Oxford-Professor Viktor Mayer-Schönberger „Wir müssen Daten, den Rohstoff für Innovation, breiter streuen“

Eine Datenteilungspflicht für Amazon oder Facebook könne den Wettbewerb fördern, sagt Oxford-Professor Mayer-Schönberger.
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Innovation werde in der Zukunft von Daten getrieben sein. Quelle: picture alliance / Frank May
Viktor Mayer-Schönberger

Innovation werde in der Zukunft von Daten getrieben sein.

(Foto: picture alliance / Frank May)

Viktor Mayer-Schönberger, Professor am Oxford Internet Institute, stößt immer wieder Debatten über den Umgang mit dem Internet an – in der Vergangenheit etwa über das Recht auf Vergessenwerden und Big Data. Im aktuellen Buch „Das Digital“ plädieren er und sein Co-Autor Thomas Ramge dafür, dass große Konzerne Daten mit Wettbewerbern teilen müssen. Der Jurist aus Österreich ist Mitglied des neuen Digitalrates der deutschen Bundesregierung.

Herr Mayer-Schönberger, Österreich will während seiner Ratspräsidentschaft die Idee umsetzen, die Sie auch in Ihrem Buch vertreten. Waren Sie in Kontakt?
Ministerin Schramböck hat schon letztes Jahr nach der Regierungsbildung mit mir Kontakt aufgenommen, aber ich habe ihr mitgeteilt, dass ich rechtspopulistische Regierungen nicht berate. Aber ich nehme an, dass ihre Mitarbeiter das Konzept kennen.

Große Konzerne hat es immer schon gegeben. Was ist die neue Qualität bei Google, Facebook und Amazon?
Große Unternehmen haben einen Vorteil, weil sie ihre Produkte zu geringeren Stückkosten produzieren können. Dieser Effekt wird in traditionellen Märkten durch Innovation ausgeglichen – da haben kleine Unternehmen einen Vorteil. In der Zukunft wird Innovation aber datengetrieben sein.

... was den Internetriesen einen Vorteil verschafft.
Genau, das sehen wir bereits auf den Märkten. Google verbessert mit jeder Eingabe seine Suchmaschine, Amazon kennt die Wünsche der Kunden immer genauer. Weil es an Wettbewerb fehlt, brauchen wir eine Gegenkraft. Die Datenteilungspflicht soll nichts anderes tun, als den Rohstoff der Innovation breiter streuen. Die Daten werden den großen Firmen nicht weggenommen, nur bekommen andere sie auch.

Die Umsetzung ist aber anspruchsvoll.
Ja, aber es gibt in der Praxis schon Modelle. Der Datenpool in der deutschen Versicherungswirtschaft ist ein Beispiel dafür: Dort werden Daten von großen Versicherern kleinen Unternehmen zur Verfügung gestellt, damit sie Risiken besser berechnen können. Und in den USA – dem Mutterland des digitalen Kapitalismus! – durfte Google 2010 die Flugticket-Suche ITA nur unter der Voraussetzung kaufen, dass der Konzern den Mitbewerbern Zugang zu den Daten gewährt.

Was ist mit dem Datenschutz?
Viele Daten sind nicht personenbezogen, da ist es unproblematisch: Daten zum Wetter oder über die Vibration von Zügen oder die Bremsvorgänge im Auto. Auch daraus lassen sich viele Innovationen entwickeln.

Und was ist mit Daten über mich?
Personenbezogene Daten können pseudonymisiert weitergegeben werden, also ohne die Identität preiszugeben. Das erlaubt bis zu einem gewissen Grad auch die Datenschutzgrundverordnung.

In der Politik kommt immer wieder die Forderung auf, digitale Konzerne zu zerschlagen. Was halten Sie davon?
Nichts. Die Zerschlagung ist eine riesige Keule, die viel Mehrwert zu zerstören droht. Und dann stellt sich die Frage, wie man das tun soll. Da ist die Datenteilungspflicht ein einfacheres Mittel.

Wie schätzen Sie die Aussichten der Initiative ein?
Das ist schwer abzuschätzen, so kurz vor dem Ende der österreichischen Ratspräsidentschaft. Ich möchte zu bedenken geben, dass 30 Prozent Marktanteil als Einstiegshürde relativ hoch sind. Das klingt nach einer „Lex Google“. Der Ansatz ist aber richtig.

Herr Mayer-Schönberger, vielen Dank für das Interview.

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