Kim Jong Un mit Schwester Kim Yo Jong

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un – begleitet von seiner Schwester Kim Yo Jong im November 2014 in Wonsan.

(Foto: dpa)

Olympische Spiele Südkoreas Präsident will mit Kim Jong Uns Schwester speisen

Kim Jong Un schickt seine Schwester zu den Olympischen Winterspielen. Direkte Gespräche mit den USA könnten den Konflikt entschärfen.
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SeoulNordkoreas Führer Kim Jong Un hat sich die größte Überraschung für die Eröffnung der Olympischen Winterspiele aufgehoben. Am Mittwoch teilte Südkoreas Vereinigungsministerium mit, dass Kims Schwester Kim Yo-Jong gemeinsam mit dem protokollarischen Staatsoberhaupt Nordkoreas, Kim Yong Nam, am Freitag im Olympia-Stadion von Pyeongchang Platz nehmen soll. Gleichzeitig deutet sich eine leichte Entspannung in der Beziehung zwischen Nordkorea und Südkorea an. Denn der südkoreanische Präsident Moon Jae In will sich mit Kim Yo-Jong treffen. Für Samstag sei ein Mittagessen des südkoreanischen Präsidenten mit den nordkoreanischen Vertretern geplant, bestätigte ein Regierungssprecher.

Dies wäre das erste Mal, dass ein Mitglied der Diktatorendynastie nach Südkorea reist. Und politisch hochrangig ist die erst 31-jährige Kim obendrein. Daheim in Nordkorea ist sie stellvertretende Leiterin der Propagandaabteilung der Arbeiterpartei. Da sollte sie wissen, wie sie in Südkorea medienwirksam den emotionalen Höhepunkt der Spiele bejubeln kann.

Gemeinsam wollen die Koreaner die wachsende Kriegsangst auf der koreanischen Halbinsel durch olympischen Frieden vertreiben. Unten im Stadion werden die Teams der verfeindeten koreanischen Staaten gemeinsam unter einer Fahne einmarschieren – ein Novum bei olympischen Winterspielen. Doch die eigentliche Sensation könnte nun auf den Rängen stattfinden, oder wenigstens in Hinterzimmern der Macht.

Unweit von US-Vizepräsident Mike Pence werden die Gesandten von Nordkoreas Führer sitzen. Und Kim Yong Nam ist als Vorsitzender des obersten Präsidiums des Volkskongresses kein Grüßaugust, sondern gilt als Nordkoreas Nummer 2 oder 3. Kims personelles Aufgebot könnte sich nun auszahlen. Überraschend schürte Pence die Hoffnung, dass sich Vertreter Amerikas und Nordkoreas zu diesem Anlass treffen könnten. Präsident Donald Trump habe immer gesagt, er glaube in Gespräche, erklärte Pence vor seinem Abflug nach Japan und Korea. Er habe zwar um kein Treffen gebeten, so Pence. „Aber wir werden sehen, was passiert.“

Damit scheint auf einmal das Unwahrscheinliche möglich: Der Plan von Südkoreas Präsident Moon Jae-in könnte aufgehen, der Diplomatie im eskalierenden Krieg der Worte zwischen Führer Kim und Präsident Trump wieder eine Stimme zu geben. Seit Monaten hatte er Kim gebeten, ein Team zu senden.

Als der nordkoreanische Führer am ersten Januar in seiner Neujahrssprache einwilligte, ergriff Moon die Chance. Denn die Lage ist kritisch. Der ehemalige US-Vizepräsident Joe Biden hatte sich jüngst besorgt gezeigt, dass die Gefahr eines Atomkriegs zwischen den streitenden Staaten noch nie so hoch war wie heute. So sehr hatten Kim mit Atombomben- und Langstreckenraketentests und Trump mit angedrohten Militärschlägen die Kriegsstimmung angeheizt.

Selbst im Vorfeld der Spiele wurde in Washington eine Strategie der Nasenstüber, der „bloody nose“, diskutiert. Unter dieser extrem umstrittenen Idee verstehen Washingtons Falken, Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm durch gezielte Militärschläge zurückzuwerfen. Bisher hatten alle US-Präsidenten selbst vor gezielten Angriffen zurückgeschreckt. Denn sie könnten leicht in einen großen Krieg eskalieren, mit hunderttausenden, wenn nicht Millionen Toten.

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