Osteuropa-Experte im Interview „Russland hat kein Interesse an Krieg“

Russlands Präsident Putin setzt im Krim-Konflikt auf Konfrontation. Im Interview erklärt Osteuropa-Experte Stefan Meister, welche Ziele Russland damit verfolgt – und wie der Westen darauf reagieren sollte.
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Russlands Präsident Vladimir Putin: "Allein aus innenpolitischen Gründen muss er darauf achten, dass die Situation nicht eskaliert." Quelle: dpa

Russlands Präsident Vladimir Putin: "Allein aus innenpolitischen Gründen muss er darauf achten, dass die Situation nicht eskaliert."

(Foto: dpa)

Droht ein Krieg auf der Krim?
Das ist unwahrscheinlich. Russland hat kein Interesse an Krieg. Wladimir Putin wurde von der Entwicklung in der Ukraine überrollt. Jetzt setzt Putin die Krim als Faustpfand ein, um den russischen Einfluss auf die Ukraine zu wahren.

Welches Ziel verfolgt er?

Die Russen sind sehr professionell vorgegangen. Sie wollen ein Referendum über den Status der Krim herbeiführen. Die Krim könnte dann unabhängig werden oder sie wird an Russland angegliedert. Damit hätten die Russen einen Hebel, um einen EU- oder Nato-Beitritt der Ukraine zu verhindern.

Stefan Meister ist Russland-Experte des Think-Tanks European Council on Foreign Relations (ECFR).

Stefan Meister ist Russland-Experte des Think-Tanks European Council on Foreign Relations (ECFR).

Wie schätzen sie die Gefahr ein, dass der Konflikt weiter eskaliert?

Das hängt stark davon ab, ob sich Kiew provozieren lässt. Wenn dort die Nationalisten Oberwasser bekommen,  könnte sich der Konflikt ausweiten. Allerdings ist die Krim ein Sonderfall. Sie gehört erst seit den 50er Jahren zur Ukraine und es gibt eine russische Bevölkerungsmehrheit. In der restlichen Ukraine – auch im Osten des Landes – ist das anders.

Wie lässt sich der Konflikt lösen?

Der Westen muss auf allen Ebenen mit Russland reden. Eine Internationalisierung des Konfliktes unter Einbindung Russlands könnte die Situation entschärfen.

Muss der Westen nicht Druck ausüben?

Auf jeden Fall! Für Putin ist die Ukraine ein Präzedenzfall. Es geht um eine massive Machtdemonstration gegenüber den früheren Sowjetrepubliken. Das kann der Westen so nicht hinnehmen. Er muss eine rote Linie geben, Sanktionen sollten nicht ausgeschlossen werden  

Kann er das überhaupt?

Ich glaube schon. Für Putin ist die internationale Anerkennung wichtig. Wenn der Westen den G8-Gipfel in Sotschi absagt, würde ihn das treffen. Die krasse Reaktion an der Moskauer Börse zeigt außerdem, dass Russland auch wirtschaftlich anfällig ist. Allein schon aus innenpolitischen Gründen hat Putin ein Interesse daran, dass die Situation nicht eskaliert.

Kann Putin aufgehalten werden?

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9 Kommentare zu "Osteuropa-Experte im Interview: „Russland hat kein Interesse an Krieg“ "

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  • Panzer sind was für Analphabeten
    Eine gewisse Parallelität zu den Zeiten des Münchner Abkommens 1938 ist schon sichtbar. Erst waren Volksgenossen in Gefahr und dann im Ergebnis über 50 Millionen Menschen tot. Soweit darf man es nicht kommen lassen. Was für legitime Interessen hat denn bitte schön ein Land in einem anderen? Das ist das Gegenteil von Souveränität. Alle Demokratien müssen dem Rußland unter Putin die Drähte kappen, bis man dort versteht, daß Größe, Sicherheit und Wohlstand mit intelligenten, marktfähigen Produkten zu tun haben, mit Freiheit und Bürgerrechten. Auch wenn unserem windelweichen Außenminister dadurch seine diplomatischen Türchen zugehen sollten, hilft im Falle der Krimkrise nur die wirtschaftliche Isolation Rußlands. Es ist schon eine Schande, daß Putin im Jahre 2014 auf dem Niveau von Panzern argumentieren darf. Diese im Kern mittelalterlichen Eisenklopse können zwar eine begrenzte Zeit eine alte Macht erhalten, aber nicht gegen echte Wünsche, Ideen und ökonomische Bedürfnisse der Völker anstinken.
    Millionen Menschen sind nicht deshalb 2 Jahrhunderte lang in die USA eingewandert, weil sie von dort gezwungen wurden. Es war eine Abstimmung mit den Füßen gegen feudale Absolutismen und für ökonomische Entfaltungsfreiheit. Natürlich hatte und hat! die amerikanische Entwicklung auch rohe, ungerechte Aspekte, aber im System steckt die Fähigkeit zur ständigen Erneuerung. Wer pfuscht, korrupt ist, betrügt oder versagt, der fliegt und wird durch einen zeitweilig Besseren verdrängt. So geht das ständig. Soll doch Putin sein Rußland zu einem Vorbild machen, wohin die Leute ziehen wollen, weil sie dort bessere Lebensmöglichkeiten haben, weil dort kreative Kräfte was bewegen können. Dazu müßte sich dieses Land von seinen postsozialistisch-feudalen Fesseln befreien, die es bis in jede Faser seiner Gesellschaft durchziehen. Diese Vorbildwirkung ist langfristig x-mal stärker als alle Panzer. Panzer sind was für politisch rückwärtsgewandte Analphabeten.

  • Er hat ein schweres Erbe angetreten und die Täter sitzen auch in der Ukraine. Immer schön bei der Wahrheit bleiben.

  • [b]Warlord Putin rührt die Kriegstrommel.[/b}
    --------

    Er hat den ukrainischen Streitkräften auf der Krim ein Ultimatum bis morgen Früh um 05:00Uhr gestellt. Sollte die Ukraine nicht darauf eingehen, gibt es Krieg.
    Warlord Putin begründet das mit dem Schutz der russischen Bevölkerung auf der Krim und der Ostukraine.

  • Putin ist ein knallharter Stratege, der zur Durchsetzung der russischen Interessen auch skrupellos sein kann. Ihm gegenüber steht mit Obama einer der schwächeren US-Präsidenten, der seit seinem Umfallen in der Syrienkrise außenpolitisch kaum noch ernst genommen wird. Obama will auf keinen Fall in eine kriegerische Auseinandersetzung hineingezogen werden. Um bei den Ukrainern in dieser Hinsicht keine Hoffnung zu wecken, formuliert er wachsweich und eiert herum. Auch die EU ist uneins und außenpolitisch schwach wie eh und je. Sanktionen gegen Russland hätten nur gewirkt, wenn Sie sofort wirksam umgesetzt worden wären. So holt sich Putin scheibchenweise, was er will. Inzwischen ist die Invasion auf der Krim durch Russland praktisch abgeschlossen. Jetzt wird Putin daran gehen, den Osten der Ukraine zu destabilisieren, um einen Grund zu haben, dort einzugreifen zu können und dann die Ukraine zu teilen. Krim und die östliche Ukraine werden wohl der russischen Föderation einverleibt. Ein bitteres Schicksal für all die Ukrainer, die sich ihrer Revolution angeschlossen haben, um eine westlich orientierte, demokratische Ukraine zu schaffen... und eine Warnung an die, die (noch) an den Westen glauben.

  • der einzige, der überrollt war, ist der Westen :-)))

  • richig!

  • Putin macht alles richtig. Warum erregt man sich so sehr? Was ist der Grund? Krim ist seit 200 Jahren russich, in drei Kriegen gegen Türkei erobert. Das ukrainisch-stammiger Hruschev Krim an Ukraine "geschenkt" hat war ein historischer Fehler, den Putin gerade korrigiert.

  • Zitat : Ich glaube schon. Für Putin ist die internationale Anerkennung wichtig. Wenn der Westen den G8-Gipfel in Sotschi absagt, würde ihn das treffen.

    Nach dem es nun auch G20 Treffen gibt, könnte man getrost die Show-Veranstaltung um den G8-Gipfel abschaffen….und Putin Weiß das auch ! Die Amis werden es auch nicht schaffen, Russland von der restlichen Welt zu isolieren…….das ist eine märchenhafte Vorstellung !

    Wenn das das einzige Instrumentarium sein sollte, das die Amis gegen die Russen vorzuweisen haben, sollten sie besser die Klappe halten und sich aus Sachen Europa raushalten ! Sonst ziehen die Russen noch ihre Gelder, die sie in den Dollar angelegt haben, zurück !

    Und das ist bei weitem ein stärkerer Hebel, als die bankrotten Amis vorweisen können !

  • ..Wladimir Putin wurde von der Entwicklung in der Ukraine überrollt. ...

    Falsch, wurde nicht übberrollt.

    Schuld waren die Oympischen Winterspiele. Er konnte nicht eingreifen. Das war seine Achillesferse.

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