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Oppositionschef Umfrage in Großbritannien: Lieber No-Deal-Brexit als Jeremy Corbyn

Corbyn will den Brexit ohne Abkommen verhindern und dafür eine Revolte anzetteln. Doch sowohl in der britischen Bevölkerung als auch bei anderen Parteien kommt er damit nicht an.
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Der 70-jährige ist Chef der Labour-Partei. Quelle: AP
Jeremy Corbyn

Der 70-jährige ist Chef der Labour-Partei.

(Foto: AP)

London Fast jeder zweite Brite würde sich einer Umfrage zufolge lieber für einen ungeregelten Brexit entscheiden, als dass Labour-Chef Jeremy Corbyn ein Übergangspremier wird. Nur ein Drittel der Befragten (35 Prozent) sprach sich für Corbyn aus, der eine Revolte mit allen Oppositionsparteien und Tory-Rebellen gegen Premierminister Boris Johnson anzetteln will. 48 Prozent würden der YouGov-Umfrage zufolge einen EU-Austritt ohne Abkommen bevorzugen. 17 Prozent der insgesamt 1968 Befragten waren sich unschlüssig.

Corbyn hatte vorgeschlagen, auf Zeit als Premierminister das Steuer zu übernehmen, um einen EU-Austritt ohne Abkommen zu verhindern. Der 70-Jährige rief die Parteien im Parlament dazu auf, Johnson mit einem Misstrauensvotum aus dem Amt zu drängen. Als Premier will Corbyn den Brexit hinauszögern, Neuwahlen ausrufen und ein neues Referendum über die EU-Mitgliedschaft auf den Weg bringen. Seinen Vorschlag machte er den Chefs der anderen Oppositionsparteien und Rebellen der regierenden Konservativen, stieß aber damit auf Widerstand.

Auch der Alterspräsident des Unterhauses, Ken Clarke, bot sich als Übergangspremier für eine Brexit-Notregierung an. Wenn es der einzige Weg wäre, um einen EU-Austritt ohne Abkommen zu verhindern, „würde ich es nicht ablehnen“, sagte der ehemalige konservative Finanzminister (1993-97) am Freitagnachmittag der BBC. Der 79-Jährige reagierte damit auf einen Vorschlag der liberalen Parteichefin Jo Swinson, die zuvor Corbyn für die Rolle abgelehnt hatte.

Der proeuropäische Clarke genießt überparteilich großen Respekt. Er sitzt seit 1970 im Unterhaus und ist der dienstälteste Abgeordnete, oder „Father of the House“, wie es in Großbritannien heißt.

Hintergrund sind die zunehmend verzweifelten Versuche proeuropäischer Abgeordneter im Parlament, einen EU-Austritt ohne Abkommen abzuwenden. Johnson will das Land zum Ablauf der Brexit-Frist Ende Oktober aus der Staatengemeinschaft führen, „komme, was wolle“. Sollte sich Brüssel nicht auf Nachverhandlungen zum Brexit-Vertrag einlassen, will Johnson notfalls ohne Deal ausscheiden. Für diesen Fall werden jedoch unter anderem schwerwiegende Nachteile für die Wirtschaft auf beiden Seiten des Ärmelkanals befürchtet.

Mehr: Die Bundesregierung glaubt, dass die Briten die EU ohne Vertrag verlassen werden. Derweil bereiten die Gegner von Premier Johnson ein Misstrauensvotum vor.

  • dpa
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