Offene Fragen Griechen wollen Mindestlohn senken

Noch hat sich die politische Führung nicht endgültig auf ein von den europäischen und internationalen Geldgebern gefordertes Sparpaket verständigt. Doch erste Details der Streichliste wurden am Mittwochabend bekannt.
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Die Mindestlöhne für griechische Arbeiter sollen deutlich - um mehr als ein Fünftel - gekürzt werden. Quelle: dpa

Die Mindestlöhne für griechische Arbeiter sollen deutlich - um mehr als ein Fünftel - gekürzt werden.

(Foto: dpa)

AthenAm Mittwochabend ist Ministerpräsident Lucas Papademos mit den Vorsitzenden der drei Regierungsparteien zusammen gekommen, um sich deren Unterstützung für ein weiteres Sparpaket zu sichern. Die Kürzungsliste ist Bestandteil der Forderungen der Troika aus Europäischer Union, Zentralbank und Internationalem Währungsfonds.

In Athen sickerten bereits erste Details aus dem neuen Sparprogramm durch. Wie aus Berichten griechischer Online-Medien hervorgeht, müssen sich die Arbeitnehmer des Landes auf drastische Einschnitte einstellen. Demnach sollen alle Löhne in der Privatwirtschaft solange eingefroren werden, bis die Arbeitslosenquote von heute mehr als 19 Prozent auf 10 Prozent gefallen ist. Noch in der ersten Hälfte des Jahres sollen sechs Staatsbeteiligungen an Unternehmen wie der Lottogesellschaft Opap verkauft werden.

Zudem solle der Mindestlohn um 22 Prozent auf 590 Euro gesenkt werden, für junge Leute unter 25 Jahren soll die Kürzung noch drastischer ausfallen. Schließlich sollen die Renten der als reich geltenden Rentenkassen von Banken sowie Telefon- und Elektrizitätsgesellschaft um 15 Prozent reduziert werden. Die Regierung bekräftigte auch ihre Absicht, dass 150 000 Staatsbedienstete bis 2015 gehen sollen.

Verhandlungen der griechischen Regierungskoalition am Mittwoch. Quelle: dapd

Verhandlungen der griechischen Regierungskoalition am Mittwoch.

(Foto: dapd)

Das entsprechende Papier wurde den Parteichefs des Regierungsbündnisses von Ministerpräsident Lucas Papademos zwar vorgelegt, doch nickten sie es vorerst nicht ab. So forderte die Rechtspartei Laos Bedenkzeit, bis der englische Text auf Griechisch vorliegt. Dabei drängt die Zeit: Ohne eine feste Reformzusage aus Athen wollen die europäischen Partner die dringend benötigten Milliardenhilfen im Volumen von 130 Milliarden Euro nicht freigeben.

Die Einschnitte stoßen auf massiven Widerstand bei den griechischen Gewerkschaften, die am Dienstag mit einem Generalstreik gegen den Sparkurs mobil gemacht hatten. Für Donnerstagabend ist in Athen eine große Protestkundgebung angekündigt. Im Falle einer Einigung der Parteiführer soll das Parlament in Athen ab Freitag über das Sparpaket beraten und am Sonntag darüber abstimmen. Die drei Parteien verfügen über 255 der 300 Mandate.

Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker berief - noch vor einem Abschluss der Gespräche der politischen Führung in Athen - für Donnerstagabend ein Treffen der Finanzminister ein, um über das Hilfspaket zu beraten. Gleichzeitig warnte er im ZDF vor einem Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone: Gelänge es der Regierung in Athen nicht, ein nachhaltiges Konsolidierungsprogramm aufzulegen, „könnte diese Perspektive sehr schnell Wirklichkeit werden.“ In Athen wollte Laos-Chef Giorgos Karatzaferis nichts übereilen: „Wir können nicht einfach Ja oder Nein sagen, solange uns die zuständigen Stellen nicht versichert haben, dass die Maßnahmen verfassungskonform sind und das Land aus der Krise bringen.“

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41 Kommentare zu "Offene Fragen: Griechischer Mindestlohn soll drastisch sinken"

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  • Hier ist jemand, der Durchblick hat und sich auszudrücken weiß:

    http://www.youtube.com/watch?v=Fkzmx3wQjI4

    ..egal was man von der Gesamtideologie der Partei halten man. Das ist eine der einigen Poliker(innen), die was im Hirn hat und die Wahrheit sagt. Der Unterschied zum dem verlogenen Gesülze einer Merkel ist exorbitant.

    Mehr?

    zur Grundproblematik, hier in D, gilt aber genauso wohl für Griechenland:

    "Bundesregierung ist devote Vollstreckerin des organisierten Geldes"

    http://www.youtube.com/watch?v=xtgfmZAK1RQ

  • ich wollte natürlich Kopp-Verlag schreiben ... ich kleiner Knallkop(f)

  • ..ich bin auch für alternative Medien und die Suche nach der Wahrheit .. aber kleiner Tip: Den Kopf-Verlag sollte man nicht zitieren ... die sind auf Bild-Niveau oder leicht drunter..

    Dennoch: Vorstellbar wäre es.

  • "Traum von iPads, iPhones, Eigenheimen und Neuwagen "

    Ist das ein Traum? Wirklich? Nur tote Sachen - wo bleibt das Leben? Wo bleibt die Freude? ...

  • Ich hab mal nachgesehen und übersetzt.Also,es stimmt nicht,daß ERST Einzelheiten zu Kürzungen bekannt wurden,bereits letztes Jahr veröffentlichte die gr.Regierung die Tabellen zu Steuern und Abgaben.Die AN kämpfen im Moment noch.Vorbei ist es noch nicht.Wir werden in D nicht richtig informiert und ich werde kein böses Wort über diese Menschen in Gr verlieren.Eher bin ich entsetzt,was dort grad läuft.
    Nicht eine Meinung vorsetzen lassen.Selber nachgucken.Was tut man den Menschen nur an!!
    Was,wenn es uns trifft?"Essensausgabe von 16-18Uhr im 4.Stock.."Unvorstellbar!

    http://ekprosoposeleftherotypias.blogspot.com/

    http://www.enet.gr/?i=news.el

    @1522.So ist es.Leider.

  • Die Griechen müssen sich wehren! Die Unter- und Mittelschicht - also mal wieder die 90%+ - müssen auf die Straße! Sie müssen die Schmarotzer, griechische und auch die ausländischen verjagen. Ob das friedlich geht bezweifle ich. Denn Schmarotzer saugen sich fest.

    FRIEDE DEN HÜTTEN - KRIEG DEN PALÄSTEN

    ... ich habe so die Schnauze voll von diesen dämlichen Ar§$%&%$, die den Hals nicht voll kriegen können, von diesen Angebern und menschlichen Nullen, von diesem Wachstumswahn und von diesem ganzen Dreckssystem!

    Westliche Demokratie! Pah ... das ist doch langsam nur ein plutoktratischer Filz, mit schweren Tendenzen zum Faschismus! Mit Medienhuren und Polithuren. Eine Farce.

    http://www.zeit.de/2011/36/Finanzkrise-Demokratie

  • Bin absolut Ihrer Meinung! Das ist der Versuch der Geldkartelle und Ihrer Kampfgenossen die freie Gesellschaft zu Versklaven!

    Wir müssen solidarisch mit den Griechen sein, denn was dort abläuft wird exemplarisch für Portugal, Irland und irgendwann auch Deutschland sein!

    Freiheit für die Menschen! Nieder mit den Schmarotzern in den Armani-Anzügen .... und weg mit den Politmarionetten!!

  • Zunächst dachte ich: wie doof, der singende Beckenbauer.
    Aber wir sollten so etwas wie eine Pan-Europäische Lotterie
    für Griechenland tatsächlich einführen; auf begrenzte Zeit
    und nicht mit Millionen-Gewinnen, aber doch attraktiv für
    den Spieler. Davon sollten 50 % als Direkthilfe nach
    Griechenland gehen, zweckgebunden für die ärmeren Leute,
    um auf diese Weise die Not zu lindern, nioht an den
    deutschen Fiskus oder die Banken. Wie gesagt, während
    zwei oder drei Monaten, jede Woche. Der deutsche Lottoblock wird daran nicht eingehen.

  • Die Moral von der Geschicht’ … halbe Eier rollen nicht!
    Ich will Ihnen mal sagen, wie jetzt 99% der Arbeitgeber Griechenlands ( und ich schreibe bewusst nicht ‘griechische Arbeitgeber’, denn dieses Land hier ist auch ein Paradies für alle diejenigen Nord- und Mitteleuropäer, die in feudalherrschaftlichem Wahnsinn ihre niedrigsten Instinkte auf Kosten ihres Personal ausleben ) diesen Mindestlohn interpretieren wird. Der Mindestlohn wird jetzt plötzlich für alle Arbeitnehmer gelten, ganz unabhängig von Berufserfahrung, akademischen Titeln, sonstigen Kompetenzen und allen anderen Zulagen wie z.B. den +10% auf den Mindestlohn für 1-2 Kinder. Gehen Sie mal hin und leben dann plötzlich von 590,00 € brutto oder 413,00 € netto !!! In einem Land, in dem man für eine halbwegs vernünftige Wohnung 500,00 € Kaltmiete monatlich zahlt, 1 Liter Frischmilch zwischen 1,20 € und 1,60 € kostet, Kindergeld für 1 Kind sich auf 5,87 € monatlich beläuft, ein in Deutschland gängiges Deo für 1,50 – 2,00 € gut 4.00 € kostet. Diese insgesamt 2.660.000 im privaten Sektor beschäftigten Menschen sollen nun also nicht nur den Kampf des Überlebens antreten sondern auch noch die griechische Wirtschaft ankurbeln. Ich kann Ihnen nur sagen, dass wir es uns alle in kürzester Zeit nicht mehr warden leisten können, zu leben. Und im öffentlichen Dienst geht alles weiter wie bisher, wie schön.

  • Ja, denn die Bürokraten stecken in GR mit den Oligarchen unter einer Decke. Alles bunga-bunga. Darum muss man den Sumpf der Eurogelder trockenlegen, damit sich das marode, korrupte System von innen heraus erneuern kann. Also raus aus der EU, sonst macht das faulende Beispiel Schule und breitet sich aus.

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