Österreich Banken statt Bildung

Österreich kennt in seiner Finanznot keine Tabus mehr. Um die marode Hypo Alpe Adria abzuwickeln, spart Wien an Lehrern und Schulen. Dabei bekommt das Land sowieso schon schlechte Zeugnisse für seine Bildungspolitik.
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WienSelbst das Skandal erprobte Österreich hatte so etwas noch nicht erlebt. In einer Debatte des ORF verließ der Europa-Politiker Martin Ehrenhauser plötzlich das Fernsehstudio, um sich auf den Weg zum Kanzleramt in der Wiener Innenstadt zu machen. „Es wird Zeit, dass wir aufstehen und zeigen, dass wir das nicht mehr hinnehmen“, sagt der Spitzkandidat der Kleinpartei „Europa anders“. Vor dem Sitz des Bundeskanzlers Werner Faymann (SPÖ) verbrachte er trotz klirrender Kälte die Nacht zum Montag. Grund seines Protests: Er wehrt sich gegen die Entscheidung der österreichischen Regierung, dass die Steuerzahler für die marode Hypo Alpe Adria bezahlen müssen. Die ehemalige Tochter der Bayerischen Landesbank wurde 2009 verstaatlicht. Nun soll sie über eine Bad Bank endgültig abgewickelt werden.

Die Hypo Alpe Adria frisst ein gewaltiges Milliarden-Loch in den Staatshaushalt. Immer neue katastrophale Nachrichten aus Kärnten bringen die Finanzen der hoch verschuldeten Alpenrepublik durcheinander. Nun will die österreichische Regierung größere Klassen und Gruppen durchsetzen, um dringend benötigte Millionen einzusparen. Bankenrettung statt Bildung, auf diese polemische Zuspitzung bringen empörte Lehrer und Schüler die Strategie. Die Grünen sprechen davon, dass Österreichs Schüler „für die Hypo Alpe Adria-Pleite bluten“, ein konservativer Lehrerverband gar von einer „Bankrotterklärung der österreichischen Bildungspolitik“.

Die nun geplanten Einsparungen im Bildungsbereich führen zu größeren Klassen und damit auch zu weniger Lehrer in Schulen des Alpenlandes. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) muss in diesem Jahr 57 Millionen Euro und im nächsten Jahr 60 Millionen Euro einsparen. „In den Werkstätten werden zehn statt acht Schüler sitzen, in den Neuen Mittelschulen wird es zwei Stunden weniger Team-Teaching geben“, kündige die Ministerin im ORF an.

Die Folgen der Sparpolitik werden deutlich spürbar sein: Bereits im nächsten Schuljahr soll es ab der 9. Klasse künftig 31 Schüler und mehr geben. Eine Aufteilung der Klassen ab 31 Schülern in Deutsch, Mathematik und Englisch in zwei Gruppen wird künftig verhindert. In den Labors und Werkstätten soll sich die Mindestgröße auf zehn Schüler belaufen. Die Große Koalition aus der sozialdemokratischen SPÖ und der konservativen ÖVP kennt in ihrer Finanznot keine Tabus mehr. Der Unmut nicht nur bei Schülern und Lehrern ist groß. „Jedes Mal wenn ein Regierungsmitglied vorbeikommt werde ich denen sagen, dass das ein riesen Verbrechen ist, was die machen“, kündigte Europa-Politiker Ehrenhauser in einer über Youtube verbreiteten Erklärung an.

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Hypo Alpe Adria – ein Alptraum, der nicht enden will
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13 Kommentare zu "Österreich: Banken statt Bildung"

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  • Wenn ich das richtig gelesen habe, hat Österreich einen Etat für Bildung, Forschung, Kunst Kultur in Höhe von 12.888
    (Angaben für 2014 BGBl. I Nr. 2014_I_7 Ausgegeben am 7. 2. 14 Änderung des BFRG 2014 bis 2017)
    Liebes Handelsblatt Team - Wenn sich ein Etat um 0,5 % (60 Mio) verändert, dann glaube ich nicht, dass das Bildungssystem in Österreich zusammenbricht!
    Meines Erachtens spielen sich hier nur ein paar Politiker und die Presse auf! Die Finanzprobleme von Österreich kommen sicher nicht nur von der Hypo Alpe Adria sondern sind der vergangenen Politik geschuldet!

  • Wenn ich das richtig gelesen habe, hat Österreich einen Etat für Bildung, Forschung, Kunst Kultur in Höhe von 12.888
    (Angaben für 2014 BGBl. I Nr. 2014_I_7 Ausgegeben am 7. 2. 14 Änderung des BFRG 2014 bis 2017)
    Liebes Handelsblatt Team - Wenn sich ein Etat um 0,5 % (60 Mio) verändert, dann glaube ich nicht, dass das Bildungssystem in Österreich zusammenbricht!
    Meines Erachtens spielen sich hier nur ein paar Politiker und die Presse auf! Die Finanzprobleme von Österreich kommen sicher nicht nur von der Hypo Alpe Adria sondern sind der vergangenen Politik geschuldet!

  • Welches Zocker-Haus Sie wohl meinen?

  • Das Geldsystem verursacht die Staats-Pleiten da die Geldschöpfung bei den Banken liegt. Von Wien aus ist Berlin nicht mehr weit und schwups ist Deutschland auch pleite.

  • @ pom_muc
    ich denke eher, dass die Banken diese Gelder als Gewinne für die Eigner verwenden!!
    Gewinne werden privatsisiert, Verluste sozialisiert- schon vergessen? Gar nicht so lange her!
    Und BER &Co werden finanziert vom Steuerzahler, die Gelder gehen an Planungsbüros, Bauunternehmen usw. Wowereit wird da wohl das wenigste bekommen. Vorwerfen muß man ihm, dass er diesen Selbstbedienungsladen der Bauunternehmer keinen Riegel vorschiebt!
    Würde man dieses Treiben beenden, wäre der Aufschrei aus der Wirtschaft groß! Haben wir doch in Hamburg bei der Elbphilharmonie gesehen: Alles privat geplant und durchgezogen, als Verluste drohten, wurde nach dem Staat gerufen....

  • @ Euroklopapier

    Leider tendieren Beamte dazu zur Deckung ihrer Pensionen diese Sachwerte über hohe Steuern langfristig einzuziehen.

    Man kann die Folgen falschen Handelns der Politikerbeamten zwar etwas mildern. Aber man spürt die Folgen falscher Währungsreform- und Kreditpolitik natürlich indirekt auch wenn man sich völlig aus den Banken verabschiedet. Löcher in den Straßen. Deutschsprachige als Minderheit in den Grundschulklassen. 50% Staatsquote zur Vollversorgung von Neudeutschen.
    Mal sehen ob es in D anders verläuft als in der Ukraine wenn der Ballon platzt. Ich denke Berlin schickt auch "Anti-Terror-Einheiten" nach Bayern sollte dieses sich aus der Bundesrepublik lösen und keine Berliner Infrastruktur mehr finanzieren wollen.

  • @ Fredi

    Und warum bekommen sie Milliarden?

    Weil sonst die Krafts und Wowereits die Hosen runter lassen müssten!

    Wenn Politiker keine Schulden machen könnten müssten sie VORAB über Steuererhöhungen das Geld für ihre Projekte eintreiben und könnten nicht nach zig Jahren die Rechnung mit Zinsen präsentieren.

    BER wäre schon längst beendet wenn Wowereit dieses Bauwerk über in Berlin erhobene Steuern finanzieren müsste.

  • Die gesamte Raiffeisensekte hat riesige Verluste in Osteuropa gemacht. Die Ukraine ist das nächste Milliardengrab. Jetzt hofft Österreich auf die Bankenunion und auf riesige Ausgeichszahlungen aus dem ESM. So wie es aussieht, fallen die letzten Garanten gerade aus. Wer garantiert für Österreich???? Die EZB wird es schon richten. Ein bischen auf`s Knopferl gedrückt und die Zahlen mit vielen Nullen einfach auf das Konto der Bankster geschoben.
    Die Gelddruckmaschine glüht. Wann wird der Teuro endlich verrecken? Lange kann es nicht mehr dauern! Aber es gibt einen finanziellen Schutz: SAAACHWERTE!

  • Auch in Deutschland handelt Frau Merkel so! Kinder, Schüler, Bürger, Obdachlose verachten, nurt damit Banker weiter ungestraft versagen können. Sie haben die Unterstützung der Frau Merkel! Meine Hoffnung: Staatsfeind nr. 1 wird endlich eingef+ührt und die Personen müssen mit Ihrem gesamten vermögen haften!

  • Vorbild EUR- und Griechland-Rettung. Soll man darauf etwa auch noch stolz sein?

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