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Ostseepipeline Russland will Nord Stream 2 mit eigenem Spezialschiff fertigstellen

Russlands Präsident Wladimir Putin ist bei der Suche nach einer Lösung für die baldige Fertigstellung der Ostseepipeline offenbar fündig geworden.
26.12.2019 Update: 26.12.2019 - 14:35 Uhr 5 Kommentare
Hat angeblich ein eigenes Spezialschiff zur Fertigstellung von Nord Stream 2 aufgetan. Quelle: AP
Wladimir Putin

Hat angeblich ein eigenes Spezialschiff zur Fertigstellung von Nord Stream 2 aufgetan.

(Foto: AP)

Moskau Russland will die von einem Baustopp betroffene Ostseepipeline Nord Stream 2 aus eigener Kraft bald fertigstellen. „Wir haben die Möglichkeit, sie mit eigenen Mitteln zu Ende zu bauen“, sagte der russische Energieminister Alexander Nowak am Donnerstag der Agentur Interfax zufolge. Die US-Sanktionen könnten das nicht verhindern.

Das Projekt sei zu 94 Prozent fertig. Es fehlten noch rund 160 Kilometer an Röhren, damit die Leitung mit zwei Strängen von insgesamt 2400 Kilometern vollständig sei. Die Schweizer Firma Allseas, die mit Spezialschiffen Rohre in der Ostsee verlegt hatte, stellte ihre Arbeiten wegen der US-Sanktionen ein.

Das Projekt soll in absehbarer Zeit vollendet sein, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag. Russland habe selbst die Kraft dazu. Nach einem Bericht der Zeitung „Kommersant“ hatte der russische Präsident Wladimir Putin am Vortag bei einem Treffen mit russischen Unternehmern betont, dass die Sanktionen nicht störten und für den Fertigbau ein eigenes Verlegeschiff genutzt werde.

Die USA warnen vor einer zu großen Abhängigkeit der EU von russischem Gas. Sie wollen das Projekt verhindern und haben deshalb Sanktionen dagegen erlassen. Die Leitung Nord Stream 2 kostet rund zehn Milliarden Euro. Der im Auftrag des Konsortiums Nord Stream 2 für die Verlegung der Leitung bislang verantwortliche schweizerisch-niederländische Konzern Allseas hatte seine Arbeit deswegen gestoppt.

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    Am ehesten sei es wohl möglich, die „Akademik Tscherski“ aus dem äußersten Osten Russlands in die Ostsee zu bringen, berichtete die Staatszeitung „Rossijskaja Gaseta“ am Dienstag. Das Schiff könne erst in einem Monat dort sein. Im Internet abrufbare Schiffsradare zeigten die „Akademik Tscherski“ zuletzt im fernöstlichen Hafen Nachodka im Japanischen Meer. Das vor Rügen liegende Schiff „Fortuna“ ist nach russischen Angaben zwar in ufernahen Zonen einsetzbar, aber nicht in den Ostsee-Tiefen.

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    Die von den Sanktionen verursachten Mehrkosten für den Fertigbau bezifferten Moskauer Analysten in der Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ auf einen zwei- bis dreistelligen Millionenbetrag. Der Bau verzögert sich nach russischen Regierungsangaben um mehrere Monate. Ursprünglich sollte die Leitung Ende dieses Jahres fertig sein.

    Die USA führten mit ihren Sanktionen einen „Wirtschaftskrieg“, sagte die Chefin des russischen Föderationsrates, Valentina Matwijenko. Es sei absurd, dass das Land gegen ein Infrastrukturprojekt in Europa vorgehen könne. Die russische Vize-Außenminister Sergej Rjabkow bekräftigte, dass Russland mit Gegenmaßnahmen auf die US-Sanktionen reagieren werde. Denkbar seien etwa russische Einreiseverbote für Amerikaner, die Sanktionen gegen Russland vorantrieben. US-Firmen, die in Russland tätig seien, sollten aber verschont bleiben.

    Russland hofft zudem auf Unterstützung der EU. Die EU habe ein Interesse an der eigenen Energiesicherheit zu akzeptablen Preisen, sagte Vize-Regierungschef Dmitri Kosak dem russischen Staatsfernsehen am Mittwoch. Das russische Pipeline-Gas sei 30 Prozent günstiger als das Flüssiggas aus den USA, sagte er. „Wir sind überzeugt, dass wir das Problem in Zusammenarbeit mit den europäischen Ländern - mit der EU - lösen und einen Kompromiss finden können“, sagte Kosak. Es handele sich um ein „wirtschaftliches Projekt“ im Interesse Europas.

    Mehrere EU-Staaten, darunter Polen, und die Ukraine sind gegen Nord Stream 2, weil sie einen zu starken Einfluss Russlands befürchten auf dem Energiemarkt. Sie unterstützen deshalb die US-Position. Russland will mit der Pipeline vor allem unabhängiger werden vom Transit über das Festland, weil es dort mit Staaten verhandeln und Gebühren für die Durchleitung des Gases nach Europa bezahlen muss.

    Bislang ist die Ukraine das wichtigste Transitland. Weil Nord Stream 2 auf eine Kapazität von 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr ausgelegt ist, wird sie künftig deutlich weniger Gas für den Transit erhalten und weniger verdienen. Bis Freitag soll der neue Transitvertrag zwischen dem russischen Staatskonzern Gazprom und dem ukrainischen Energieversorger Naftogaz unterschriftsreif sein.

    Mehr: Nord Stream 2 – Am Ende einer Eskalation stehen nur Verlierer. Ein Kommentar.

    • dpa
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    5 Kommentare zu "Ostseepipeline: Russland will Nord Stream 2 mit eigenem Spezialschiff fertigstellen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wer sieht die USA eigentlich noch als Partner? Diese Sanktionen sind purer Wirtschafts-Imperialismus! Die NSA sitzt hier in vielen Computern - nicht nur auf dem Handy der Kanzlerin, und was macht die Regierung? Schmeißt sich den Amerikanern noch in die Arme!
      Wird Zeit dass hier mal so protestiert wird wie in Frankreich!

    • Unsere GroKo-Regierung beginnt jetzt zu denken. Dabei ist das Problem sei Jahren bekannt und hätte eine schnelle Antwort verlangt. Wer seine und seine für ihn abreitenden Firmen aus den Nachbarstaaten so sehr dem Willen der USA überlässt, der braucht sich nicht zu wundern, wenn diese sich im Zweifel wie etwa bei Embargo gegen den Iran nach Washington richten. Damit erweisen sich die gesamte EU, und hier vor allem Deutschland mit seiner „mächtigsten“ Frau, zur internationale Lachnummer, bar jeder Souveränität.

    • "Man muß wieder mehr eigenständig und unabhängig werden in Planung und Ausführung."

      Man muß vor allem so autark wie möglich sein - und schon gar nicht darf man sich auf Partner verlassen, die sich dann als "falsche Feunde" herausstellen. In der BRD wird man das leider erst in der Not erkennen, wenn man nicht mehr großzügig deutsche Steuergelder ans Ausland verschenken und nicht mehr als "Weltsozialamt" fungieren kann. Ich befürchte, es werden ganz, ganz wenige echte Freunde übrig bleiben.
      Und bei der Energieversorgung der BRD heißt Autarkie so weit wie möglich eben nicht alle AKW´s und Kohlekraftwerke abschalten und Erdgas vor allem aus Russland importieren (oder bei Sanktionen noch teureren Fracking-Müll aus Amiland kaufen müssen), sondern selber wieder die Bagger rausholen!!

    • Das ist die Lösung auch für andere Projekte in der Zukunft. Die internationale Zusammenarbeit funktioniert nicht mehr zuverlässig in Zeiten der großen Egoisten. Man muß wieder mehr eigenständig und unabhängig werden in Planung und Ausführung.

    • Kein Problem - Nordstream 2 waere sowieso nicht rechtzeitig fertig geworden um noch in
      diesem Winter Gas zu liefern. Wenn Gazprom ein eigenes Schiff einsetzt, glaube ich nicht,
      dass die Kosten steigen - die Schweizer von Allseas sind kein Billig-Anbieter.

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