Öl-Exporte Das süße Öl der Mullahs

Es soll den Iran treffen, aber für Europa selbst ist das Öl-Embargo nur schwer zu verkraften. Ein Mengenproblem beim Ersatz für Persiens Öl gibt es zwar nicht, wohl aber ein Qualitätsproblem.
Update: 23.01.2012 - 19:23 Uhr 31 Kommentare
Ein Ölhafen in der Stadt Tschabahar im Iran. Quelle: Reuters

Ein Ölhafen in der Stadt Tschabahar im Iran.

(Foto: Reuters)

BerlinFür Iran, den bisher zweitgrößten Produzenten der Erdöl exportierenden Staaten (Opec), ist der Wegfall der EU-Staaten als Käufer ein herber Schlag. Doch auch für einige EU-Länder ist ein Import-Embargo für persisches Rohöl nur schwer zu verkraften.

Das gilt vor allem für Griechenland, dem infolge des Öl-Embargos erhebliche Engpässe bei der Versorgung mit Rohöl drohen. Das Land bezog nach offiziellen Angaben im ersten Halbjahr 2011 14 Prozent seiner Ölimporte aus dem Iran. Neuere offizielle Zahlen liegen nicht vor, aber inzwischen dürfte der Anteil nach Schätzungen von Marktbeobachtern zwischen 20 und 30 Prozent liegen.

Der Grund der großen Abhängigkeit der Griechen von iranischem Öl ist die Schuldenkrise des Landes. Die meisten Öl-Exporteure bestehen bei Lieferungen an griechische Raffinerien auf Zahlung bei Lieferung oder sogar Vorkasse, weil sie eine drohende Insolvenz des Landes fürchten. Der Iran dagegen gewährt Griechenland nach Informationen aus Branchenkreisen großzügige Zahlungsziele. Griechenland bemüht sich deshalb in der EU um eine Ausnahmeregelung, die es dem Land ermöglichen soll, das iranische Öl so lange weiter zu beziehen, bis Alternativen gefunden sind.

Insgesamt waren die EU-Staaten laut Opec-Generalsekretär Abdullah El-Badri mit 865.000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag die zweitgrößten Importeure iranischen Öls – hinter China und vor Indien und Japan. Die US-Energiebehörde geht indes von bisher 450.000 Barrel pro Tag oder 18 Prozent der persischen Ölexporte für Europa aus. Griechenland, Italien und Spanien sind Großkunden, aber auch Deutschland hat bisher iranisches Rohöl bezogen.

Für Iran wäre das Wegbrechen von fast einem Fünftel seiner Ölverkäufe hart, vor allem da auch Japan angekündigt hat, sich einem Boykott anzuschließen. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) rechnet damit, dass Irans Ölförderung durch den politischen Käuferstreik bis 2016 um 890.000 Barrel pro Tag auf deutlich unter drei Millionen sinkt. Irans Ölminister Rostam Qassemi, der sich im Gespräch mit dem Handelsblatt weigerte, die genauen Fördermengen seines Landes zu nennen, bestreitet das: Teheran mache das keine Sorge, das Land verdiene, wenn der Ölpreis wegen des Embargos weltweit steige, mit geringen Exporten genauso viel Geld wie zuvor. Zudem gebe es genügend andere Kunden.

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31 Kommentare zu "Öl-Exporte: Das süße Öl der Mullahs"

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  • Damit die Welt in Frieden leben kann müssen die kapitalistischen Blutsauger USA und Israel verschwinden

  • solar auf dem Dach und Pellets im Ofen
    Öffi & Fahrad -ganz einfach
    .
    alles selbstgemachte Leiden mit der Ölanbeterei!

  • Es soll den Iran treffen, aber für Europa selbst ist das Öl-Embargo nur schwer zu verkraften.
    ------
    Wenn der Schuss nicht mal nach hinten los geht.
    Dann könnte es heissen:
    "Wer zuletzt lacht,lacht am besten."
    Ein verdammt gefährliches Spiel. Wer zieht da die letzte Trumpfkarte?

  • Mit nem kalten Hintern zu Hause und als Alternative ein bißchen Warmluft in einer Einkaufscenter-Passage ist das bestimmt nicht der wahre Jakob! Das heißt, wir haben keine Chance gegen die Öl-Mafia und schon garnicht gegen unsere Besten im Lande, unsere Politiker, die nur das Beste für das Volk wollen, vor allem das Beste für sich und lediglich unser Bares. Verbessern können diese Taugenichtse nichts, aber wie wir es mit Zuversicht tragen können erzählen die uns besser als unsere Frömmler, die noch mit Seelenheil kommen. Nach wie vor tiefstes Mittelalter, also, rette sich wer kann. Oder, schärft schon mal den Galgen.

  • Wieviel Geld wir an der Tankstelle lassen entscheiden wir selbst. Keiner zwingt uns zu tanken, keiner zwingt uns große Autos zu fahren oder gar Spritfresser. WIR nur WIR allein bestimmen durch unser Kaufverhalten den Benzinpreis. Tankt nicht, dann beutet der Staat Euch auch nicht an der Zapfsäule aus; wir brauchen kein Embargo gegen Iran und eine Sperrung der Straße von Hormus juckt uns nicht. Und überhaupt sind ja sowieso alle Kriege im Nahen Osten nur wegen des Öls enstanden (sagen hier so einige). Also: Schluß mit der Vieltankerei. Kauft euch einen 3 Liter Diesel wenn ihr unbedingt Auto fahren müsst und nehmt öfter mal das Fahhrrad. Und wenn ihr täglich weit zur Arbeit fahren müsst, dann zieht halt um. Und wenn ihr nicht umziehen wollt, und lieber viel Auto fahren wollt, dann schämt Euch wenigstens weil IHR mit eurem Egoismus immer wieder den Benzinpreis in Rekordhöhen jagt....

  • --@ KLaus

    wie kommen Sie zu dieser interessanten Sichtweise?

  • Naja so bekommen die USA und die EU doch noch ihren Krieg mit dem Iran. Der Iran wird sich das Embargo eine Weile ansehen und dann die Straße von Hormus dicht machen. Was danach kommt kennen wir ja schon. Die USA schmieden eine Allianz der willigen und werden ganz den Wünschen Israels entsprechend am Golf einmarschieren.

  • Schließe mich an...Europa schießt sich mal wieder ins eigene Bein und der Rest der Welt nutzt lachend die Dummheit unserer politischen "Elite", um wieder ein gutes Stück aufzuholen. Selbst wenn das Embargo wieder aufgehoben wird, die neue Kundschaft, die sich der Iran jetzt notwendigerweise Weise suchen muss (wahrscheinlich muss er nicht mal suchen) , wird nicht wieder so einfach von der Bildfläche verschwinden und uns auch in Zukunft schön Konkurrenz machen im Wettbewerb um die Ressourcen der Welt!! Die Spinner von Möchtegern-Weltverbesserern in Berlin und Brüssel haben derzeit halt andere Prioritäten als die Zukunft Europas zu sichern: in erster Linie dafür zu sorgen, dass aus Deutschland genau so ein Sanierungsfall wird wie aus dem Rest dieses Leviathans, der sich EU schimpft...und sich für ihre schlechte bis miese Arbeit auch noch fürstlich entlohnen lassen!!

  • Die Dummheit kennt keine Grenzen. Auch hier in diesem Forum wird konsequent am Thema vorbeigequasselt. Der Iran tauscht keine Petrodollars gegen Waffenkäufe, das ist der einzige Punkt, der gewisse Kreisen in den Wertesten sticht. Ich empfehle den klügeren HB-Lesern, gelegentlich bei der Asia-Times vorbeizuschauen. Dort erfahren Sie, worum es eigentlich geht, z.B. hier: http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/NA20Ak02.html

  • Teure Tankrechnung für Deutschlands Wanderarbeiter!!

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