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Pandemie EU will mit Pharmakonzernen weitere Verträge für Corona-Impfstoff abschließen

Die EU will mit eigener Pharmastrategie noch dieses Jahr die Position Europas als Produzent von Arzneien und Medizintechnik stärken. Demnächst soll es neue Vereinbarungen geben.
02.09.2020 - 18:41 Uhr Kommentieren
Die Chefgesundheitspolitikerin der EU geht davon aus, dass gegen Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres ein Impfstoff verfügbar ist. Quelle: action press
Die Corona-Impfung (Montage)

Die Chefgesundheitspolitikerin der EU geht davon aus, dass gegen Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres ein Impfstoff verfügbar ist.

(Foto: action press)

Brüssel Die Europäische Union (EU) wird mit Pharmakonzernen, die an einem möglichen Impfstoff gegen Covid-19 arbeiten, weiter eng zusammenarbeiten. „Die Unterzeichnung des ersten Vertrags mit Astra-Zeneca letzte Woche war ein entscheidender erster Schritt in unseren Bemühungen, allen Bürgern sichere und wirksame Coronavirus-Impfstoffe zu liefern, bis die Europäische Arzneimittel-Agentur die Sicherheit und die behördliche Zulassung erteilt hat“, sagte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides dem Handelsblatt. Weitere Vereinbarungen seien in Vorbereitung.

Mit dem britischen Pharmakonzern Astra-Zeneca hatte die EU den Kauf von 300 Millionen Dosen eines möglichen Corona-Impfstoffes vereinbart. Die Kosten liegen nach Angaben der Kommission bei 336 Millionen Euro. Die Vereinbarungen werden über einen Soforthilfetopf gegen Corona im EU-Haushalt mit einem Volumen von 2,7 Milliarden Euro finanziert.

Sondierungsgespräche mit vier weiteren Pharmafirmen hat die EU-Kommission bereits abgeschlossen: Sanofi-Glaxo-Smithkline, Johnson & Johnson, Curevac und Moderna. Mit weiteren Verträgen will Brüssel die ausreichende Versorgung mit Impfstoffen sicherstellen, wenn sie die laufenden Tests als sicher und wirksam erweisen.

„Unsere bisherigen Gespräche mit Pharmaunternehmen werden es uns ermöglichen, unser Impfstoffportfolio so breit wie möglich aufzubauen“, sagte die zyprische EU-Politikerin.

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    Im Europaparlament kommt die Strategie der Kommission gut an. „Die EU kann jetzt beweisen, dass sie aus den Fehlern zu Beginn der Pandemie gelernt hat“, sagte der SPD-Europaabgeordnete Tiemo Wölken dem Handelsblatt. „Anfangs wurde unkoordiniert und gegeneinander gearbeitet, jetzt wird ein Impfstoff gemeinsam beschafft. Das ist ein echter Fortschritt.“

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    Wölken gibt sich zuversichtlich, dass die EU-Länder bei der Beschaffung des Impfstoffes an einem Strang ziehen und der Impfstoff gerecht unter ihnen verteilt werde. „Ich bin mir sicher, dass der Kampf gegen die Pandemie nicht am Geld scheitern wird“, sagte der Gesundheitspolitiker in Anspielung auf den 750 Milliarden großen Corona-Wiederaufbaufonds.

    Die EU-Kommission versucht mit einer Pharmastrategie, die sie noch in diesem Jahr vorlegen will, die Position Europas als innovativer Produzent von Arzneien und Medizintechnik zu stärken. „Eine lebensfähige europäische Pharmaindustrie ist von strategischem Interesse für die öffentliche Gesundheit, das Wirtschaftswachstum, den Handel und die Wissenschaft“, sagte die Kommissarin.

    Als die Corona-Pandemie im Frühjahr auch in Europa ausgebrochen war, wurde der Versorgungsmangel für Millionen von EU-Bürger sichtbar: Es fehlte sowohl an Medikamenten als auch an medizintechnischen Hilfsmitteln wie Atemmasken und Beatmungsmaschinen in Krankenhäusern. „Wir wissen, dass Europa über eine starke industrielle Basis verfügt, die Unterstützung benötigt, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen“, so Kyriakides.

    Im August hatte die Chefgesundheitspolitikerin der EU bereits gesagt, dass sie davon ausgehe, dass gegen Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres ein Impfstoff verfügbar sei.

    Einheitliches Test-Konzept in den EU-Staaten

    Dennoch ist dies ein ambitioniertes Ziel: Die Erfahrungen mit Infektionskrankheiten zeigen, wie schwierig es ist, einen in der Breite wirksamen Impfstoff zur Marktreife zu bringen. Für einige Erreger aus der Familie der Coronaviren gibt es trotz intensiver Forschung bislang immer noch kein zugelassenes Vakzin.

    Die EU-Kommissarin forderte zudem die 27 Mitgliedsstaaten auf, ihre Tests zur Eindämmung der Pandemie zu verstärken. „Wir wissen, dass wir, wenn umfassende Tests durchgeführt werden, besser in der Lage sind, neue Ausbrüche schnell zu erkennen und Gruppen mit hohem Krankheitsrisiko zu identifizieren“, sagte Kyriakides. Brüssel will dabei weiter die Mitgliedsstaaten bei der Beschaffung von Coronatests unterstützen.

    Derzeit laufen laut Kyriakides mit den Mitgliedstaaten die Gespräche, um eine Einigung über ein gemeinsames Konzept für Covid-19-Tests in der EU zu erzielen. „In diesem Stadium ist es von entscheidender Bedeutung, dass potenzielle neue Ausbrüche so schnell wie möglich erkannt und sofort lokal eingedämmt werden“, sagte die Gesundheitskommissarin.

    Angesichts steigender Infektionszahlen warnte sie die Mitgliedsstaaten davor, Hindernisse im Handel mit Medikamenten innerhalb des Binnenmarktes aufzubauen, wie es zu Beginn der Pandemie der Fall war.

    Die zyprische EU-Politikerin will das Impfstoffportfolio der EU „so breit wie möglich aufbauen“, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Quelle: imago images/Xinhua
    EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides

    Die zyprische EU-Politikerin will das Impfstoffportfolio der EU „so breit wie möglich aufbauen“, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen.

    (Foto: imago images/Xinhua)

    „Die Exportverbote untergruben nicht nur die Notwendigkeit, dass lebenswichtige Güter über die EU-Grenzen fließen müssen, sondern auch die Solidarität und Zusammenarbeit, die für die Überwindung einer so schwierigen Krise wie der Covid-19-Pandemie von entscheidender Bedeutung sind“, sagte Kyriakides. Für „ungerechtfertigte Hindernisse für den Binnenmarkt“ gebe es keine Toleranz, stellte sie klar.

    Bei den Gesprächen mit den Mitgliedsländern seien aber mittlerweile Maßnahmen vereinbart worden, die EU-weite Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Teil des künftigen Konzeptes seien zum Beispiel „grüne Fahrspuren“, um den schnellen und reibungslosen Transport von Medikamenten und Medizintechnik zu erleichtern. Solche „grüne Fahrspuren“ hat es bereits gegeben: Bevor der gemeinsame Binnenmarkt existierte.

    Auch schlechte Absprachen in puncto Reiseverkehr sorgt innerhalb des Staatenverbundes derzeit für Probleme. Dass jedes Land nach eigenem Ermessen handelt, führt derzeit insbesondere in Brüssel, eine der am stärksten von der Pandemie betroffenen EU-Hauptstädte, zu erheblichen Einschränkungen für EU-Beamte und Mitarbeiter des Europaparlaments.

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    Gesundheitskommissarin Kyriakides verlangt dementsprechend eine stärkere Abstimmung zwischen den Mitgliedsstaaten: „Wir werden auf koordinierte europäische Ansätze drängen: die Koordinierung des Informationsaustauschs, die Bereitstellung von Leitlinien und Empfehlungen zu den notwendigen Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um die Vorsorge zu verstärken und die Ausbreitung des Virus zu stoppen.“

    Als negatives Beispiel nennt sie den „Flickenteppich“ unterschiedlicher Regeln, der im Sommer als Reaktion auf steigende Infektionszahlen entstand. Das habe zu Verwirrung und Unsicherheit sowohl für Bürger als auch für Unternehmen geführt. „In Zukunft müssen wir weitere Störungen bereits schwacher Volkswirtschaften und zusätzliche Unsicherheiten für die Bürger vermeiden“, fordert sie. Kyriakides kündigt einen Vorschlag an, der gemeinsame Kriterien und ein gemeinsames Konzept für Reisebeschränkungen festlegen soll.

    Am Freitag wird es eine Videokonferenz der EU-Gesundheitsminister unter Vorsitz des deutschen Gesundheitsministers Jens Spahn (CDU) stattfinden, um bei einer besseren Koordination im Vergleich zur Vergangenheit Fortschritte zu machen. Doch die Skepsis unter Europa-Politikern ist groß.

    „Ich sehe die Chancen als sehr gering, dass wir eine Annäherung der Reisebeschränkungen schaffen. So sehr ich mir das auch wünschen“, sagte zum Beispiel der Grünen-Europaabgeordnete Daniel Freund dem Handelsblatt. „Die EU-Kommission kann koordinieren und drängen. Doch ihr sind die Hände gebunden“, sagte er im Hinblick auf die geringe Kompetenz der Kommission im Gesundheitsbereich.

    Gesundheitsdatenraum lässt auf sich warten

    Beim europäischen Gesundheitsdatenraum, eines der Ziele der deutschen EU-Ratspräsidentschaft, gab es bislang noch kaum Fortschritte. Auch Kyriakides kündigt nun an, erst im Laufe des nächsten Jahren einen Vorschlag zur Stärkungen der gemeinsamen Governance-Strukturen für den Zugang und die grenzüberschreitende Nutzung von Gesundheitsdaten vorzulegen. Derzeit hat die EU-Kommission an SAP und der Deutschen Telekom den Auftrag vergeben, eine gemeinsame Plattform für den Austausch von Daten aus den Corona-Warn-Apps in 18 EU-Ländern zu bauen.

    „Wir hoffen, in Kürze mit der Pilotphase des Gateways beginnen zu können“, sagte Kyriakides optimistisch. Einen genauen Zeitpunkt nennt sie aber nicht. Das Ziel der Kommission, dass alle Bürger über eine Corona-App verfügen und diese Daten überall in der EU genutzt werden können, erfüllt sich vorerst aber noch nicht.

    Die Corona-Warn-Apps soll helfen, schnell Infektionsketten nachzuverfolgen, um sie zu unterbrechen. Doch noch immer funktionieren diese Anwendungen für das Mobiltelefon aber nur innerhalb der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten.

    MEHR: EU-Kommissarin für Gesundheit erwartet Corona-Impfstoff zum Jahreswechsel

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