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Ortsbesuch Die Sisyphusarbeit der Griechen

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Realitätssinn

Interaktive Infografik

Griechenland: Staatsverschuldung von 2007 bis 2011

in Mrd. Euro


Das neue Griechenland von Gikas Hardouvelis etwa ist realistischer: „Vor sechs Monaten dachten viele Menschen noch, dass die Krise nur von kurzer Dauer ist. Jetzt aber merken sie: Es ist eine permanente Situation.“ Die Menschen haben die Krise unterschätzt, wollten sie vielleicht nicht wahrhaben. „Als die Weltfinanzkrise ausbrach, habe ich davor gewarnt, dass es sieben Jahre der Stagnation geben würde“, sagt der 56-Jährige. „Niemand wollte es hören.“ Doch es kam schlimmer. 2012 wird das vierte Jahr der Rezession für Griechenland sein. Jeder Grieche spürt das mittlerweile.

Schon die alte Regierung um Giorgos Papandreou hatte die Staatsausgaben gekappt, das Rentenalter von 61,3 auf 63,4 Jahre angehoben, das 13. und 14. Monatsgehalt abgeschafft, die Mehrwertsteuer auf 23 Prozent erhöht. Aber an der entscheidenden Stelle hatte sie aufgehört, kritisiert Hardouvelis vor einem halben Jahr. „Sie hat noch nicht die Privilegien der mächtigen Interessengruppen abgeschafft.“

Vor einem halben Jahr, da war Hardouvelis noch Chefökonom der Eurobank. Doch als am 15. November sein Telefon klingelte, war am anderen Ende der Leitung Papademos. Fünf Tage zuvor war er zum neuen Premierminister ernannt worden. Nun bat er Hardouvelis um Hilfe. Die beiden kennen sich gut. Zusammen waren sie Professoren für Ökonomie an der Columbia University; vor der Einführung des Euros haben sie zusammen bei der griechischen Notenbank gearbeitet. Jetzt arbeiten sie zusammen gegen die Krise ihres Landes.

Die Säulen vom Panthenon auf der Akropolis. Quelle: dpa

Die Säulen vom Panthenon auf der Akropolis.

(Foto: dpa)

Ein Allheilmittel gegen all die Missstände im Land hat auch die Regierung Papademos noch nicht gefunden. Jedes Gesetz muss auf seine Effizienz hin überprüft werden und auch jede Institution. Der Weg hinaus aus dieser Lage ist ebenso langwierig wie jener hinein.

Es gibt kaum große Unternehmen, die eine wirkliche Stütze sein könnten, dafür ist der Beamtenapparat völlig aufgebläht, die Bürokratie überbordend, das Beziehungsgeflecht dicht. Im öffentlichen Sektor arbeiten nicht weniger als 700000 Beschäftigte; 30000 Stellen hat der Staat bereits gestrichen, bis zu 150000 sollen es werden. Und eine Untersuchung hat ergeben, dass 78 Prozent der Gesetze aus dem vergangenen Jahr ineffektiv sind. Griechenland muss nicht weniger schaffen als eine komplette Neuorganisation der Wirtschaft.

Da ist etwa die Sache mit der Wettbewerbsfähigkeit. „Die griechischen Unternehmen haben es in der Vergangenheit versäumt, internationale Beziehungen aufzubauen“, sagt Hardouvelis. Wirtschaftlichen Erfolg aber ohne Exporte, das funktioniert nicht. Die griechische Exportquote liegt nur bei rund acht Prozent. In Deutschland sind es mehr als 41 Prozent. Selbst die anderen Krisenstaaten wie Portugal oder Spanien haben mit 25 und 20 Prozent bessere Werte.

Die größten Unternehmen Griechenlands
Deutsche Telekom strebt Kontrolle bei griechischer OTE an
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Auf Platz fünf der umsatzstärksten griechischen Unternehmen landet OTE. Den gleichen Platz belegt die Telekommunikationsgesellschaft beim Börsenwert (1250 Millionen Euro). Der Umsatz liegt bei 5038 Millionen Euro.

(Foto: dpa)
Workers block the headquarters of PPC during their 48-hour strike in Athens
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Die staatliche Stromgesellschaft Public Power nimmt Platz vier ein. Das Unternehmen hat einen Umsatz von 5521 Millionen Euro.

(Foto: Reuters)
Bottles of Coca Cola are seen in a store display in New York
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Mit einem Umsatz von 6854 Millionen Euro landet Coca Cola Bottling auf dem Treppchen der umsatzstärksten griechischen Unternehmen. Auch sonst mischt der Getränkehersteller vorne mit - mit 280 Millionen Euro fährt das Unternehmen den dritthöchsten Gewinn Griechenlands ein. Mit dem Börsenwert von 12.631 Millionen Euro führt Coca Cola Bottling dieses Ranking sogar an.

(Foto: Reuters)
Smoke rises from the chimneys of an oil refinery near Corinth town
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Mit 7803 Millionen Euro Umsatz landet Motor Oil auf dem zweiten Platz der umsatzstärksten Unternehmen in Griechenland. Mit einem Nettogewinn von 144 Millionen Euro landet Motor Oil hier immer noch auf dem fünften Platz.

(Foto: Reuters)
A general view of the Hellenic Petroleum refineries is seen at Aspropyrgos town
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Mit einem Umsatz von 8948 Millionen Euro landet Hellenic Petroleum auf Platz eins. Auch beim Nettogewinn landet das Unternehmen mit 166 Millionen vor Motor Oil - allerdings nur auf Platz vier im Landesvergleich. Den gleichen Platz erreicht Hellenic Petroleum mit 1757 Millionen Euro beim Börsenwert.

(Foto: Reuters)
Volkswagen verdoppelt Gewinn
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Zusammen kommen alle fünf Unternehmen auf einen Umsatz von 34.164 Millionen Euro. Zum Vergleich: Deutschlands Spitzenreiter Volkswagen erreicht alleine einen Umsatz von 159.000 Millionen Euro.

(Foto: dpa)

Welche Branchen die künftigen Stützen der griechischen Wirtschaft sein können, das vermag Hardouvelis, der nach der Wahl wieder als Wirtschaftsprofessor arbeiten will, nicht zu prognostizieren. Energie gehöre sicher dazu, auch der Tourismus. Der allerdings, sagt er, sei kein einfacher Sektor. Denn die Touristen kommen nur, wenn sie das Land sympathisch finden.

Die vielen negativen Schlagzeilen und Bilder über das Land bewirken jedoch das Gegenteil. Wütende Demonstranten, träge Bewohner, aggressive Kriminelle. Nur noch 18,8 Prozent der Deutschen erwägen einen Griechenland-Urlaub in den nächsten drei Jahren. 2010 waren es noch 23,3 Prozent.

Optimismus
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27 Kommentare zu "Ortsbesuch: Die Sisyphusarbeit der Griechen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.


  • Betr. Zeus
    Also - ich glaube inzwischen, dass die Redaktion diesen Zeus erfunden hat, um die Klickquote zu erhöhen...
    So einfältig kann doch ein echter Mensch gar nicht sein. Trotzdem: herzlichen Glückwunsch, Redaktion! Gute Idee!

  • Auch wenn der Dokumentarfilm anstrengend ist, zeigt er doch, wie verbrecherisch dieses illegitime Schuldensystem aufgebaut ist.
    Der einzige Ausweg ist die Aufklärung der Völker über die Illigitimität der handelnden Regierungen Europas!
    Sehr guter Film.
    Danke für den Link

  • Der Artikel ist etwas langatmig so viel Zeit habe ich nicht. Wenn GR aus dem Euro austräte, müsse man sich um das Wachstum keine Gedanken mehr machen. GR würde boomen.

    Die langatmigkeit zeigt nur wie schwierig es ist Hoffnung herbeizuschreiben. Die Scheere zwischen uns und GR wird jede einzelne Stunde größer.

    Mit jeder Stunde, die GR auf der Euro-Austritt verzichtet, werden sie nur tiefer in den Abgrund rutschen.

    Es ist ja gerade das Ziel des Euros die PIIGS mittels Export auszubeuten, bis ihr Blut kommt. Und jetzt kommt Blut.

  • @HabeMeinenUrlaubStorniert

    Wie verblendet kann man nur sein!! Das hat Du wohl von deinen Verbrecher-Vorfahren geerbt. Das gilt auch für den Beitrag von ANDRE. Solche inhaltslosen Geister konnten schon immer leicht manipuliert werden. Einfach armselig, so etwas von sich zu geben. Aber zu einer Demokratie gehört es, dass auch diese Äußerungen getätigt werden können. Diese Demokratie wurde von jener Kultur geründet und hat die gesamte westliche Welt maßgeblich geprägt,die Du nun mit deinem ungewaschenen Mund gänzlich beschimpfst. Du solltest um diese Zeit lieber schlafen als im Suff solche Kommentare zu schreiben. NICHTSNUTZ

  • Mir ist unklar, weshalb die Handelsblatt-Redakteure entgegen der offiziellen GR-Notenbank eine so optimistische Äußerung abgeben können. Noch vor 5 Tagen, am 25.4.2012, erschien an dieser Stelle der Wortlaut "Eurokrise 2.0 spitzt sich weiter zu
    Die griechische Wirtschaft wird 2012 noch weiter abstürzen, prognostiziert die Griechische Zentralbank. Ihr Chef, Giorgos Provopoulos, attackiere die Politiker in Athen hart, meint das » Handelsblatt. Provopoulos habe die Regierung zu "entschlossenen Reformen" aufgerufen, denn in den beiden vergangenen Jahren hätten "Nachlässigkeiten und Verzögerungen" die Schuldendynamik beschleunigt." (von mir einkopiert). Wer, bitte, hat wohl mehr Einblick in die tatsächliche GR-Situation? Eine Antwort dazu ist überflüssig.

  • Die ökonomischen und finanzpolitischen Mentalitätsunterschiede zwischen Süd- und Mittel/Nordeuropa sind zu unterschiedlich, als das sie in wenigen Jahren, geschweige denn Generationen angeglichen werden könnten. Mit den laufenden Transferleistungen gibt es keinen ausreichenden Druck auf die Südländer zur Anpassung an die notwendigen ökonomische Realitäten, zum Beispiel die Arbeitsproduktivität spürbar zu steigern. GR 16,50 €/Arbeitsstunde, D 39,60 €/Arbeitsstunde, alles laut OECD. Da liegen Welten dazwischen. Nur als Beispiel. Mentalitäten lassen sich weder mit Sparprogrammen noch mit Krediten und schon gar nicht mit Subventionen verändern, sondern nur mit ökonomischen Zwängen, wie dem Wechselkursmechanismus. Diese Erkenntnis ist überhaupt nicht neu, wird nur vor lauter falscher Solidarität permanent von den Politikern ignoriert. Die EURO-Transferunion ist damit dauerhaft installiert.

  • Wie sich die Geschichte wiederholt! Im Jahre 1832 wird von England und Frankreich, den hauptsächlichen Geldgebern des befreiten Griechenlands, der bayerische Prinz Otto, Sohn von König Ludwig I als erster griechischer König eingesetzt. Er sollte Garant für eine Verwaltung sein, die eine spätere Rückzahlung ermöglicht. Sein Vater schickt ihn mit seinen besten Experten der Verwaltung, einer bayerischen Armee und 60 Millionen Franken los. Der bayerische Architekt Friedrich von Gärtner errichtet den Staatspalast nach Anregungen von Klenze und Schinkel. Wir sehen ihn fast jeden Abend in den Nachrichten, mit dem Kommentator auf dem Syntagma-Platz im Vordergrund und lassen uns von der Fassade auf das klassische Griechenland einstimmen. Doch der bayerische Architekt überlegte sich wohl, wie ein Engländer sich die klassische griechische Architektur vorstellt. Die Griechen wurden nie gefragt. Die hätten lieber eine byzantinische Hagia Sophia (natürlich ohne die später dazugebaute Minarette) gewünscht. Doch in der Regierung Ottos war kein einziger Grieche, nur bayerische Technikraten. Diese erreichten tatsächlich 1842 einen ausgeglichenen Haushalt. Doch schon 1843 revoltierten die im Freiheitskampf gegen die osmanische Herrschaft leiderprobten Griechen gegen die „Bavarokratia“ (Griechischer Orginalton Βαυαροκρατία ) . Otto sprach perfekt Griechisch, aber ob er seine tief in der identitätsgebenden orthodoxen Kirche und im Byzantinismus verwurzelte Landeskinder verstanden hat, darf bezweifelt werden. Hat er die tiefe Menschlichkeit in der einfachen Bevölkerung irgendwann einmal spüren dürfen?
    Es wird Zeit einmal schonungslos die Realität zur Kenntnis zu nehmen.
    Unser Bild von den Griechen liegt zwischen verlogenen Betrügern und gebildeten Kindern von Plato und Alexander dem Großen. Die Krise könnte auch die Chance zu einem realistischen gegenseitigen Verstehen und Neustart in gegenseitiger Wertschätzung werden. Verblendung schafft nur neues Leid.

  • Also nach zwei Jahren Griechenlandkrise und exorbitanten Schuldenberg wird man konfrontiert mit Rentnern, die Probleme in der Arzneimittelversorgung haben. Dies kommt u.a. da es noch offene Rechnungen gab, die nicht bezahlt worden sind. Die Lieferung scheint erfolgt zu sein und der Verkauf höchstwahrscheinlich auch. Jeder regt sich über die Arzneimittelversorgung auf, aber niemand über die Tatsache, dass da ein Haufen Geld vom Tisch gefallen ist. Bis heute beinahe keine Artikel zu diesem Thema, wobei gerade dies für Griechenland wichtig wäre. Will das land eine wirkliche Chance, dann muss man schon schauen, wer was verursacht hat und gegebenenfalls auch mal die legalen Konsequenzen von betrügerischen Handlungen erfahren lassen. Aus diesem Grunde sehe ich auch keine guten Chancen für Griechenland. Wobei ich benachdrücken möchte, dass der Durchschnitssbürger in so einer Gesellschaft wahrscheinlich wenig mitzubestimmen hat. Wie überall, man passt sich an und adaptiert sich an die Umstände. So lange die Umstände gleich bleiben, findet keine neue Ausrichtung statt.

  • Deutschland rettet Griechenland mit Hilfszahlungen und die Griechen verbrennen oeffentlich deutsche Fahnen und spucken in das Essen von deutschen Urlaubern. Nie wieder Urlaub in Griechenland!!!

  • @Andre

    Der durchschnittliche Grieche hat die desaströsen Entwicklungen weder verursacht noch zu verantworten.

    Vielleicht sollten Sie deshalb Ihr Statement nochmals überdenken und Urlaub in privat geführten griechischen Hotels verbringen.

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