Panama Papers Putin verteidigt seine Freunde

Echte Freunde halten zusammen – auch in Russland: Präsident Wladimir Putin verteidigt Vertraute, deren Namen in den Panama Papers auftauchen. Unter Beifall verkündet er: „Ich bin stolz, dass ich solche Freunde habe!“
Der Name des russischen Präsidenten tauchte in den Panama Papers bisher nicht auf. Quelle: AFP
Putin nicht betroffen

Der Name des russischen Präsidenten tauchte in den Panama Papers bisher nicht auf.

(Foto: AFP)

MoskauRusslands Präsident Wladimir Putin sieht in den enthüllten Briefkastenfirmen engster Vertrauter nichts Anrüchiges: „Welches Korruptionselement? Da gibt es nichts!“, sagte er am Donnerstag bei einem Auftritt in St. Petersburg. Zudem machte er sich lustig darüber, dass in den „Panama Papers“ sein eigener Name nicht auftauchte. „Sie durchkämmten diese Offshore-Konten. Ihr demütiger Diener ist nicht dabei. Worüber soll man noch sprechen?“

Das internationale Recherchenetzwerk ICIJ hatte am Sonntag Daten über 214.000 Briefkastenfirmen veröffentlicht, die von der Firma Mossack Fonseca auf Panama verwaltet werden oder wurden. Den Enthüllungen zufolge versteckte allein der Cellist und Jugendfreund Putins, Sergej Roldugin, mehr als zwei Milliarden Dollar in ausländischen Scheinfirmen.

Putin-Kritiker wähnen darin eine Spur zu einem versteckten Vermögen des Kreml-Chefs selbst. Putin hingegen suchte die Verdachtsmomente in seiner ersten eigenen Stellungnahme fortzuwischen. Roldugin sei ein „brillanter Musiker“ und Philanthrop. Und er sei Minderheitsaktionär „einer unserer Firmen“ – wohl mit Blick auf die Bank Rossija, an der Rodulgin Anteile hält.

Die Berichte über Roldugins versteckte Milliarden müssen laut Putin übertrieben sein. „Er verdient etwas Geld, aber natürlich nicht Milliarden Dollar, das ist Stuss.“ Fast sein ganzes Geld gebe Roldugin aus, um im Ausland Musikinstrumente zu kaufen und staatlichen Musikeinrichtungen zu übergeben. „Ich bin stolz, dass ich solche Freunde habe“, sagte er unter dem Beifall seiner Zuhörer.

Sein Sprecher Dmitri Peskow hatte am Montag dem US-Außenministerium und dem Auslandsgeheimdienst CIA unterstellt, hinter den Enthüllungen zu stecken, um Russland gezielt zu „destabilisieren“.

Am Mittwoch schrieb die Enthüllungsplattform WikiLeaks im Kurznachrichtendienst Twitter, die US-Regierung habe die „Angriffs-Story über Putin“ über ihre Entwicklungshilfeorganisation USAID gesponsert. Das griff Putin am Donnerstag auf: „WikiLeaks hat uns jetzt die Tatsache gezeigt, dass US-Regierungsvertreter und offizielle US-Organe dahinter stehen“.

Die deutschen Finanzflüchtlinge
Offshore-Konten enthüllt
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E-Mails, Briefe, Urkunden: Mit mehr als 11,5 Millionen geleakten Dokumenten zeigen die Panama Papers ein weit verzweigtes und undurchsichtiges Netz aus Schwarzgeldkonten, Briefkastenfirmen und Steuerschlupflöchern. Ein Rechercheverbund von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR wertete die Daten gemeinsam mit rund 400 Journalisten weltweit aus und veröffentlichte die Namen von Prominenten, die die panamaische Anwaltskanzlei Mossack Fonseca mit Offshore-Geschäften beauftragt hatten. Auch die Namen Tausender Deutsche sollen sich in dem Datensatz finden. Eine Auswahl.

Florian Homm (Hedgefonds-Manager)
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Als Fondsmanager verwaltete Florian Homm Milliardenvermögen. Zum Teil nutzte der Großneffe des Versandkaufmanns Josef Neckermann dafür Gesellschaften, die ihren Hauptsitz in Steueroasen haben oder hatten – so etwa der von ihm um die Jahrtausendwende gegründete Absolute Capital Management Holding auf den Britischen Kaimaninseln. Just dieser Fonds brachte Homm auch die Aufmerksamkeit verschiedener Ermittlungsbehörden ein, vor denen der umstrittene Investor zwischen 2007 und 2013 floh. Laut „Süddeutscher Zeitung“ taucht sein Name auch in den Panama Papers auf.

Helmut Kiener (Finanzbetrüger)
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Mehr als 400 Millionen US-Dollar ergaunerte Helmut Kiener mittels eines sogenannten Ponzi-Schemas: Er akquirierte Investorengelder für seine Hedgefonds K1 und X1, ohne sie anzulegen, und zahlte mit dem Geld neuer Investoren seine Altanleger aus. Im Juli 2011 wurde Kiener zu einer Freiheitsstrafe von mehr als zehn Jahren verurteilt. Dass der Finanzbetrüger Firmen mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln und den Kleinen Antillen betrieb, war bereits bekannt. Nun tauchte Kieners Name auch im Zusammenhang mit den Panama Papers auf.

Gerhard Gribkowsky (Ex-BayernLB-Vorstand)
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Ebenfalls verurteilt wurde Gerhard Gribkowsky: Seit Dezember 2010 ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Vorstand der BayernLB wegen des Verdachts der Bestechung sowie der Steuerhinterziehung. 2012 wurde er zu einer Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt, es ging um rund 50 Millionen Euro. In Panama soll eine Firma ihren Sitz haben, über die Formel-1-Chef Bernie Ecclestone Bestechungsgelder an Gribkowsky bezahlt habe, berichtet die SZ.

Helmut Linssen (Ex-Politiker)
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Schon 2014 wurden Vorwürfe gegen Helmut Linssen laut. Demnach soll der ehemalige NRW-Finanzminister und damalige Bundesschatzmeister der CDU schon 1997 eine Offshore-Briefkastenfirma auf den Bahamas gegründet haben, um Steuern zu hinterziehen. Drei Jahre später verlagerte er seine Aktivitäten nach Panama – das könnte erklären, weshalb sein Name ebenfalls in den Panama Papers verzeichnet ist. Heute arbeitet Linssen als Finanzvorstand der RAG-Stiftung, die die Ewigkeitskosten des Bergbaus finanzieren soll.

Nico Rosberg (Rennfahrer)
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Der Formel-1-Rennfahrer Nico Rosberg ist offenbar ebenfalls in Offshore-Geschäfte verstrickt. Wie der NDR berichtet, ist Rosberg bei seinem Rennstall Mercedes-Benz über eine Zwischenfirma auf den Britischen Kaimaninseln angestellt. Die wiederum gehöre zwei anderen Unternehmen mit Sitz auf der Insel Jersey im Ärmelkanal, so die SZ, welche schließlich von der Panamaer Mossack Fonseca verwaltet würden. Fragen zu der abenteuerlichen Konstruktion beantwortete der Formel-1-Pilot bisher nicht.

Werner Mauss (Privatagent)
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Er ist wohl eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Bundesrepublik: Als Privatermittler arbeitete Werner Mauss für deutsche Großkonzerne, die Polizei und mehrere Geheimdienste. Die Befreiung deutscher Geiseln aus den Händen der libanesischen Hisbollah-Miliz soll ebenso auf sein Konto gehen wie die Festnahme des RAF-Terroristen Rolf Pohle. Insofern dürfte es nicht unbedingt verwundern, dass Mauss unter dem Tarnnamen „Claus Möller“ verschiedene Offshore-Konten betreibt. Laut Angaben des NDR soll es sich dabei sogar um ein regelrechtes „Briefkasten-Imperium“ handeln.

  • afp
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