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Österreich Unternehmer fordert Vermögensteuer

Verkehrte Welt in Österreich: Claus Raidl, Vorstandsvorsitzender des Stahlkonzerns Böhler-Uddeholm, will Verlierern der Krise helfen - und fordert eine Vermögenszuwachssteuer.
Ungewöhnlicher Vorschlag: Claus Reidl, Chef des Stahlkonzerns Böhler-Uddeholm. Quelle: Reuters

Ungewöhnlicher Vorschlag: Claus Reidl, Chef des Stahlkonzerns Böhler-Uddeholm.

(Foto: Reuters)

WIEN. Die Krise führt zu völlig neuen und bislang kaum für möglich gehaltenen Bündnissen - wie jetzt beispielsweise in Österreich. Claus Raidl, Vorstandsvorsitzender des Edelstahl-Konzerns Böhler-Uddeholm und einer der angesehensten Industriellen des Landes, spricht sich offen für die Einführung einer Vermögenszuwachssteuer aus. In Deutschland scheint so etwas derzeit noch undenkbar: Dass ein führender Konzernlenker, in Analogie zum Österreicher Raidl beispielsweise ein Vorstandsmitglied von Thyssen-Krupp, vom Staat die Einführung einer neuen Steuer fordert und damit besser gestellte Einkommensbezieher belasten will.

Claus Raidl möchte seinem Staat zusätzliche Einnahmen verschaffen, weil sich jetzt auch die Republik Österreich wegen Bankenhilfe und Konjunkturprogrammen verschulden muss. Im vergangenen Jahr hatte die Wiener Regierung einen ausgeglichenen Haushalt geschafft, 2009 wird das Staatsdefizit auf einen Anteil von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach oben schnellen. Nächstes Jahr, so das Wiener Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo, werden es schon 4,0 Prozent sein.

Der Konzernlenker Raidl will mit seiner neuen Vermögenszuwachssteuer all diejenigen zur Kasse bitten, die mit Gewinn eine Immobilie, Aktien oder Beteiligungen verkaufen. Er hat auch eine klare Vorstellung, was an Geld hereinkommen soll. "Wir brauchen einen Steuersatz von 25 Prozent", erläutert der Österreicher. Angesichts der Krise sei derzeit zwar nicht damit zu rechnen, dass der Wiener Finanzminister schnell zusätzliches Geld in die Kasse bekommen würde. "Aber wenn die Krise vorüber ist, fließt Geld", sagt Raidl. Für den österreichischen Staat könnten das in nächsten Jahren zusätzliche Milliardenbeträge sein.

Für den Unternehmer Raidl wäre eine solche Steuer auch die "Entschärfung der Verteilungsfrage". Einkommensschichten, die aus der Krise einigermaßen unbeschadet herauskämen, würden ihre Solidarität mit den "Opfern der Krise" unter Beweis stellen. Mit seinem Steuervorschlag steht Claus Raidl in Österreich allerdings noch ziemlich allein. Unternehmer, Industrielle und Banken wollen den überraschenden Vorschlag des Stahl-Vorstands bislang nicht unterstützen.

Allerdings entstehen auch neue Koalitionen. Unterstützung hat Raidl vom österreichischen Sozialminister Rudolf Hundstorfer erhalten, Sozialdemokrat und vor seiner Zeit in der Wiener Regierung Vorsitzender des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB). "Die Vermögensbesteuerung sollte neu diskutiert werden", fordert auch der Politiker. Und plötzlich gibt es in Wien eine Allianz mit Raidl, dem der konservativen ÖVP nahestehenden Unternehmer.

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