Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Pandemie Jair Bolsonaro mit Coronavirus infiziert – doch Brasiliens Präsident zeigt sich unerschrocken

Brasilien ist nach den USA das Land mit den meisten Corona-Infizierten und -Toten. Dennoch spielte der Präsident das Virus immer wieder herunter. Jetzt ist auch er erkrankt.
07.07.2020 - 23:16 Uhr Kommentieren

Jair Bolsonaro positiv auf Coronavirus getestet

Rio de Janeiro Fünf Monate lange leugnete der brasilianische Präsident, dass der Covid-19 Virus eine ernst zu nehmende Angelegenheit sei. „Ein Grippchen“, das ihm mit seiner Sportlervergangenheit sowieso nichts anhaben könnte, erklärte Jair Bolsonaro. Worauf er entgegen aller Ratschläge weiterhin das Bad unter seinen Fans suchte.

Doch nun ist das vorbei: Den Rechtspopulisten hat es erwischt. Er sei positiv auf Covid-19 getestet worden, erklärte er in einem Interview im Präsidentenpalast – und zeigte sich weiterhin unerschrocken. „Hätte ich den Test nicht gemacht und Hydroxychloroquin präventiv eingenommen, würde ich ganz normal arbeiten“, sagte der 65-Jährige. Das Ganze sei nicht viel schwerer als eine Grippe, die man bekommt, wenn man in den Regen geraten wäre.

Noch am Samstag hatte Bolsonaro mit einigen Kabinettsmitgliedern beim US-Botschafter in Brasília ohne Maske und Distanz den Unabhängigkeitstag der USA gefeiert. Am Sonntagabend habe er erste Fieberschübe bekommen und deswegen einen erneuten Test gemacht, wie er am Montag öffentlich erklärte.

Nach einer Reise in die USA vor zwei Monaten waren zwei Dutzend seiner Mitreisenden positiv auf Corona getestet worden. Bolsonaro wollte seine Testergebnisse damals nicht veröffentlichen. Als er es auf Anweisung eines Gerichts dennoch machen musste, blieben Zweifel, ob es tatsächlich seine Untersuchungsergebnisse waren.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    In den sozialen Netzwerken hangelte es an Nachrichten voller Ironie über den Präsidenten, der bisher gegenüber den inzwischen 1,6 Millionen Infizierten und mehr als 65.000 Toten seit Beginn der Pandemie Mitte Februar nicht die geringste Empathie gezeigt hat. Vor allem dessen eigenen Zitate, werden ihm digital um die Ohren gehauen: „Jeder muss mal sterben“, „Ich bin kein Totengräber“. „Alles maßlos übertrieben“. „Na und!“ Bolsonaro beharrte im Interview auch jetzt auf seiner Kritik an den Gouverneuren, die weiterhin den Einzelhandel und Dienstleister geschossen halten. Unternehmen sollten wieder öffnen und alle Brasilianer so schnell wie möglich wieder zur Arbeit gehen, forderte er.

    Das wiederholt der seit eineinhalb Jahren regierende Ex-Militär seit Beginn der Pandemie ständig. Doch das Oberste Gericht erklärte vor drei Monaten, dass Entscheidungen über Quarantäne oder Lockout Sache der Bundesstaaten und Gemeinden seien.

    Seitdem attackiert der Präsident unentwegt die Justiz des Landes als die Hauptverantwortlichen für die schwere wirtschaftliche Rezession Brasiliens. Das Kalkül ist offensichtlich: Der Präsident will die politische Verantwortung für die Krise anderen in die Schuhe schieben.

    In der Wirtschaft sieht es tatsächlich düster aus: Nach dem neuesten Bericht von JP Morgan dürfte Brasiliens Wirtschaft dieses Jahr um sieben Prozent schrumpfen, trotz starker fiskalischer und monetärer Stimulierungsmaßnahmen. Auch wenn Brasilien nächstes Jahr wieder 4,4 Prozent wachsen sollte, werden die hohe Verschuldung und die niedrigen Investitionen die Wirtschaft noch lange belasten.

    Ende 2021 dürfte Brasiliens BIP noch drei Prozent geringer ausfallen als Ende 2019, erwartet JP Morgan. „Die Pandemie ist zwar vorübergehender Natur, wir glauben aber, dass einige ihrer Auswirkungen noch lange die Wirtschaft belasten werden“, heißt es in dem Bericht. Insbesondere die politischen Spannungen als Reaktion auf das schlechte Krisenmanagement der Regierung würden Risiken für die Erholung darstellen.

    Popularität Bolsonaros lässt nach

    Das Problem ist: Derzeit sieht es nicht danach aus, als ob die Corona-Krise so bald an Heftigkeit verlieren wird. Weiterhin sinkt weder die Zahl der Infizierten noch der Toten. Zwar haben die Ansteckungen an den ersten Hotspots der Krankheit in Brasilien nachgelassen, wie Manaus im Amazonas, in São Paulo oder in einigen Städten im Nordosten. Dafür wütet der Virus jetzt besonders heftig im Inland, wohin sich viele der durch die Krise arbeitslos gewordenen zurückgezogen haben. Auch in den Slums der Großstädte steigen die Zahlen der Toten wie Infizierungen.

    Die Bundesregierung unter Bolsonaro zeigt sich weiterhin indifferent inmitten der Krise: Der Posten des Gesundheitsministers ist seit nun fünf Wochen vakant, nachdem zwei Gesundheitsminister entlassen wurde oder von selbst gingen, nachdem der Präsident sie zwingen wollte, Hydroxychloroquin auf die Empfehlungsliste des öffentlichen Gesundheitssystems zu setzen.

    Der interim eingesetzte Militär an der Spitze des Gesundheitsministerium hat zwar reihenweise Mitarbeiter des Ministeriums entlassen und ebenfalls mit Militärs besetzt. Doch einen nationalen Plan zur Eindämmung von Covid-19 gibt es weiterhin nicht.

    Abzuwarten bleibt, ob die Infizierung des Präsidenten zu einer Steigerung seiner Popularität führt. Zur Erinnerung: Im Wahlkampf 2018 wurde Bolsonaro bei einer Messerattacke schwer verletzt. Seine Anhänger feierten sein Überleben damals und bezeichneten Bolsonaro ab sofort als „Mythos“, ihren mythischen Helden. Mehrere der damaligen Oppositionskandidaten halten das Attentat für den Hauptgrund, dass Bolsonaro damals mit 55 Prozent der Stimmen gewählt wurde – ohne an einer einzigen Debatte teilzunehmen.

    Inzwischen ist die Zahl der Bolsonaro-Anhänger geschrumpft, die wie ihr Idol offen eine Rückkehr zur Militärdiktatur fordern. Es sind aber immer noch rund 30 Prozent der Brasilianer, die zu ihm stehen. Davon gelten 15 Prozent als rechter ideologischer Kern. Bei der anderen Hälfte ist Bolsonaro nun mit seiner Corona-Sozialhilfe populärer geworden.

    Auch im Kongress hat Bolsonaro begonnen, sich Unterstützung gegen ein mögliches Impeachment-Verfahren zu sichern. Mit dem traditionellen Posten-und-Ämter-Geschacher sichert er sich die notwendige Stimmenmehrheit, um den Beginn eines Absetzungsverfahrens zu verhindern. Doch das ist genau die traditionelle Politik, der Bolsonaro ein Ende bereiten wollte. Seine Fans hat das bisher noch nicht gestört.

    Mehr: Brasiliens tiefer Fall: Corona und ein überforderter Präsident lassen Wirtschaft abstürzen

    Startseite
    Mehr zu: Pandemie - Jair Bolsonaro mit Coronavirus infiziert – doch Brasiliens Präsident zeigt sich unerschrocken
    0 Kommentare zu "Pandemie: Jair Bolsonaro mit Coronavirus infiziert – doch Brasiliens Präsident zeigt sich unerschrocken"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%