Waffenmesse in Connecticut.
Cleveland/San Antonio/Washington Hunderte US-Lehrer und Kindergärtner haben seit dem Massaker an einer Grundschule in Connecticut Waffenkurse belegt. Viele wollen vorbereitet sein, sollte es in ihren Klassenzimmern zu ähnlichen Ereignissen kommen, und sind entschlossen, ihre Schüler mit Waffen zu schützen - selbst wenn sie das den Job kosten könnte, erklärt der Waffenverband Buckeye. "Jeder Lehrer, der eine Lizenz hat und bewaffnet sein möchte, sollte auch bewaffnet sein können", sagt der Mitbegründer der Gruppe, Gerald Valentino. "Jeder Lehrer sollte die Wahl haben."
Mitte Dezember hatte ein 20-Jähriger bewaffnet mit einem Sturmgewehr in Newton im Bundesstaat Connecticut 20 Grundschüler und sechs Erwachsene getötet, bevor er sich selbst richtete. Präsident Barack Obama kündigte daraufhin an, die Waffenregeln verschärfen zu wollen. Das stößt jedoch auf erheblichen Widerstand. Waffenlobbyisten argumentieren, ein bewaffneter Lehrer hätte das Massaker in Newton stoppen können.
Im Zweiten Zusatzartikel zur Verfassung ist das Recht auf privaten Waffenbesitz verbrieft. Dort heißt es: "Weil eine gut organisierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates erforderlich ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden." Die Frage, wie weit dieses Recht reicht und welchen Beschränkungen es unterworfen werden darf, ist Gegenstand kontroverser Debatten.
Seit 1993 steht etwa eine Überprüfung von Waffenkäufern im Bundesrecht. Verurteilte Kriminelle, Menschen mit psychischen Störungen oder Drogenabhängige dürfen demnach keine Schusswaffen erwerben. Ein im Folgejahr erlassenes Verbot halbautomatischer Gewehre wurde dagegen 2004 nicht verlängert. Dazu kommt ein Dschungel an Gesetzen und Verordnungen auf Ebene der Bundesstaaten und Kommunen. Immer wieder landeten regionale Beschränkungen für Waffenerwerb und -besitz dabei vor dem Obersten Gerichtshof, der in Grundsatzurteilen 2008 und 2010 ein Recht auf private Waffen anerkannte.
Mehreren Studien zufolge sind in den USA bis zu 300 Millionen Schusswaffen im Privatbesitz - das entspricht fast einer Waffe pro Einwohner. In einer Erhebung des Gallup-Instituts aus dem vergangenen Jahr gaben 47 Prozent der Befragten an, in einem Haushalt mit mindestens einer Schusswaffe zu leben. Jeder dritte US-Bürger ist demnach selbst Waffenbesitzer.
Die Waffenschmieden des Landes produzierten im Jahr 2011 knapp 2,5 Millionen Pistolen, 573.000 Revolver sowie mehr als drei Millionen Gewehre, wie die Statistiken der Behörde für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen (ATF) zeigen. In den USA gibt es fast 130.000 lizensierte Waffenhändler.
Mehr als 30.000 Menschen sterben in den USA jedes Jahr durch Schusswaffen - darunter sind mehr als 12.000 Morde. Die Anti-Waffen-Lobbyisten der Brady Campaign geben in ihrer Berechnung aus dem Jahr 2011 an, dass 270 Menschen täglich durch Schusswaffen verletzt oder getötet werden. Darunter seien auch 38 verletzte und acht getötete Minderjährige. Nach Angaben der Bundespolizei FBI wurden im vergangenen Jahr 68 Prozent aller Morde mit Schusswaffen verübt.
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