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Ölpreis Angriffe auf die saudische Ölproduktion versetzen Investoren in Schockzustand

Die Drohnenattacken auf die Raffinerie in Saudi-Arabien bringen die Risikoprämie zurück. Ein langfristig höherer Ölpreis dürfte kaum vermeidbar sein.
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Fällt die Produktion in Saudi-Arabien jedoch länger aus, könnte es auch am physischen Markt eng werden. Quelle: Reuters
Angegriffene Ölförderanlage

Fällt die Produktion in Saudi-Arabien jedoch länger aus, könnte es auch am physischen Markt eng werden.

(Foto: Reuters)

Frankfurt, Wien Durchlöcherte Tanks, verbrannte Raffineriegebäude: Satellitenbilder, verbreitet von der US-Regierung, zeigen, mit welcher Präzision die Angreifer bei ihren Attacken auf die saudische Ölinfrastruktur vorgegangen sind. Sie treffen ins Mark des globalen Ölhandels.

Mehr als die Hälfte der Produktion Saudi-Arabiens, des zweitgrößten Förderers der Welt, steht still. Wie lange die Ausfälle anhalten, ist ungewiss. Doch bis die Produktion in der Rohölverarbeitungsanlage Abkaik und dem Ölfeld Khurais wieder reibungslos läuft, könnten Wochen vergehen.

Die Angriffe wirbeln die globalen Lieferketten für Rohöl durcheinander. Noch nie sind den Aufzeichnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris zufolge auf einen Schlag so große Produktionskapazitäten weggefallen. In der Spitze legte der Ölpreis in der Nacht zu Montag um 20 Prozent zu.

Der wichtigste Referenzpreis, die Nordseesorte Brent, verteuerte sich zunächst von rund 60 auf knapp 72 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter). Im Laufe des Montags pendelte sich der Preis bei über 66 Dollar pro Fass ein – ein Plus von immer noch rund neun Prozent im Vergleich zum Schlusskurs am Freitag.

Die US-Bank Goldman Sachs hob ihre Ölpreisprognose auf 75 Dollar an, sollte die betroffene Anlage mehr als sechs Wochen ausfallen. Auch der Branchendienst S&P Platts erwartet, dass der Ölpreis in die „hohen 70er“ steigt. „Die geopolitische Risikoprämie kehrt zurück“, kommentiert Alan Gelder vom Analysehaus Wood Mackenzie die Lage.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, bestätigt: „Der Drohnenangriff hat ins Bewusstsein gebracht, wie verletzlich der Ölmarkt und der Anbieter Saudi-Arabien sind. Allein diese Tatsache rechtfertigt eine Risikoprämie.“ Lange hatte der Markt die geopolitischen Risiken ausgeblendet.

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Angriffe auf eine Pipeline in Saudi-Arabien, der Beschuss und die Festsetzung von Tankern im Persischen Golf hatten die Anleger kaltgelassen. Doch die Stimmung dreht sich: „Die Attacke ist eine extrem dramatische Eskalation der Irankrise“, sagt Helima Croft, Opec-Expertin bei RBC Capital Markets.

Das neue Risikobewusstsein treibt den Ölpreis. Wie stark, das wird auch davon abhängen, wie schnell Saudi Aramco seine Produktion in den Griff bekommt. So lange will der Staatskonzern seinen Lieferverbindlichkeiten über den Abbau von Lagerbeständen nachkommen. Saudi-Arabien verfügt über Rohölreservelager in Rotterdam, Japan und Ägypten.

Per Ende Juni 2019 hatte das Königreich der ING Bank zufolge 188 Millionen Barrel in seinen Lagern. Das wäre genug, um den Ausfall der betroffenen Infrastruktur rund 32 Tage lang zu kompensieren. Auch die US-Regierung hat in Aussicht gestellt, die 645 Millionen Barrel fassende strategische Ölreserve anzuzapfen.

Engpässe erwartet Volkswirt de la Rubia daher nicht: „Global ist der Ölmarkt grundsätzlich gut versorgt.“ Das Rohöl für Benzin an deutschen Tankstellen kommt ohnehin nur zu einem sehr geringen Teil aus Saudi-Arabien. Das Bundeswirtschaftsministerium schätzt die Situation für Deutschland nicht als alarmierend ein. Eine Freigabe der Ölreserven sei nicht notwendig, so eine Sprecherin.

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Fällt die Produktion in Saudi-Arabien jedoch länger aus, könnte es auch am physischen Markt eng werden. Das Ölkartell Opec könnte reagieren, indem es die bis März 2020 geltenden Förderkürzungen abschwächt. Eine Sondersitzung an seinem Sitz in Wien steht jedoch nicht auf der Agenda. Das Kartell steht zudem vor dem Dilemma, dass 70 Prozent der Reservekapazitäten bei Saudi-Arabien liegen.

Viel stärker wirkt der psychologische Effekt der Attacken. „Es gibt große Unsicherheit, wie Saudi-Arabien auf den Angriff reagieren wird“, sagt ING-Rohstoffstratege Warren Patterson. Diese Unsicherheit dürfte sich auch längerfristig in höheren Preisen niederschlagen.

Mehr: Die Attacken auf saudische Ölanlagen dürften auch den geplanten milliardenschweren Börsengang von Saudi Aramco verkomplizieren. Zudem droht ein neues Wettrüsten am Golf.

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