Ostseepipeline Schröder vermutet US-Interessen hinter Widerstand gegen Nord Stream 2

Nicht aus Solidarität mit der EU, sondern aus Eigennutz würden die USA die Ostseepipeline verhindern, sagte der Altkanzler bei einem Wirtschaftsforum.
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Gerhard Schröder: USA verhindern Ostseepipeline Nord Stream 2 Quelle: dpa
Gerhard Schröder

Der Altkanzler ist Präsident des Verwaltungsrates von Nord Stream 2.

(Foto: dpa)

BerlinDer frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder vermutet Konkurrenzinteressen hinter dem Widerstand von EU und USA gegen die geplante Ostseepipeline Nord Stream 2. „Der Verdacht drängt sich auf, dass die USA nicht aus Solidarität mit einigen europäischen Ländern, sondern aus eigensüchtigen Interessen versuchen, Nord Stream 2 zu verhindern.“ Das sagte Schröder als Präsident des Verwaltungsrates von Nord Stream 2 am Freitag beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg.

Zuletzt hatte die polnische Kartellbehörde erklärt, dass man gegen den russischen Gaskonzern Gazprom sowie die fünf an der Finanzierung von Nord Stream 2 beteiligten europäischen Unternehmen – Shell, Wintershall, Uniper, OMV und Engie – ein Verfahren einleiten werde.

Aus Sicht Polens würde die Pipeline den Wettbewerb auf dem polnischen Gasmarkt behindern und Gazproms Verhandlungsposition gegenüber polnischen Gaskunden enorm steigern. Russland ist Polens wichtigster Erdgaslieferant. Die Polen wollen aber unabhängiger von russischem Erdgas werden. Sie verfügen mittlerweile über ein LNG-Terminal, über das sie beispielsweise verflüssigtes Erdgas aus den USA beziehen können.

Die europäischen Unternehmen, die sich an der Finanzierung von Nord Stream 2 beteiligen, waren ursprünglich gemeinsam mit Gazprom Teilhaber der Nord-Stream-2-Projektgesellschaft. Nicht zuletzt auf Betreiben Polens zogen die Unternehmen sich jedoch aus der Projektgesellschaft zurück und beschränkten sich darauf, das Projekt mitzufinanzieren. Doch das geht aus Sicht der polnischen Kartellbehörden nicht weit genug.

Schröder vermutet, dass die USA ihr aus Fracking gewonnenes Erdgas „in den europäischen Markt drücken“ wolle. Auch aus Brüssel habe er noch nie eine „rationale Begründung“ der Einwände gegen das Projekt gehört, sagte der ehemalige Bundeskanzler.

Westeuropa brauche das zusätzliche Erdgas aus Russland. „Man kann nur hoffen, dass die Europäische Union die Kraft findet, ihre eigenen Interessen und die Interessen ihrer Mitgliedsstaaten zu wahren“, sagte Schröder.

Die neue Leitung von Russland nach Deutschland soll vom russischen Gasriesen Gazprom gebaut werden unter Beteiligung von fünf westeuropäischen Energiekonzernen. Die EU-Kommission befürchtet, dass damit die Abhängigkeit von russischem Gas wächst. Die Ukraine will nicht als Transitland ausgeschlossen werden. Die USA drohen mit Sanktionen gegen das Vorhaben.

Schröder lobte die „rationale Einigung“ zwischen Kanzlerin Angela Merkel und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vergangene Woche, dass Europa alle Pipelines brauche, auch durch die Ukraine. Der Altkanzler wird wegen seines Engagements für die vom Kreml kontrollierten Konzerne Gazprom und Rosneft in Deutschland immer wieder kritisiert.

Mit Material von dpa

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2 Kommentare zu "Ostseepipeline: Schröder vermutet US-Interessen hinter Widerstand gegen Nord Stream 2"

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  • Der Gasmann weiß eben alles. Die EU-Loser brauchen amerikanisches Gas, das über Polen
    in die Leitungen geht und natürlich russisches Gas das über die Ukraine kommt, kostet ein wenig mehr aber man gibt gerne für den Krieg in der Ukraine.

  • Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die amerikanische Führung und die polnische gut verstehen. Sie ticken ähnlich - auch schon als Opel - GM grosse Fertigungsfabrken aus Deutschland nach Polen verlagerte.
    Warum sollte eigentlich Polen aus kartellrechtlichem Befinden Angst vor einer Nord Stream 2 haben. Die polnische Energiesicherheit ist doch allein schon durch ihr Flüssiggasterminal sicher gestellt.
    Die "Rest-Europäer" benötigen Nord Stream 2. Die europäische Energiesicherheit soll den nationalen Interessen Polens geopfert werden? Ist wohl ein polnischer Scherz!

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