Ölförderung im Polarmeer Die Arktis – das vermeintliche Ölparadies

Die Arktis ist ein Naturparadies, doch unter dem ewigen Eis verbirgt sich noch mehr: der begehrteste Rohstoff der Welt. Über Ölförderung im Polarmeer und „irrwitzige Sorglosigkeit“ informiert eine sehenswerte Arte-Doku.
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Die Arktis und der russische Verladeterminal „Varandey“: das nördlichste Erdölterminal der Welt. Quelle: Arte Sendeanstalt/Copyright

Die Arktis und der russische Verladeterminal „Varandey“: das nördlichste Erdölterminal der Welt.

(Foto: Arte Sendeanstalt/Copyright)

Im Winter nach Neujahr sendet das Fernsehen gerne Naturfilme mit schönen Landschaften und Tieren in der Wildnis. „Das letzte Eldorado – Krieg um die Arktis“ am Dienstagabend (20.15 Uhr) auf Arte zeigt gleich anfangs einen Eisbären. Der bleibt dann aber für lange Zeit das letzte Tier. Denn es geht vor allem um Öl. Dafür prognostiziert der Lloyd's of London-Risikoforscher Neil Smith Investitionen von mehr als 100 Milliarden US-Dollar in den nächsten zehn Jahren. Und daran zieht die französisch-russische Regisseurin Tania Rakhmanova ihre Dokumentation auf – und schafft ein großes, wirtschaftlich-politisches Panorama für die Arktis.

Eindrucksvolle Naturaufnahmen aus dem ewigen Eis gibt es zu sehen. Doch es sind die Sequenzen, die technische Faszination vermitteln: Etwa wenn Tanker bei hohem Seegang auf einem einzigartigen, russischen Ölterminal mitten im Polarmeer befüllt werden. Oder wenn sie die Nordroute nach China ohne Seekarten absolvieren müssen, weil Messungen auf dem gefrorenen und ständig bewegten Meeresgrund enorm kompliziert sind.

Der Aufhänger, dass die Arktis das „neue Ölparadies“ sei, weil dort die „größten verbliebenen Ölvorkommen der Welt“ liegen sollen, mag im Moment paradox anmuten. Schließlich lässt sich im Januar 2015 nicht von Ölpreissteigerungen, die aufwändige Bohrprojekte rentabel machen würden, reden, ganz im Gegenteil. Die aktuelle Entwicklung fehlt in der französischen TV-Produktion.

Doch langfristige Entwicklungen, darunter die aktuell unter Stichworten wie „Geopolitik“ diskutierten, hat Rakhmanova im Blick. So hat die Erderwärmung, indem sie zur Rückbildung jahrzehntelang nicht bewegter Gletscher führte, die zuvor kaum denkbare Ausbeutung arktischer Ölvorkommen erst möglich gemacht. Zugleich schafft sie dort, wo die technischen Anlagen entstehen sollen, unabsehbare Probleme, etwa was die Baustatik betrifft: Das Schmelzen der Permafrostböden führt schon heute zu verformten Straßen und einstürzenden Gebäuden.

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Es ist die Stärke des Films, dass er ein breites Spektrum von Standpunkten aus Ökonomie, Ökologie, Wissenschaft und konkurrierenden Nationalstaaten nebeneinanderstellt. So begegnet man der Premierministerin Grönlands, wo einerseits Fischer die Zerstörung ihrer Fanggründe befürchten, andererseits ein Wirtschaftsaufschwung erhofft wird, der die endgültige staatliche Unabhängigkeit von Dänemark ermöglichen soll.

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