaffung der Einfuhrzölle zu verständigen. Die Hoffnung in Brüssel ist aber gering, dass Trump wirklich Interesse an einem solchen Deal hat.

Trumps neue Drohungen in Richtung China kommen zu einem Zeitpunkt, nachdem der US-Senat kurz zuvor mit großer Mehrheit beschlossen hatte, die Rettungspläne des US-Präsidenten für den chinesischen Smartphonehersteller ZTE mit einem Verfahrenstrick zu blockieren. Prominente republikanische Senatoren wie Marco Rubio hatten Trumps versöhnlichen Kurs im Fall ZTE scharf kritisiert. Der Konzern hat wiederholt gegen US-Sanktionen verstoßen. Trumps 200-Milliarden-Dollar-Drohung gegen China könnte als direkte Reaktion auf die Entscheidung im Senat verstanden werden, der einen Kuschelkurs mit China fürchtet.

Die US-Regierung lässt deshalb keinen Zweifel mehr daran, dass die Zeit der Verständigung, Annäherung und mühsamen Delegationsreisen zwischen Peking und Washington vorbei ist. „Das ist inakzeptabel“, kommentierte das Weiße Haus die von China angekündigten Gegenmaßnahmen. Trumps Handelsbeauftragter Lighthizer gab zunächst keinen Zeitplan bekannt. In einer Rede vor dem Detroit Economic Club beschuldigte US-Außenminister Mike Pompeo China eines „beispiellosen Ausmaßes an Diebstahl“. China fordere Offenheit und faire Globalisierung. Aber das sei ein Witz, sagte Pompeo. „In Peking sitzt die räuberischste Regierung, sie operiert gegen den Rest der Welt.“

Experten gehen davon aus, dass die neuen Strafzölle vor allem amerikanische Konsumenten treffen würden. „250 Milliarden US-Dollar, zusammengesetzt aus den jüngsten 50 und den drohenden 200, entspricht der Hälfte der US-Importe aus China“, sagte Bret Setser von der Denkfabrik Council on Foreign Relations. „Computer, Smartphones, Kleidung, Spielzeug, Haushaltsgeräte werden zwangsläufig teurer, anders geht es nicht.“

Mehrere Agrarverbände in ländlichen amerikanischen Bundesstaaten wollen diese Woche Gegenkampagnen starten, sie fürchten immer neue Vergeltungszölle aus China. Peking hat bislang überwiegend Nahrungsmittel und andere landwirtschaftliche Produkte für Strafzölle ausgewählt. Das beunruhigt amerikanische Bauern in Iowa, Wisconsin oder Minnesota – allesamt Bundesstaaten mit vielen Trump-Anhängern.

China reagierte irritiert auf die neuen Drohungen aus Washington. Man schlage nur mit gleicher Wucht zurück, rechtfertigte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua die Vergeltungsmaßnahmen. Das chinesische Handelsministerium sprach mit Blick auf Trump von „Erpressung“. Weiterhin hieß es: „Sollten die USA irrational handeln und eine weitere Liste herausgeben, muss China umfassende Schritte für eine starke Gegenmaßnahme einleiten, die Quantität wie auch Qualität kombinieren.“

„Trump Schmerzen zufügen“

China wird sich jedoch schwertun, noch genug US-Produkte zu finden, die sich mit Strafzöllen belegen lassen. Nach US-Angaben importierte China 2017 amerikanische Waren im Wert von 129,89 Milliarden Dollar, während die USA 505,47 Milliarden Dollar für chinesische Produkte ausgaben.

Daher glaubt Andrew Polk, Direktor der Beratungsfirma Trivium, dass Peking andere nicht-tarifäre Gegenmaßnahmen anwenden wird. Zu den möglichen Schritten könnten „lange Zollinspektionen, Produktionsunterbrechungen, mehr und höhere Geldbußen oder langsamere Vergaben von Lizenzen und Einreisebeschränkungen“ gehören. Dabei werde China vor allem „Trump maximale Schmerzen“ zufügen wollen. Zum Beispiel indem Peking insbesondere Landwirtschaftsprodukte ins Visier nehmen werde, die Trumps Wählerschaft unter den Farmern beeinflussen könnten.

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1 Kommentar zu "Ökonomen senken Wachstumsprognosen: Eskalation im Handelskrieg – Welthandel in Gefahr"

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  • Ich denke: der Herr Trump will als Alpha-Tier seinen Willen durchsetzen, zur Befriedigung seiner Anhänger; dies geschieht beim nur aus seinem Instinkt, wohl kaum aus Verständnis der Weltwirtschaft. Da muss man gegenhalten und nicht klein beigeben; ich hoffe, dass die Chinesen das durchhalte; die investieren ja in ganz andere Märkte: Seidenstraße, Afrika, und entwickeln dort einfach neue Märkte. Europa hat das weitestgehend verpasst. Weitere Schwäche in Europa: wir haben die EU als Binnenmarkt nicht wirklich weiter entwickelt.

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