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Österreich Der neue FPÖ-Chef Norbert Hofer hat viele Gesichter

Der bisherige Verkehrsminister Österreichs wird neuer Chef der rechtspopulistischen FPÖ. Der Mann gilt nach außen als freundlich und bürgernah.
20.05.2019 Update: 20.05.2019 - 17:22 Uhr Kommentieren
2016 verlor der Politiker die Wahl zum Bundespräsidenten gegen Alexander van der Bellen. Quelle: imago/Eibner Europa
Norbert Hofer

2016 verlor der Politiker die Wahl zum Bundespräsidenten gegen Alexander van der Bellen.

(Foto: imago/Eibner Europa)

Wien Eigentlich scheut Norbert Hofer die Öffentlichkeit nicht. Doch als es um die Nachfolge des wegen der Ibiza-Affäre zurückgetretenen Chefs der rechtspopulistischen FPÖ, Heinz-Christian Strache, ging, traf sich das Präsidium der Partei an einem geheimen Ort. Vor der Wiener Parteizentrale warteten die Journalisten am Sonntag vergeblich auf die Parteigranden. Mit dem Ergebnis des Treffens kann Hofer allerdings zufrieden sein. Der bisherige österreichische Verkehrsminister ist designierter Chef der Partei.

Hofer gilt nach außen als das freundliche und bürgernahe Gesicht der FPÖ. Der im Burgenland lebende Politiker hat gute Manieren. Bei einem Gespräch mit einem Glas Veltliner mit Kritikern erweist sich Hofer als angenehmer Gesprächspartner. Vor FPÖ-Anhängern ist der bisherige Parteivize dagegen weniger zahm. Migranten nennt er „Invasoren“. Einmal wünschte er sich zum Schutz vor Flüchtlingen „einen Zaun, wie es ihn in Ungarn gibt“. Hinter der bürgerlichen Fassade steckt ein fremdenfeindlicher Rechtspopulist.

Hofer, der Sohn eines Kommunalpolitikers der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), wurde mit seiner Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten im Jahr 2016 auch international bekannt. „Hofer ist aus meiner Sicht so gefährlich, weil er die Fratze des Rechtspopulismus nicht trägt. Er ist kein Skinhead. Hofer ist genau das Gegenteil: Er ist der freundlich lächelnde, sich in der Opferrolle befindende Sonnyboy“, sagte der Strabag-Gründer Hans Peter Haselsteiner damals dem Handelsblatt.

Nur knapp verlor Hofer gegen den heutigen Amtsinhaber Alexander Van der Bellen. Seitdem galt Hofer immer als eine Art Reservechef der österreichischen Rechtspopulisten. Er besitzt ein Talent, das seine Partei in ihrer schwierigen Lage dringend braucht: Er ist ein exzellenter Kommunikator. Geschickt setzt der 48-Jährige die sozialen Medien ein, um für sich und seine Partei zu werben. Im Gegensatz zu seinem Parteifreund, dem umstrittenen Innenminister Herbert Kickl, tritt Hofer nicht aggressiv auf. In der schwersten Krise der FPÖ seit vielen Jahren wird ihm daher parteiintern zugetraut, die eigenen Reihen nach dem Rücktritt von Strache und dem Parteiaustritt des FPÖ-Fraktionschefs Johann Gudenus wieder zu schließen.

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    Nach dem Ende der Koalition von ÖVP und FPÖ hat Hofer nur 24 Stunden gebraucht, um von der Regierungsarbeit auf Wahlkampf umzuschalten. „Ich werde alles tun, damit diese FPÖ eine starke Partei bleibt, egal, ob in der Regierung oder in der Opposition“, sagte er in seiner kurzen Facebook-Videobotschaft, die er nach eigenen Angaben im Auto auf dem Weg zu dem FPÖ-Treffen aufgenommen hat. In dem Video macht er die konservative ÖVP unter Kanzler Sebastian Kurz für das Scheitern der Regierungskoalition verantwortlich.

    Den von Kurz geforderten Rücktritt von FPÖ-Innenminister Herbert Kickl lehnte Hofer ab: „Das konnte ich nicht akzeptieren.“ Mit seinem früheren Weggefährten Strache hat Hofer unterdessen rasch abgeschlossen. Die Worte, die in dem heimlich gedrehten Video auf Ibiza gefallen sind, seien „unentschuldbar, nicht in Ordnung“, teilte er auf Facebook mit.

    Der gelernte Flugzeugtechniker arbeitete einst für Niki Laudas Airline. Nach einem schweren Unfall beim Paragleiten 2003 war Hofer zwischenzeitlich gelähmt. Er steckte nicht zurück, leidet heute nur noch an einer leichten Gehbehinderung. Seit Dezember 2017 ist er Verkehrs- und Infrastrukturminister. Dabei hat er sich durchaus einen professionellen Ruf erarbeitet.

    Innerhalb der europäischen Rechtspopulisten ist Hofer gut verankert. Wäre die Regierung nicht geplatzt, hätte er am Montag den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán im Nachbarland getroffen. Es wäre ein Besuch unter Freunden geworden. Zu diesen zählt beispielsweise auch der rechte, in Interviews von der „Auschwitz-Lüge“ fabulierende Maler Odin Wiesinger.

    Als der Künstler, der sich zur FPÖ bekennt, auf einem Bild eine Karte von „Großdeutschland“ malte, verteidigte ihn Hofer. Die Landkarte sei für ein Treffen der Vertriebenen gemacht worden. „Die Soldaten sind aus dem Ersten Weltkrieg“, sagte Hofer dem österreichischen Magazin „Profil“ im Jahr 2016.
    Deutschland in den Grenzen vor dem Zweiten Weltkrieg – am Ende ist die nette Fassade des neuen FPÖ-Chefs doch nur ein Firnis.

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