Panama Papers Für die einen legal, für die anderen Skandal

Die isländische Opposition stellt einen Misstrauensantrag gegen den Regierungschef, die französische und spanische Staatsanwaltschaft ermitteln und Messi meldet sich zu Wort: Wie die Welt auf Panama Papers reagiert.
Update: 04.04.2016 - 20:19 Uhr 6 Kommentare
214 488 Offshore-Firmen, 11,5 Millionen Akten und Daten mit einer Masse von 2,6 Terabyte: Die sogenannten Panama-Papers haben dubiose Finanzgeschäfte unfassbaren Ausmaßes offengelegt. Quelle: dpa
Panama

214 488 Offshore-Firmen, 11,5 Millionen Akten und Daten mit einer Masse von 2,6 Terabyte: Die sogenannten Panama-Papers haben dubiose Finanzgeschäfte unfassbaren Ausmaßes offengelegt.

(Foto: dpa)

Madrid, Moskau, Paris, Stockholm, Tokio, WienDer internationale Medienverbund ICIJ (The International Consortium of Investigative Journalists) um die „Süddeutsche Zeitung“ hat dubiose Offshore-Finanzgeschäfte von Reichen, Berühmten und Mächtigen in Panama offengelegt und so weltweit für Wirbel gesorgt. Die Veröffentlichung eines immensen Datensatzes, der mehr als 14.000 Personen mit Offshore-Firmen in Verbindung bringt, warf gleichzeitig Fragen zu der ausgeprägten Nutzung von Steueroasen und die Umgehung von Finanzaufsichten auf.

Während einige Staaten Sofortmaßnahmen ankündigen und wie in Australien ermitteln, reagieren andere Länder gelassener – oder abwehrend. Unsere Korrespondenten berichten.

Die australische Steuerbehörde etwa teilte am Montag mit, dass sie im Zuge der Enthüllungen wegen möglicher Steuerhinterziehung gegen mehr als 800 wohlhabende Australier ermittele. Mehr als 120 davon seien mit einem Offshore-Dienstleister in Hongkong in Verbindung gebracht worden.

Die prominenten Köpfe mit Panama-Connection
Malcolm Turnbull
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Nach der Veröffentlichung der Rohdaten der „Panama Papers“ werden Vorwürfe gegen Malcolm Turnbull laut. Der amtierende australische Ministerpräsident soll früher Direktor einer Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln gewesen sein, heißt es in den Unterlagen. Turnbull und sein Sprecher wiesen die Vorwürfe zurück – beim bereits bekannten Vorgang seien keine „Unregelmäßigkeiten“ aufgetreten.

Emma Watson
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In der Vergangenheit glänzte die britische Schauspielerin Emma Watson in den Harry-Potter-Filmen als charmante und äußerst begabte Hermine Granger. Nun taucht der Name der britischen Schauspielerin in Verbindung mit den „Panama Papers“ auf. Medienberichten zufolge soll sie eine Wohnung über eine Briefkastenfirma gekauft haben. Ihr Sprecher bestätigte gegenüber „The Spectator“, dass Watson eine im Datensatz erwähnte Firma gegründet habe – dabei gehe es allerdings um den Schutz der Privatsphäre, da britische Firmen die Namen ihrer Teilhaber und Anteilseigner veröffentlichen müssten. Finanzielle Vorteile habe sie dadurch nicht gehabt, so der Sprecher.

Mauricio Macri
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Der frisch gewählte argentinische Ministerpräsident ist der Hoffnungsträger des wirtschaftlich angeschlagenen Landes. Doch die Mossack-Dokumente könnten für Mauricio Macri nun zum Stolperstein werden. Eine Stellungnahme hat Macri zu den Vorwürfen nicht abgegeben. Lediglich sein Sprecher Ivan Pavlovsky hat den Vorwürfen widersprochen. Der Präsident hätte an der betrügerischen Offshore-Firma keinen Anteil gehabt. Die Firma verfolge Interessen in Brasilien und hätte eine Verbindung zu den Familiengeschäften. Deshalb sei Macri auch der Direktor der Firma. Schwer vorstellbar, dass Macri als Direktor keine Ahnung über die Machenschaften der Offshore-Firma gehabt habe.

Petro Poroschenko
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Sollten die Vorwürfe stimmen, dürfte es auch für Ukraines Ministerpräsident Petro Poroschenko unangenehm werden. Eigentlich wollte sich der Oligarch von seinem Schokoimperium trennen, nachdem er zum Präsidenten des vom Krieg mit Russland zerrütteten Landes geworden ist. Doch die Mossack-Dokumente zeichnen nun ein anderes Bild. Während in der Ostukraine seine Soldaten starben, gründete er laut der „Süddeutschen Zeitung“ in Panama die Briefkastenfirma „Prime Asset Partners Limited“, in die die zyprischen und ukrainischen Firmen von Poroshenkos Roshen-Gruppe überführt wurden. Die Gründung der Briefkastenfirma wurde nicht öffentlich gemacht.

Sigmundur Davíð Gunnlaugsson
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Auch der isländische Premierminister soll bis Ende 2009 zusammen mit seiner heutigen Ehefrau eine Briefkastenfirma besessen haben, in der unter anderem Anleihen wichtiger isländischer Banken deponiert waren. Wie empfindlich der isländische Premier auf diese Vorwürfe reagiert, hat er in einem im März geführten Interview bewiesen. Nachdem die Journalisten Gunnlaugsson nach seinen Verbindungen zu der Briefkastenfirma „Wintris“ gefragt hatten, die auf den Britischen Jungferninseln gegründet wurde, unterbrach der Premier das Interview.

Bjarni Benediktsson
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Nicht nur der Ministerpräsident Islands ist in die Briefkastenaktivitäten verwickelt. Auch der isländischen Finanzminister steht in den geleakten Dokumenten. Der aus einer der reichsten Familien Islands stammende Politiker hält 33 Prozent an der Briefkastenfirma „Falson & Co.“, die 2005 in den Seychellen gegründet wurde. Auch nachdem er 2009 ins Parlament einzog, meldete Benediktsson die Firma nicht an. Der Minister bestreitet die Vorwürfe. Zum einen soll er nicht gewusst haben, dass die Firma auf den Seychellen registriert war, zum anderen sei die Firma steuerlich gemeldet gewesen. Komplettiert wird das betrügerische Dreigestirn in Island durch die Innenministerin Olöf Nordal, die zusammen mit ihrem Ehemann in Panama die Firma „Dooley Securities“ gegründet hat. In Island ist die Wut auf die Politiker groß. Es finden auf den Straßen bereits erste Proteste statt.

Ian Cameron
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Der 2010 verstorbene Vater des britischen Premierministers David Cameron (links) ist mit Aktiengeschäften und als Investor zu großem Reichtum gelangt. Die nun veröffentlichten Panama-Papers zeigen nun, dass er es mit der Versteuerung seines Vermögens nicht ganz so genau genommen hat. Ian Cameron soll mithilfe seiner 1999 gegründeten Firma auf den Bahamas Steuern hinterzogen haben. David Cameron hat zu den Vorwürfen gegen seinen Vater keine Stellungnahme abgegeben.

Der neuseeländische Premierminister John Key wies die Beschreibung durch den Medienverbund zurück, wonach sein Land zu den 21 Steueroasen zähle, die von Mossack Fonseca genutzt worden seien. „Steueroasen befinden sich dort, wo es eine Geheimhaltung von Informationen gibt“, sagte er. Dies treffe nicht auf Neuseeland zu.

Die Familie von Pakistans Premier Nawaz Sharif dagegen ging nach der Kritik in die Offensive. „Diese Wohnungen gehören uns und diese Offshore-Firmen gehören auch uns“, sagte Sharifs Sohn Hussain am Montag dem Fernsehsender Geo. „Es ist nichts Falsches daran, und ich habe sie nie versteckt und auch nicht vor, das zu tun.“

Das britische ebenso wie das pakistanische Gesetz erlaube, „unnötige Steuern durch Offshore-Firmen" zu vermeiden, sagte Hussain. Da er seit 1992 nicht mehr in Pakistan lebe, sei er zudem nicht verpflichtet, sein Vermögen in dem Land zu deklarieren. Angesichts von Forderungen des Oppositionspolitikers Imran Khan nach Ermittlungen sagte Hussain, die Familie sei zur vollen Zusammenarbeit mit den Ermittlern bereit.

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6 Kommentare zu "Panama Papers: Für die einen legal, für die anderen Skandal"

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  • Üble Unterstellungen gegen Schäuble. ICh glaube das er gerne ein wenig restriktiver mit unserem Geld bei der Griechenrettng umgegangen wäre, aber von der Mergel und dem Koalitionsfreden gezwungen wurde.
    Gabrel sein Vorschlag jetzt für Deutsche Hartzer mehr Geld auszugeben ist absurd. Jeder Euro deer ausgegeben wird muß verdient werden. Wenn ich 50 Milliarden für Flüchtlinge ausgebe dann müssen steuern erhöht werden. Am besten mit einem Solidarzuschlag auf die MWST, dann zahlen alle. Auch die die nicht arbeiten

  • Der SchwarzGeldKofferträger Schäuble ist doch der Gleiche! Den gibts immer noch.

  • Der SchwarzGeldKofferträger Schäuble ist doch der Gleiche! Den gibts immer noch.

  • Schäuble bastelt sicher schon wieder an einem Abkommen, nach dem die Sachen nicht verfolgt werden sollen - wie damals mit der Schweiz.

  • ...
    Jetzt aber hat sich Gabriel einmal mehr über den Tisch ziehen und mit einem Solidaritäts-Päckchen in Höhe von 5 Mrd. EUR abspeisen lassen. 5 Mrd. EUR pro Jahr, also 50 Mrd. EURO in den nächsten 10 Jahren, das, Herr Gabriel, wäre angemessen gewesen. So ist aber das Ergebnis: erbarmungswürdig!

    Verkehrte Welt?
    http://youtu.be/QqoSPmtOYc8
    Viel Spaß beim Anhören!

  • Hier wäre ein "Erbarmungswürdig-Aufschrei" von Schäuble angebracht. Habe aber nichts ernstzunehmendes gehört. Allein die aufgrund der unwilligen Haltung von Schäuble jährlich entgangenen Steuermilliarden würden einige unserer Probleme lösen. Insofern hatte Gabriel Recht mit seinem Solidaridäts-Projekt. Nur: er hätte es mit aller Härte und Schläue durchsetzen müssen! Hier entscheidet sich seine Zukunft! Es sollte eigentlich ein Leichtes sein, denn Schäuble ist mir bisher noch nicht aufgefallen als ein Politiker, der die Nöte der Unter- und Mittelschicht ernst nimmt, der auch (für ihn) unangenehme Wahrheiten ausspricht, eher schon als falscher Fuffziger. "Wenn wir Flüchtlingen nur noch helfen dürfen, wenn wir anderen das Gleiche geben, oder mehr, dann ist das erbarmungswürdig". Ich kenne keinen Politiker, außer Schäuble, der einen solchen Vorschlag, der Flüchtlinge gegen Deutsche ausspielt, in die Debatte eingebracht und dies Gabriel untergeschoben hätte. Gabriels Solidaritäts-Projekt lautete anders!
    Schäuble glaubte womöglich, dass keiner seine vermeintliche Schlitzohrigkeit entlarvt. Tatsächlich beweist er damit nur einmal mehr, dass er ein falscher Fuffziger ist.
    So wie Schäuble die Einführung des Mindestlohns durch "Wegschauenlassen der Kontrolleure" konterkariert, so hat er auch andere ihm nicht genehme Themen immer wieder konterkariert. Beispiele: Finanztransaktionssteuer, gerechte Erbschaftssteuer, Schließen von Steuerschlupflöchern, Merkelsche Flüchtlingspolitik, keine Steuererhöhung (aber Soli fortführen! Benzinabgabe für Flüchtlinge!...).
    Ich traue ihm zu, dass er auch die Spareinlagen der deutschen Sparer und Rentner in Europa vertickert und auf eine - schrittweise - Abschaffung des Bargeldes hinarbeitet, damit die Finanzbranche bei negativen Zinsen auch ordentlich verdient.
    Schäuble war, ist und bleibt eben nach meiner Einschätzung ein erbarmungswürdiger "falscherFuffziger"!
    Jetzt aber hat sich Gabriel einmal mehr über den Tisch ziehen und mit einem...

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