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Opposition Mahnwachen in Moskau für Freilassung Gefangener und ehrliche Wahlen

Erneut demonstrieren Menschen gegen den massenhaften Ausschluss Oppositioneller bei der Stadtratswahl in Moskau. Die russische Polizei greift zunächst nicht ein.
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Es ist der fünfte Samstag in Folge an dem die Menschen in Moskau demonstrieren. Quelle: dpa
Demonstration gegen Ausschluss von Kandidaten in Moskau

Es ist der fünfte Samstag in Folge an dem die Menschen in Moskau demonstrieren.

(Foto: dpa)

Moskau Mit Mahnwachen haben Oppositionelle in Moskau für die Freilassung politischer Gefangener und für ehrliche Wahlen demonstriert. Unter scharfer Beobachtung der Polizei stellten sich einzelne Menschen am Samstag an Denkmälern in der Innenstadt für ihren stillen Protest auf, um gegen Justizwillkür in Russland zu demonstrieren. Die Moskauer Behörden hatten einen Protestmarsch und eine Massenkundgebung der Opposition in der Innenstadt erneut verboten. Die Organisatoren unter anderem um den inhaftierten Oppositionsführer Alexej Nawalny setzten deshalb diese Mahnwachen an. Die Polizei griff zunächst nicht ein.

Die russische Hauptstadt erlebt seit Wochen Proteste gegen den Ausschluss Dutzender Oppositionskandidaten bei der Stadtratswahl am 8. September. Es war der fünfte Samstag in Folge. In mehreren russischen Städten gab es Solidaritätskundgebungen für die Moskauer Proteste. Vor einer Woche kamen auf dem Sacharow-Prospekt in Moskau bis zu 60.000 Menschen zusammen, um für die Zulassung der Kandidaten und gegen Polizeigewalt zu demonstrieren.

Den Platz nutzten am Samstag die im Grunde systemtreuen Kommunisten und andere linke Kräfte, um für freie Wahlen zu demonstrieren. Die Polizei sprach von etwa 4.000 Teilnehmern. Die Kommunisten werfen der Wahlkommission vor, für die Zulassung kremlfreundlicher Politiker massenhaft Unterschriften gefälscht zu haben. Kandidaten müssen in der Regel Tausende Unterstützungsunterschriften vorlegen, um eine Registrierung zu erhalten. Die meisten Oppositionskandidaten erhielten keine Zulassung zur Wahl, weil sie angeblich nicht genügend gültige Unterschriften vorlegen konnten.

Vor Gericht erhielt zuletzt der gemäßigte Oppositionelle Sergej Mitrochin doch noch seine Zulassung als Kandidat. Auch er beteiligte sich an den Mahnwachen. Er hatte sich seine Zulassung zur Abstimmung mit einem Versuch des Kremls erklärt, die Opposition zu spalten. Er rief zum Zusammenhalt auf.

Bei nicht genehmigten Protesten waren in den vergangenen Wochen Tausende Menschen vorübergehend festgenommen worden. Menschenrechtler sprachen von unverhältnismäßiger Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten. Sie forderten auch, die Anschuldigungen wegen Anstiftung zu Massenunruhen fallen zu lassen. Auch Deutschland und die USA hatten die Gewalt kritisiert und Russland aufgefordert, das per Verfassung garantierte Versammlungsrecht zu gewähren.

Die Opposition in Moskau wirbt nun für ein „kluges Abstimmungsverhalten“, um eine Mehrheit kremltreuer Kräfte im Parlament zu verhindern. Der Oppositionsführer Nawalny hat eine Liste mit entsprechenden Wahlempfehlungen für die Moskauer aufgestellt. Er rief aus seiner Arrestzelle dazu auf, die Liste mit den 45 Namen – so viele Abgeordnete hat das Stadtparlament – zu unterstützen. Unter ihnen sind auch einige regierungskritische Kandidaten. Ziel sei es, das „Machtmonopol“ zu zerstören. „Wenn das gelingt, wird diese Bande in allen Stadtteilen verlieren“, schrieb er.

Nawalny betonte auch, dass es nach dem „Supererfolg“ mit bis zu 60.000 Demonstranten am vergangenen Samstag in Moskau nicht darum gehe, diese Zahl immer wieder zu toppen. Wichtig sei die Strategie beim Wählen. Zugleich sehen sich die Organisatoren der Protestaktionen mit immer neuen Anschuldigungen konfrontiert. Weil die Demonstranten den Straßenverkehr behindert haben sollen und Veranstaltungen ausfallen mussten, klagen nun etwa die Verkehrsbetriebe auf Schadenersatz. Eine Summe von bis zu 13 Millionen Rubel (rund 176.000 Euro) steht im Raum.

Dagegen hatten sich auch in sozialen Netzwerken viele Moskauer darüber empört, dass die Polizei mit ihren Gefängniswagen und Metallgittern an vielen Stellen im Zentrum das öffentliche Leben gestört habe. Die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisierte in einer Stellungnahme, dass mehrfach zahlreiche Journalisten festgenommen und so an der freien Berichterstattung gehindert worden seien. Für das kommende Wochenende hat die Stadt eine Massenkundgebung zugelassen.

Mehr: Die russische Regierungspartei befindet sich im Umfragetief. Russland will ein ähnliches Szenario wie in Istanbul verhindern und greift dafür zu jedem Mittel.

  • dpa
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