Ortsbesuch in Athen Die enttäuschten Griechen

Unser Autor Georgios Kokologiannis spricht mit Athenern über die Griechenland-Krise und die Wahlversprechen von Syriza-Chef Tsipras. Viele machen sich kaum noch Hoffnungen – und sehen auch Fehler bei Kanzlerin Merkel.
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Griechische Bürger in einem Athener Cafe. Viel erwarten sie von Regierungschef Tsipras nicht mehr. Quelle: dpa
Niedergeschlagen

Griechische Bürger in einem Athener Cafe. Viel erwarten sie von Regierungschef Tsipras nicht mehr.

(Foto: dpa)

AthenNur hin und wieder wendet Antonis an diesem strahlend sonnigen Mittag seinen Blick von der vorbeiflanierenden Menge ab, während wir uns vor seiner Taverne im wuseligen Touristenviertel Plaka unterhalten. Sobald einer der ganz besonders sommerlich Gekleideten auch nur den Anschein erweckt, sich nach einem freien Tisch umzuschauen, unterbricht der großgewachsene Endfünfziger unser Gespräch und sagt kurz „signomi“ – Entschuldigung.

Dann prescht er zwei Schritte vor und fragt den potenziellen Gast wie selbstverständlich: „One or two person?“ – und ob man denn lieber drinnen oder draußen zu sitzen gedenke. Überraschend oft hat Antonis mit seiner leicht überrumpelnden Art sogar Erfolg. Dann winkt er einen seiner zwei Mitarbeiter heran und kann sich wieder vorübergehend mir zuwenden.

Georgios Kokologiannis war für das Handelsblatt heute in Athen unterwegs.
Krisenstimmung

Georgios Kokologiannis war für das Handelsblatt heute in Athen unterwegs.

„Wenn die einzige Möglichkeit den Euro zu behalten, wirklich die sein sollte, ein weiteres Sparprogramm verpasst zu bekommen, dann hätten wir auch bei der alten konservativen Regierung bleiben können“, sagt der Gastronom. Sollte Ministerpräsident Alexis Tsipras nichts Besseres einfallen, als am Ende doch nur die Politik seines konservativen Amtsvorgängers Antonis Samaras fortzusetzen, dann seien auch die Tage der amtierenden Regierung gezählt.

Viele Bürger hier am Fuße der Akropolis beurteilen die sich abzeichnende Kompromisslösung im Schuldenstreit zwischen der griechischen Regierung und den internationalen Gläubigerinstitutionen ähnlich ernüchtert: „So erfreulich es ist, dass der Beginn der Spaltung Europas offenbar abgewendet wurde – eine Frage bleibt: Was ist mit den Wahlversprechen der Syriza-Partei von Tsipras?“, kritisiert Stavros.

„Das Einzige, was Tsipras bisher tatsächlich von seinem ‚Thessaloniki-Programm‘ umgesetzt hat: Unser staatlicher Fernsehsender ERT, den die Samaras-Regierung abgestellt hatte, ist wieder in Betrieb. Und die Kündigungen der Putzfrauen in den Athener Behörden wurden wieder rückgängig gemacht“, spöttelt der Jura-Student mit ernster Mine. „Das war es aber auch schon.“

Der Hintergrund: Als richtungsweisend für Tsipras' Pläne galt bisher vor allem seine wirtschaftspolitische Grundsatzrede, die er vergangenen September auf der internationalen Messe in Thessaloniki gehalten hat. Damals versprach der Syriza-Chef, dass Griechenland durch Verhandlungen mit den Geldgebern einen Großteil seiner Schulden loswerden wird.

Außerdem: Ein zwei Milliarden Euro umfassendes Sozialprogramm, ein 6,5-Milliarden-Euro-Paket zur Ankurbelung der Wirtschaft, die Schaffung von 300.000 neuen Arbeitsplätzen im privaten und öffentlichen Sektor und eine Änderungen im Steuersystem. Der Einkommensfreibetrag sollte auf 12.000 Euro angehoben werden, die Immobilienbesitzsteuer wegfallen, der Mindestlohn sollte auf 751 Euro steigen.

„Todesstoß für die griechische Wirtschaft“
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16 Kommentare zu "Ortsbesuch in Athen: Die enttäuschten Griechen"

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  • Tsipras ist sich durchaus bewusst, dass er nicht nachgeben kann, Selbst wenn von ihm gewollt, wie soll er dies durch das Parlament bringen. Das beste wäre halt, wenn GR wieder zur Demokratie zurück kehren würde (hat sie ja angeblich erfunden) sodass die regierende Partei/en min. die Mehrheit der Wähler vertritt. Die derzeit regierenden Perteien können sich lediglich auf ca. 40 % der Wählerstimmen berufen, was vielen gar nicht bewusst zu sein scheint.

  • @herr tasso

    wenn in GR alles so toll ist warum sind Sie dann hier?

    Sie dürfen gerne hier sein, da habe ich nichts dagegen, nur, dann sollte man auch sehen, dass hier so manches besser funktioniert als in GR.

  • Vorschlag: Die Griechen bereinigen ihre Rentnerdatei - soweit vorhanden - um sämtliche Karteileichen, versuchen eine Finanzverwaltung einzuführen, die den Namen auch verdient und schaffen die verfassungsrechtlich abgesicherte Steuerfreiheit ihrer stinkreichen Reeder ab - soviel guten Willen darf man doch erwarten ???

  • Tja, Herr Tsipras, mit leerem Beutel große Sprünge zu machen schafft in der Regel nur ein Känguruh und das hätte er wissen müssen.

  • Derzeitige Begründungsmuster für "Kapitalschwund" klingen heute allerdings so:
    -Selbstverantwortung
    -nicht aufgepasst
    -generationenvertrag (bei fully outsourcing of generationsvertrag)
    -demoskopischer Faktor (als wäre der ein Naturereignis mit dem man nicht rechnen konnte)
    - mit zwei Wörtern: leider geil

  • @Reinhold Epping Sie hören sich so an als ob sie Harz 4 beziehen, den ich durchfüttern muss als Grieche mit meinen Sozialabgaben. Sie haben nichts bezahlt für die Griechen das ist definitiv und wenn ihre Kanzlerin meint das Sie das Risiko der Investitionen ihrer Privatbanken übernehmen muss, ist das ihr Problem, dann wählen sie die Angie einfach nicht.Im übrigen haben sie die Amerikaner locker 400-500 Mrd Euro gekostet und das definitiv aber da hat man schon damals nichts gegen die Amis gehört. Zu guter letzt wir sind Pleite gegangen ohne 100 Millionen Menschen umgebracht zu haben.

  • Ich bin auch enttäuscht, weil sich meine privat bezahlte Altersversorgung aufgrund der Niedrigzinspolitik gerade um -20% pulverisiert und die gesetzten Ziele nicht mehr erreicht werden können. Insofern bin ich auch auf "einem guten Weg", leider nach unten. Die Politikerpensionen tangiert das weniger, die bleiben bei 75%.

    Schönen abend noch.

  • jochen voss:

    Auch wenn ich Sie korrigiere, das war Rolli 2012 und der gute Weg läuft jetzt 3 Jahre.
    Daran sieht man welche präszise Einschätzung unsere Politiker von wirtschaftlichen Sachverhalten haben. Keine. The Show must go on................

  • Ich höre immer noch Herrn juncker und Frau Merkel: Griechenland ist auf einem guten Weg.

  • a) Die Griechen haben jahrzehntelang auf Kosten anderer über ihre Verhältnisse gelebt

    b) Die Griechen haben jahrzehntelang auf Kosten anderer über ihre Verhältnisse gelebt

    c) Die Griechen haben jahrzehntelang auf Kosten anderer über ihre Verhältnisse gelebt

    e) Die Griechen haben jahrzehntelang auf Kosten anderer über ihre Verhältnisse gelebt

    ad infinitum.......

    "Verkauft doch eure Inseln, verdammtes Pack. Haut ab hier!"

    Ja, das ist das Ergebnis des Friedensnobelpreisgekrönten europäischen Einheitsprojekts. Watt is datt doch schön - bei uns zu Hause.

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