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Ortsbesuch Die Sisyphusarbeit der Griechen

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Ehrlichkeit

Einer, der das ändern will, ist Nikolaos Lekkas. Er ist der oberste Steuerfahnder des Landes. Lekkas’ Griechenland ist ehrlicher. Die Bodenplatten in seiner Behörde für die Verfolgung von Finanzverbrechen (SDOE) wackeln, die Stühle sind zerschlissen, die Wände vergilbt. Lekkas setzt andere Prioritäten. Sein Budget steckt er lieber in die Sache. „Die Party der Steuerhinterziehung in Griechenland ist zu Ende“, sagt er. „Wenn ich mich entschließe, Steuern zu hinterziehen, also zu stehlen, kann ich nicht erwarten, dass ich Schulen, Krankenhäuser und Straßen habe. Die Bürger müssen das ‚Ich’ vergessen und an das ‚Wir’ denken. Das ‚Ich’ schadet der Gesellschaft.“

Über das Unglück, ein Grieche zu sein
Dimous
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Nikos Dimous Aphorismen-Sammlung „Über das Unglück, ein Grieche zu sein“ wurde in Griechenland bereits vor 36 Jahren veröffentlicht und ist nun auch auf Deutsch (Verlag Antje Kunstmann) erschienen. Was sich auf den ersten Blick wie eine Anhäufung von billigen Vorurteilen über den Griechen an sich liest, ist in Wirklichkeit eine tragikomische Auseinandersetzung des Autors mit der Seele seines Landes.

(Foto: Penelope Massouri)
Dimous
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Nikos Dimous liebevolle, aber kritisch-distanzierte Haltung zu seinem Land hat ihm den Ruf des Nestbeschmutzers eingebracht. Die Gedanken zu seinem Buch „Über das Unglück, ein Grieche zu sein“ schrieb er bereits während der Obristen-Diktatur Anfang der siebziger Jahre nieder. Dennoch wirken seine Sätze erstaunlich aktuell, mit denen er den griechischen Geist zu umreißen versucht. Hier einige Auszüge aus dem leicht misszuverstehendem Werk...

(Foto: Penelope Massouri)
Griechenland - Eurokrise
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Die griechische Übertreibung

„Axiom: Ein Grieche tut alles, was er kann, um die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu vergrößern.

Das erreicht er, indem er entweder seine Forderungen ins Unerfüllbare steigert oder indem er, so gut er kann, seine Umwelt ruiniert. Oder auch mit beidem zugleich.“

(Foto: dpa)
Greece Financial Crisis
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Die griechische Übertreibung

„Der Grieche lebt entweder – oder, das heißt: entweder himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt. Eine der Folgen: die absolute Unfähigkeit zur Selbstkritik und Selbsterkenntnis.“

(Foto: dapd)
Griechische Schuldenkrise - Papandreou will Referendum
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Die griechische Übertreibung

„Der Grieche sieht, wenn er sich im Spiegel betrachtet, entweder Alexander den Großen, Kolokotronis (Anführer im griechischen Unabhängigkeitskrieg) oder (zumindest) Onassis (berühmter griechischer Reeder). Niemals den Karagiosis (Schattenspielfigur türkischen Ursprungs, verkörpert die Tugenden und Laster des griechischen Untertans, ist hässlich, verschlagen, materialistisch, aber auch witzig und manchmal sogar weise).“

(Foto: dpa)
Greece Financial Crisis
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Die griechische Übertreibung

„Ein Grieche nimmt die Realität prinzipiell nicht zur Kenntnis. Er lebt zweifach über seine Verhältnisse. Er verspricht das Dreifache von dem, was er halten kann. Er weiß viermal so viel wie das, was er tatsächlich gelernt hat. Er zeigt seine Gefühle fünfmal stärker, als er sie wirklich empfindet.“

(Foto: dapd)
The Parthenon of Athens
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Die griechische Übertreibung

„Die Übertreibung ist nicht nur ein nationaler Fehler. Sie ist die Lebensform der Griechen. Sie ist die Konstante ihres Nationalcharakters. Sie ist der Hauptgrund ihres Unglücks, aber auch ihrer Glorie. Weil übertriebenes Selbstwertgefühl Ehrgefühl genannt wird. Übertriebenes Verhalten nennt man Großartigkeit.“

(Foto: dpa)

Durch Steuerhinterziehung verliert der Staat 15 bis 18 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, rund 35 bis 40 Milliarden Euro pro Jahr. „Wenn wir diese Summe um die Hälfte reduzieren, haben wir das Defizitproblem Griechenlands gelöst“, sagt Lekkas.

Das Problem: Alles, was die Griechen tun, dauert. Zu lange, sagt Lekkas. Von 4500 Bankkonten, deren Offenlegung seine Behörde beantragt hat, sind erst 180 Fälle abgeschlossen. Weil die Bürokratie Lekkas und seine 600 Steuerfahnderkollegen lähmt. Die abgeschlossenen Fälle immerhin haben Steuerstrafen in Höhe von 400 Millionen Euro eingebracht. Damit es noch mehr werden, fordert er schnellere Gerichtsverfahren, erfahrenere Juristen, Online-Zugriff auf die Kontobewegungen von Verdächtigen, junges Personal, das sich mit der Technik auskennt.

Lekkas Behörde ist nur eine von vielen, die Neuerungen braucht, um besser arbeiten zu können. Das erschöpfte Land braucht Ideen, braucht Reformen. 

Reformwillen
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27 Kommentare zu "Ortsbesuch: Die Sisyphusarbeit der Griechen"

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  • Betr. Zeus
    Also - ich glaube inzwischen, dass die Redaktion diesen Zeus erfunden hat, um die Klickquote zu erhöhen...
    So einfältig kann doch ein echter Mensch gar nicht sein. Trotzdem: herzlichen Glückwunsch, Redaktion! Gute Idee!

  • Auch wenn der Dokumentarfilm anstrengend ist, zeigt er doch, wie verbrecherisch dieses illegitime Schuldensystem aufgebaut ist.
    Der einzige Ausweg ist die Aufklärung der Völker über die Illigitimität der handelnden Regierungen Europas!
    Sehr guter Film.
    Danke für den Link

  • Der Artikel ist etwas langatmig so viel Zeit habe ich nicht. Wenn GR aus dem Euro austräte, müsse man sich um das Wachstum keine Gedanken mehr machen. GR würde boomen.

    Die langatmigkeit zeigt nur wie schwierig es ist Hoffnung herbeizuschreiben. Die Scheere zwischen uns und GR wird jede einzelne Stunde größer.

    Mit jeder Stunde, die GR auf der Euro-Austritt verzichtet, werden sie nur tiefer in den Abgrund rutschen.

    Es ist ja gerade das Ziel des Euros die PIIGS mittels Export auszubeuten, bis ihr Blut kommt. Und jetzt kommt Blut.

  • @HabeMeinenUrlaubStorniert

    Wie verblendet kann man nur sein!! Das hat Du wohl von deinen Verbrecher-Vorfahren geerbt. Das gilt auch für den Beitrag von ANDRE. Solche inhaltslosen Geister konnten schon immer leicht manipuliert werden. Einfach armselig, so etwas von sich zu geben. Aber zu einer Demokratie gehört es, dass auch diese Äußerungen getätigt werden können. Diese Demokratie wurde von jener Kultur geründet und hat die gesamte westliche Welt maßgeblich geprägt,die Du nun mit deinem ungewaschenen Mund gänzlich beschimpfst. Du solltest um diese Zeit lieber schlafen als im Suff solche Kommentare zu schreiben. NICHTSNUTZ

  • Mir ist unklar, weshalb die Handelsblatt-Redakteure entgegen der offiziellen GR-Notenbank eine so optimistische Äußerung abgeben können. Noch vor 5 Tagen, am 25.4.2012, erschien an dieser Stelle der Wortlaut "Eurokrise 2.0 spitzt sich weiter zu
    Die griechische Wirtschaft wird 2012 noch weiter abstürzen, prognostiziert die Griechische Zentralbank. Ihr Chef, Giorgos Provopoulos, attackiere die Politiker in Athen hart, meint das » Handelsblatt. Provopoulos habe die Regierung zu "entschlossenen Reformen" aufgerufen, denn in den beiden vergangenen Jahren hätten "Nachlässigkeiten und Verzögerungen" die Schuldendynamik beschleunigt." (von mir einkopiert). Wer, bitte, hat wohl mehr Einblick in die tatsächliche GR-Situation? Eine Antwort dazu ist überflüssig.

  • Die ökonomischen und finanzpolitischen Mentalitätsunterschiede zwischen Süd- und Mittel/Nordeuropa sind zu unterschiedlich, als das sie in wenigen Jahren, geschweige denn Generationen angeglichen werden könnten. Mit den laufenden Transferleistungen gibt es keinen ausreichenden Druck auf die Südländer zur Anpassung an die notwendigen ökonomische Realitäten, zum Beispiel die Arbeitsproduktivität spürbar zu steigern. GR 16,50 €/Arbeitsstunde, D 39,60 €/Arbeitsstunde, alles laut OECD. Da liegen Welten dazwischen. Nur als Beispiel. Mentalitäten lassen sich weder mit Sparprogrammen noch mit Krediten und schon gar nicht mit Subventionen verändern, sondern nur mit ökonomischen Zwängen, wie dem Wechselkursmechanismus. Diese Erkenntnis ist überhaupt nicht neu, wird nur vor lauter falscher Solidarität permanent von den Politikern ignoriert. Die EURO-Transferunion ist damit dauerhaft installiert.

  • Wie sich die Geschichte wiederholt! Im Jahre 1832 wird von England und Frankreich, den hauptsächlichen Geldgebern des befreiten Griechenlands, der bayerische Prinz Otto, Sohn von König Ludwig I als erster griechischer König eingesetzt. Er sollte Garant für eine Verwaltung sein, die eine spätere Rückzahlung ermöglicht. Sein Vater schickt ihn mit seinen besten Experten der Verwaltung, einer bayerischen Armee und 60 Millionen Franken los. Der bayerische Architekt Friedrich von Gärtner errichtet den Staatspalast nach Anregungen von Klenze und Schinkel. Wir sehen ihn fast jeden Abend in den Nachrichten, mit dem Kommentator auf dem Syntagma-Platz im Vordergrund und lassen uns von der Fassade auf das klassische Griechenland einstimmen. Doch der bayerische Architekt überlegte sich wohl, wie ein Engländer sich die klassische griechische Architektur vorstellt. Die Griechen wurden nie gefragt. Die hätten lieber eine byzantinische Hagia Sophia (natürlich ohne die später dazugebaute Minarette) gewünscht. Doch in der Regierung Ottos war kein einziger Grieche, nur bayerische Technikraten. Diese erreichten tatsächlich 1842 einen ausgeglichenen Haushalt. Doch schon 1843 revoltierten die im Freiheitskampf gegen die osmanische Herrschaft leiderprobten Griechen gegen die „Bavarokratia“ (Griechischer Orginalton Βαυαροκρατία ) . Otto sprach perfekt Griechisch, aber ob er seine tief in der identitätsgebenden orthodoxen Kirche und im Byzantinismus verwurzelte Landeskinder verstanden hat, darf bezweifelt werden. Hat er die tiefe Menschlichkeit in der einfachen Bevölkerung irgendwann einmal spüren dürfen?
    Es wird Zeit einmal schonungslos die Realität zur Kenntnis zu nehmen.
    Unser Bild von den Griechen liegt zwischen verlogenen Betrügern und gebildeten Kindern von Plato und Alexander dem Großen. Die Krise könnte auch die Chance zu einem realistischen gegenseitigen Verstehen und Neustart in gegenseitiger Wertschätzung werden. Verblendung schafft nur neues Leid.

  • Also nach zwei Jahren Griechenlandkrise und exorbitanten Schuldenberg wird man konfrontiert mit Rentnern, die Probleme in der Arzneimittelversorgung haben. Dies kommt u.a. da es noch offene Rechnungen gab, die nicht bezahlt worden sind. Die Lieferung scheint erfolgt zu sein und der Verkauf höchstwahrscheinlich auch. Jeder regt sich über die Arzneimittelversorgung auf, aber niemand über die Tatsache, dass da ein Haufen Geld vom Tisch gefallen ist. Bis heute beinahe keine Artikel zu diesem Thema, wobei gerade dies für Griechenland wichtig wäre. Will das land eine wirkliche Chance, dann muss man schon schauen, wer was verursacht hat und gegebenenfalls auch mal die legalen Konsequenzen von betrügerischen Handlungen erfahren lassen. Aus diesem Grunde sehe ich auch keine guten Chancen für Griechenland. Wobei ich benachdrücken möchte, dass der Durchschnitssbürger in so einer Gesellschaft wahrscheinlich wenig mitzubestimmen hat. Wie überall, man passt sich an und adaptiert sich an die Umstände. So lange die Umstände gleich bleiben, findet keine neue Ausrichtung statt.

  • Deutschland rettet Griechenland mit Hilfszahlungen und die Griechen verbrennen oeffentlich deutsche Fahnen und spucken in das Essen von deutschen Urlaubern. Nie wieder Urlaub in Griechenland!!!

  • @Andre

    Der durchschnittliche Grieche hat die desaströsen Entwicklungen weder verursacht noch zu verantworten.

    Vielleicht sollten Sie deshalb Ihr Statement nochmals überdenken und Urlaub in privat geführten griechischen Hotels verbringen.

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