Ost-Ghuta Syrische Rebellen-Enklave steht unter massivem Beschuss

Der Bürgerkrieg in Syrien eskaliert, aus einem Rebellengebiet kommen dramatische Bilder. Die Bundesregierung fordert Russland und Iran auf, die syrischen Angriffe zu stoppen.
Update: 21.02.2018 - 15:02 Uhr 7 Kommentare

Katastrophale Situation in Damaskus – die Spuren von drei Jahren Krieg

Katastrophale Situation in Damaskus – die Spuren von drei Jahren Krieg

Ankara/Berlin/BeirutIn Vorbereitung einer Bodenoffensive haben regierungstreue Truppen ihre schweren Angriffe auf die syrische Rebellen-Enklave Ost-Ghuta am Mittwoch unvermindert fortgesetzt. Nach einer kurzen Kampfpause in der Nacht habe der Beschuss mit Raketen und die Bombardierung des Gebiets im Umland der Hauptstadt Damaskus am Morgen wieder zugenommen, teilte die der Opposition nahestehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Dabei seien aus Hubschraubern auch Fassbomben abgeworfen worden. Die Zahl der Toten des nunmehr dreitägigen Bombardements sei auf mindestens 296 gestiegen.

Syrien seinerseits meldete Beschuss aus dem Rebellengebiet. In der Grenzregion Afrin griff die türkische Luftwaffe nach Angaben der syrischen Kurdenmiliz YPG eine Stadt an. Zudem beschossen sich beide Seiten.

Die am Sonntag begonnenen Bombardements von Ost-Ghuta sind Teil einer seit einigen Monaten verstärkten Kriegsführung an mehreren Fronten, mit der von Russland unterstützte Präsident Baschar al-Assad den Sieg in dem fast siebenjährigen Bürgerkrieg erzwingen will. Sie gehören zu den massivsten Angriffen seit Kriegsbeginn. Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden Hunderte Raketen abgefeuert sowie Fassbomben über Städte und Dörfer der Enklave abgeworfen. „Wir warten nur darauf, bis wir an der Reihe sind zu sterben“, sagte ein Einwohner.

Ein Kommandeur der Allianz aus Regierungstruppen und verbündeten Milizen erklärte, mit der Bombardierung solle Beschuss von Damaskus aus dem Rebellengebiet heraus unterbunden werden. Zudem bereite man damit eine Bodenoffensive vor. „Die Offensive hat noch nicht begonnen. Das ist vorbereitende Bombardierung“, sagte der Kommandeur zu Reuters.

Laut staatlichen Medien schlugen in Damaskus aus dem Rebellengebiet abgefeuerte Granaten ein und verletzten am Mittwoch zwei Menschen. Am Dienstag seien durch ähnlichen Beschuss mindestens sechs Menschen getötet worden. Nach russischen Angaben wurde ein Beobachtungszentrum für den Waffenstillstand getroffen.

Die Bundesregierung forderte Russland und Iran auf, die syrische Regierung bei ihren Angriffen auf Rebellen und Zivilisten zu bremsen. „Man muss sich fragen: Wo sind Russland, wo ist Iran“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Ohne diese Länder wäre Machthaber Baschar al-Assad militärisch gar nicht da, wo er sei. Ohne die Unterstützung hätte er auch mehr Verhandlungsbereitschaft zeigen müssen. Assad führe keinen Kampf gegen Terroristen, sondern einen Feldzug gegen die eigene Bevölkerung.

Besorgt zeigte sich die Bundesregierung auch über die Angriffe der Türkei in Nordsyrien gegen die Kurdenmiliz YPG. „Wir fordern die Türkei auf, zu einer Deeskalation beizutragen“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes an die Adresse des Nato-Partners. Der beste Beitrag dazu wäre eine Beendigung der Operation.

Ost-Ghuta ist das letzte größere von Rebellen kontrollierte Gebiet nahe der Hauptstadt Damaskus. In dem seit 2013 von Regierungstruppen eingeschlossen Gebiet leben 400.000 Menschen. Die Vereinten Nationen (UN) haben eine Feuerpause gefordert und die jüngsten Angriffe, bei denen auch Krankenhäuser und zivile Einrichtungen zerstört wurden, aufs Schärfste verurteilt. Solche Angriffe könnten als Kriegsverbrechen eingestuft werden, erklärten die UN. Die syrische Armee und Russland haben erklärt, keine Zivilisten ins Visier zu nehmen. Zudem bestritten sie den Einsatz von Fassbomben, die wegen ihrer verheerenden Sprengkraft und Splitterwirkung von den UN geächtet sind.

Unterdessen setzte die Türkei ihre Angriffe auf die zum größten Teil von der kurdischen YPG-Miliz kontrollierte Region Afrin fort. Auch die wichtigste Stadt in der Region sei dabei Ziel gewesen, teilte die Beobachtungsstelle mit. Am Mittwoch flog die türkische Luftwaffe nach Angaben der Kurdenmiliz Angriffe auf eine Stadt. Ein YPG-Vertreter und ein Kommandeur der nach Afrin eingerückten regierungstreuen schiitischen Milizen wiesen türkische Darstellungen zurück, sie seien nach Angriffen der Türkei und ihrer verbündeten syrischen Rebellen auf dem Rückzug. Vielmehr habe man das Feuer gegen die von der Türkei unterstützten Rebellen erwidert.

Der türkische Präsidialamtssprecher Ibrahim Kalin wiederholte die Drohung gegen Syrien wegen dessen Unterstützung der YPG, die von der Türkei als verlängerter Arm der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK bekämpft wird. Jedwede Unterstützung der „YPG-Terrororganisation bedeutet, dass sie direkt Partei für terroristische Organisationen ergreifen und daher legitime Ziele für uns werden“, sagte Kalin.

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7 Kommentare zu "Ost-Ghuta: Syrische Rebellen-Enklave steht unter massivem Beschuss"

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  • Solange die EU+USA+Nato weiter die Terroristen in Laendern wie Syrien finanzieren+unterstuetzen,begleitet von Massnahmen wie Sanktionen,bleibt der Krieg in Syrien und leidet die Bevoelkerung

  • Ich bin auch beunruhigt, wenn es nach so Leutchen wie Sabrina D. geht, sind die bald alle bei uns!

  • Die Türkei mit Diktator Erdogan führt einen Angriffskrieg gegen Syrien. Es gab und gibt keine rechtliche Grundlage für die Türkei in Syrien einzumaschieren. Da die Türkei die Region um Afrin die Zivilbevölkerung bombardiert, begeht die Türkei Völkermord. Die NATO schaut tatenlos zu oder legitimiert das Bombardement. Deutsch Panzer töten in Syrien und Frau Merkel kuscht vor Erdogan, kein Widerspruch, auch nicht zu dem türkischen Vorschlag oder ist das eine Anweisung an Frau Merkel, die Türkei beim Bau von 1000 Panzern zu unterstützen. Wenn Russland oder Assad eine Rebellenhochburg bombardieren heult der gesamte Westen im Chor auf und fordert die sofortige Einstellung der Angriffe oder verhängt Sanktionen. Haben wir zum türkischen Angriffskrieg schon was was vom Westen gehört. NEIN! Wie Abgrundtief diese verlogenen Politik ist sieht man an diesem Verhalten.

  • Die Vereinten Nationen sind beunruhigt.

    Dieser Schwätzerverein soll was tun, dafür werden sie hoch genug bezahlt. Nur eine bedenkliche Miene aufsetzen ist keinesfalls zielführend.

  • Es wird Zeit das auch in der EU aufgeräumt wird, hier sind die selben Leute tätig, nur eben als Gäste getarnt.

  • Islamistische Milizen zusammenschießen finde ich absolut legitim. Würde jedes andere Land auch so machen. Und wieso man die Invasion der Türkei nach Syrien als Bürgerkrieg definiert, leuchtet mir gar nicht ein.

  • Mein Gott, da muss man doch helfen.

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