Onlinehändler Was an Trumps Amazon-Kritik wirklich dran ist

Donald Trump greift Amazon via Twitter an. Die Aktie leidet in der Folge. Die Argumente des Präsidenten stimmen allerdings nur teilweise.
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Der US-Präsident hat sich auf Amazon eingeschossen. Quelle: AP
Donald Trump

Der US-Präsident hat sich auf Amazon eingeschossen.

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New YorkUS-Präsident Donald Trump hat den Onlineriesen Amazon öffentlich kritisiert. „Sie zahlen wenig oder gar keine Steuern an Bundesstaaten und Kommunen, und sie benutzen unser Postsystem als ihren Botenjungen“, schrieb Trump am Donnerstag auf Twitter.

Laut Trump entstehen den Vereinigten Staaten dadurch enorme wirtschaftliche Schäden. Viele Tausend Einzelhändler würden aus dem Geschäft gedrängt, schrieb der Präsident.

Trumps Argumente gegen Amazon stimmen allerdings nur teilweise. Ohne Frage erhält Amazon bei den Steuern als Onlinehändler in den USA eine Vorzugsbehandlung. In jedem Bundesstaat muss es nur Umsatzsteuern zahlen, wenn es physisch vor Ort ist.

Das war lange Zeit nicht der Fall, was sich aber mit dem Aufbau eines dichten Vertriebsnetzes mit zahlreichen, riesigen Distributionszentren änderte. Im vergangenen Jahr willigte Amazon ein, dass es in allen 45 Bundesstaaten, die eine Umsatzsteuer erheben, diese auch zahlen will.

Allerdings: Nach Analystenschätzung stammt die Mehrheit der Umsätze auf Amazon von Drittanbietern. Diese oft kleinen Anbieter zahlen in der Mehrheit nur in dem Bundesstaat Steuern, in dem sie ansässig sind, obwohl sie per Amazon in das ganze Land liefern.

Die Beziehung von Amazon und dem US-Postdienst ist hingegen verzwickt. United States Postal Service (USPS) ist gesetzlich verpflichtet, überall im Land Briefe und Pakete zuzustellen. Angesichts der Größe des Landes eine gewaltige Aufgabe.

Das staatliche Unternehmen schrieb mit einem Umsatz von rund 19 Milliarden Dollar in den vergangenen elf Jahren rote Zahlen. Allerdings vor allem aufgrund der hohen Pensionsverpflichtungen und Krankenversicherungskosten für die Mitarbeiter.

Amazon nutzt USPS sehr stark. Der Postdienst kümmert sich für den Konzern um die Lieferung auf der sogenannten „letzten Meile“ – von den Vertriebszentren an die Haustüren der Kunden. Analysten von Citigroup schätzten im vergangenen Jahr die Kosten für die Paketzustellung. Diese würden um 50 Prozent höher liegen, als USPS derzeit an Porto verlangt.

Trump zufolge verliert die Post an jedem Päckchen, das sie für Amazon liefert, 1,50 Dollar. Das würde auch die Steuerzahler empfindlich treffen, kritisierte er. Allerdings: USPS ist zwar staatlich, wird jedoch nicht von den Steuerzahlern unterstützt.

Der Postdienst kann die Zustellungsgebühren nur mit Zustimmung des Kongresses erhöhen. „Das ist, als ob Uncle Sam an jedes Paket von Amazon ein oder zwei Dollar heftet“, schrieben die Experten der Citigroup in ihrem Report. Außerdem ist es für USPS gesetzlich verboten, weniger als die tatsächlichen Versandkosten in Rechnung zu stellen.

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Der Bericht sorgte für viel Aufmerksamkeit, wohl nicht zuletzt bei Trump. Laut dem Mediendienst Axios ist der Präsident stark auf das Thema USPS fixiert.

Allerdings kritisieren Experten die Analyse von Citigroup. Sie rechne die Pensions- und Gesundheitskosten mit in den Zustellungspreis ein. Die eigentliche Zustellung sei dagegen preiswerter, die Post mache so gesehen Gewinn mit Amazon. Die Paketzustellung ist zudem die einzig wachsende Umsatzkategorie von USPS, während die Briefzustellung beispielsweise zurückgeht.

Der Aktienkurs von Amazon reagierte auf Trumps Tweet unmittelbar nach Handelsbeginn an der Wall Street. Das an der Technologiebörse Nasdaq gelistete Papier verlor zeitweise mehr als vier Prozent. Bis Börsenschluss drehten die Papiere jedoch 1,1 Prozent ins Plus.

Auch am Mittwoch hatten die Amazon-Papiere deutlich verloren. Zuvor hatte Axios berichtet, dass Trump die steuerliche Behandlung von Amazon ändern wolle.

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10 Kommentare zu "Onlinehändler: Was an Trumps Amazon-Kritik wirklich dran ist"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Amazon begeht aus meiner persönlichen Sicht aber auch einen großen Fehler: nämlich zu starke Expansion. Die wollen einfach alles abdecken. Damit droht ihnen mittel- bis langfristig das gleiche Schicksal wie dem Römischen Imperium.

  • Amazon als ursprünglicher Online-Buchhandel-Pionier hat Folgendes richtig erkannt:
    Buchhandlungen bzw. fast alle Einzelhandelsgeschäfte befinden sich meist in direkter City-Lage, wo die Ladenmieten exorbitant hoch sind (in meinem Wohnort hat neulich die letzte Buchhandlung dichtgemacht, da Miete zu hoch und Umsatz zu gering). Als reiner Online-Händler kann man sich dagegen die teuren Mieten sparen.
    Wenn ich in meine Kreisstadt mit dem Auto zum Shoppen fahre, habe ich erstmal auf dem Weg dorthin gefühlte 20 Blitzer, und dann zocken mich auch noch die unersättlich-gierigen Stadtpolitiker mit Wucher-Parkgebühren ab. Gibt es keine Parkplätze vor dem Geschäft, muss ich zudem noch (manchmal sehr weit) bis zum Auto schleppen.
    Und da wundern sich Politiker noch, dass der Online-Handel boomt??

  • Herr Heinz Keizer - 30.03.2018, 10:56 Uhr
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    Sie haben das völlig richtig dargestellt. Die Trump`sche Kritik zeigt eindeutig, dass er von Wirtschaft und Steuern keine Ahnung hat, sonst würde er nicht derartiges twittern.

  • Trump kritisiert, dass große Unternehmen ZU WENIG Steuern zahlen würden??

    Guter Witz.

    Er selbst war es, der gerade die Steuern massiv gesenkt hat. Damit seine Kumpels auf den Golfplätzen sich noch mehr Privatjets und Hotels kaufen können.

    Hat er nun wirklich Demenz? Oder ist es einfach nur Volksverarschung auf Big-Bullshit-Niveau?

  • Wer macht in den USA eigentlich die Gesetze, Präsident und Kongress oder Amazon? Man kann einem Unternehmen nicht vorwerfen, dass es Steuergesetze ausnutzt. Im Beitrag kommt auch zum Ausdruck, dass der überwiegende Umsatz von Drittfirmen gemacht wird, die sehr wohl Steuern zahlen. Wenn der Kongress das Porto bestimmen kann, warum verlangt man dann nicht kostendeckende Preise? Falls die Annahmen stimmen und der Verlust durch Pensionen und Krankheitskosten entsteht, dann erwirtschaftet USPS doch einen Deckungsbeitrag, den es ohne Amazon nicht hätte. Der Verlust wäre also noch größer. Polemisieren von Populisten hilft selten weiter.

  • Ein Sozialist ist doch immer bereit sich zu bereichern, deshalb unterstellt er das auch Anden. Mit Arbeit hat er natürlich keinen Erfolg, weil er immer auf der falschen Seite steht.
    Mensch der du, auf der Seite der EU-Loser, bist, laß alle Hoffnung fahren.

  • Ob Familie Trump eigentlich vor jedem Tweed von Daddy Optionsscheine auf die gebashten Aktien ordert?

  • Dank Herr Trump hat die USA die niedrigste Arbeitslosenrate seit 1973 das sind 45 Jahre.
    Die EU-Loser geifern wieder, Erfolg ist ihre Sache nicht.

  • Seit Amazon am Markt ist gab es viele Firmen, die mit der gleichen Geschäftsidee auftraten. Aber Amazon hat es offenbar mit der Politik der geringen Löhne, der unverschämten Steuerhinterziehung für chin. Firmen und noch dazu mit einer aggressiven Spartenpolitik so weit gebracht. Aber eines muss man dazu sagen, Amazon ist nicht illegal, der Herr Bezos wurde offenbar nie angeklagt und nie verurteilt für alles was er gemacht hat. Aber die Politik in Europa als auch in den USA haben bisher immer alles toleriert und keine Anpassung der wirtschaftlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen vollzogen. Und wer wird nun kritisiert?

  • Ich bin kein Freund von Trump...aber in diesem Punkt stimme ich ihm voll zu...nur gilt das nicht nur für Amazon sonder für alle internationalen Konzerne, die über internationale Gewinnverlagerung legal Steuer in großem Stil vermeiden, während der lokale Mittelstand brav Körperschafts- und Gewerbesteuer zahlen muss. Allerdings greift er dabei seine eigne Klasse an, die oberen 10% der internationalen Gesellschaft zu der er selbst gehört und die am meisten davon profitiert. Dass ihm das bewusst ist, bezweifele ich sehr. Ihm geht es nur um den kurzfristigen Effekt beim Wahlvolk.

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