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Pandemie „Phase 2“ beginnt: Italien wagt erste Schritte aus dem Corona-Lockdown

Nach den strikten Verboten der vergangenen sechs Wochen gibt es nun in Italien erste Erleichterungen. Doch die Sorge vor einem Rückschlag ist groß.
04.05.2020 - 16:27 Uhr 1 Kommentar

In Italien treten erste Lockerungen der Corona-Maßnahmen in Kraft

Rom „Wir arbeiten in zwei Schichten, messen bei jedem die Körpertemperatur, alle tragen Masken und halten den Abstand ein“, sagt Sandro Parisotto, Chef von Scarpa. Seit heute wird bei dem Hersteller von Freizeit- und Bergschuhen in Asolo bei Treviso wieder gearbeitet, rund 300 Angestellte sind zurück im Werk. „Die Generalprobe letzte Woche hat gut geklappt“, berichtet Parisotto.

An diesem Montag beginnt die „Phase 2“ in Italien, die erste Lockerung seit Ausbruch der Seuche. Es ist der Versuch, ein kleines Stückchen Alltag wiederzugewinnen und trotzdem eine weitere Ausbreitung des Virus zu zu vermeiden.

Nach sechs Wochen Produktionstopp bis auf lebensnotwendige Betriebe kehren heute 4,4 Millionen Italiener zurück in ihre Büros und Fabriken. Bei Autozulieferern und exportabhängigen Unternehmen war der Startschuss bereits vor einer Woche gefallen.

„Nach einem sehr komplizierten Lockdown der Produktion laufen die Motoren wieder an“, schreibt Industrieminister Stefano Patuanelli auf Facebook. Aber: „Einen zweiten Lockdown kann sich die italienische Wirtschaft nicht mehr erlauben.“ Jetzt sei eine „große Injektion von Liquidität mit nicht rückzahlbaren Zuschüssen“ nötig.

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    Die sind jedoch noch nicht beschlossen. Die Regierung wartet die Ergebnisse des EU-Treffens am Mittwoch ab, bevor die neuen Hilfen offiziell bekanntgegeben werden. Maßnahmen kämen bald, sagte Arbeitsministerin Nunzia Catalfo Montagmorgen im Radio.

    Der Stopp hat schon jetzt verheerende Folgen für die italienische Wirtschaft. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie ist in Italien im April auf 31,1 von 40,3 Punkten im März gefallen, teilte das Marktforschungsinstitut IHS Markit am Montag in London mit. Das sei der niedrigste Wert seit 22 Jahren.

    Dennoch gibt es Anzeichen, dass Italien sich langsam aus der Starre befreit. So ist es seit heute ist es wieder voller auf den Straßen. In Rom und in Mailand gab es am Morgen Schlangen an den Metrostationen, denn es dürfen nur die Hälfte der Fahrgäste mitfahren, um den Abstand zu wahren. In den Bahnhöfen standen die Pendler auf den Gleisen Schlange, überall herrscht Maskenpflicht.

    Immerhin dürfen die Italiener, die seit dem 10. März eingesperrt sind – und damit die längste Ausgangssperre in Europa hatten – ab jetzt Spaziergänge in einem Radius von mehr als 200 Metern um ihre Wohnung unternehmen. Sie dürfen wieder joggen und auch die Parks sind wieder zugänglich.

    Grenzen bleiben geschlossen

    Vielleicht noch wichtiger: Die Supermärkte bleiben wie vor der Coronakrise bis zum späten Abend auf. Andererseits sind die Schulen und Kindertagesstätten nach wie vor geschlossen und werden erst im September wieder öffnen. Erlaubt sind Verwandtenbesuche innerhalb der Region, doch die Grenzen bleiben weiter zu.

    Premier Giuseppe Conte rief zum Wochenbeginn die Italiener dazu auf, in der Krise Eigenverantwortung zu übernehmen. „Wenn wir schmerzhafte Rückschritte vermeiden wollen, ist heute mehr als je Mitarbeit notwendig und alle müssen die Regeln einhalten“, sagte er in einem Interview des Corriere della Sera. Schon vorher hatte er den Italienern angedroht, alle Erleichterungen wieder rückgängig zu machen, sollte die Zahl der Corona-Fälle erneut ansteigen.

    Denn obwohl die Zahl der Neuinfektionen abnimmt und auch die Todesrate von Tag zu Tag sinkt, bleibt die Zahl der Corona-Fälle in Italien immer noch sehr hoch. Der Zivilschutz meldete am Sonntag insgesamt 210.717 Infizierte, darunter 28.884 an dem Virus gestorbene und 81.654 Geheilte.

    Und die ersten Lockerungen täuschen auch nicht darüber hinweg, dass Italien noch weit von der Rückkehr zur Normalität entfernt sind. Die Geschäfte bleiben geschlossen bis zum 18. Mai, Restaurants und Bars dürfen nur Take-away-Dienste anbieten, fast alle Hotels sind geschlossen und Friseure dürfen erst wieder am 1. Juni öffnen. Immerhin sollen in zwei Wochen auch Museen und Bibliotheken wieder öffnen.

    Kritik an der Regierung

    Mittlerweile ist eine heftige Debatte entbrannt über die Maßnahmen der Regierung, die viel strenger waren als in anderen Ländern. Und die Stimmen derer, die den wenig konkreten Kommunikationsstil des Premiers kritisieren, wächst. 

    Wohl auch deshalb rechtfertigte sich Conte im Corriere-Interview so: „In der ersten Phase war es unvermeidlich, auf strenge Disziplin zu setzen, das heißt auf Normen des Staates, um die Verbreitung des Virus aufzuhalten und das Risiko zu begrenzen“, erklärt er.

    Es sei eine Phase gewesen, in der das Wissen über die Art der Ausbreitung des Virus nicht verbreitet gewesen sei, so Conte. Jetzt könne man auf Selbstdisziplin setzen.

    Das sehen Kommentatoren anders. „Wir verlangen von der Regierung und von den Regionen, endlich aufzuhören mit den ständigen Ankündigungen und dem Gieren nach Visibilität. Und es geht nicht, dass ein Dekret in Höhe von 55 Millionen Euro erst im Mai statt im April beschlossen wird“, schreibt der Corriere della Sera im Leitartikel.

    „Die Normen über den Wiederbeginn müssen klar sein, es darf keinen Streit darüber geben, ob nun die Gesundheit oder die Wirtschaft Vorrang haben. Und schon recht darf es keinen Wahlkampf geben. Jeder muss seinen Teil beitragen.“

    Mehr: Giuseppe Conte lockert Corona-Beschränkungen

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    1 Kommentar zu "Pandemie: „Phase 2“ beginnt: Italien wagt erste Schritte aus dem Corona-Lockdown"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wenn man sich die offiziellen Zahlen für Italien anschaut (https://lab.gedidigital.it/gedi-visual/2020/coronavirus-in-italia/) wird man feststellen, dass der erste Schritt "iorestoalacasa" mit der entsprechenden Verzögerung von 14 Tagen eine Umkehr der Infektionskurve bewirkt hat. Der totale Shutdown spiegelt sich nicht in der Infektionskurve wieder.
      Hat da Herr Conte die Bevölkerung und die Wirtschaft unnötig lange mit dem totalen Shutdown gequält?
      Umso wichtiger ist es, dass die italienische Regierung nun mutig das Volk aus dem Desaster befreit. Und vielleicht schauen auch unsere Politiker auf diese Zahlen und verstehen, dass nicht alle forsch eingeführten harten Maßnahmen, einen Effekt haben.

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