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Pandemie Russland hat Corona-Impfstoff zugelassen – Kritik aus der Wissenschaft

Das russische Gesundheitsministerium hat ein Mittel des Moskauer Gamaleja-Instituts freigegeben. Wissenschaftler sind skeptisch, wichtigen Testphasen wurden übersprungen.
11.08.2020 Update: 11.08.2020 - 11:38 Uhr 2 Kommentare

Russland vergibt weltweit erste Zulassung für Corona-Impfstoff

Moskau Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Dienstag die weltweit erste staatliche Zulassung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus bekanntgegeben. „Das russische Vakzin gegen das Coronavirus ist effektiv und bildet eine beständige Immunität“, sagte er der Agentur Interfax zufolge.

Die Registrierung sei am Dienstagmorgen erfolgt, hieß es. Eine seiner beiden Töchter habe sich schon impfen lassen, sagte Putin.

Der Impfstoff wurde vom staatlichen Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau entwickelt. Erst wenige Menschen haben ihn im Rahmen einer Studie erhalten. Eine Zulassung vor dem Vorliegen der Ergebnisse großer klinischer Studien widerspricht dem international üblichen Vorgehen.

So stellte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Vorfeld klar: „Jeder Impfstoff muss natürlich alle Versuchsreihen und Tests durchlaufen, bevor er genehmigt und ausgeliefert wird.“ Es gebe klare Richtlinien für die Entwicklung von Impfstoffen. Eine reguläre Zulassung ohne die umfangreichen Daten aus einer Phase-III-Prüfung mit mindestens mehreren tausend Probanden erscheine riskant, erklärte auch Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts.

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    In der Etappe könnten unter anderem mögliche seltene Nebenwirkungen detektiert werden. Die Zahl der Probanden betrage in der Regel mehrere Tausend bis Zehntausende. In Deutschland gibt es eine Zulassung erst nach Abschluss der letzten Phase.

    Putin betonte, alle notwendigen Tests seien erfolgt. Es sei nachgewiesen, dass das Mittel sicher sei. „Ich möchte wiederholen, dass es alle notwendigen Testes bestanden hat“, bekräftigte er. „Das Wichtigste ist, die völlige Sicherheit der Anwendung des Impfstoffs und seine Wirksamkeit sicher zu stellen.“

    Putin sagte nicht, welche seiner Töchter – Maria oder Katerina – geimpft worden ist. Sie habe zwei Spritzen mit dem Wirkstoff bekommen und fühle sich wohl. „Sie hat an dem Experiment teilgenommen.“

    Zum Verlauf sagte er, bei ihr sei am Tag der ersten Dosis eine erhöhte Temperatur von 38 Grad Celsius gemessen worden. Am nächsten Tag seien es knapp über 37 Grad gewesen. Nach der zweiten Spritze habe sie leicht erhöhte Temperatur gehabt, dann sei es vorbei gewesen. „Sie fühlt sich gut und hat eine hohe Zahl an Antikörpern“, berichtete Putin.

    Impfung beginnt in wenigen Wochen

    Russlands Gesundheitsminister Michael Muraschko erklärte, das Gamaleja-Institut und die Firma Winnopharm sollten das Medikament produzieren. Zuerst sollen Lehrer und Ärzte geimpft werden. Nach Behördenangaben beginnt die Impfung noch im August oder im September. Der Stoff solle auch ins Ausland exportiert werden. Unabhängig von der Zulassung läuft in Russland eine dritte Testphase.

    Weltweit wird in mehr als 170 Projekten nach Corona-Impfstoffen gesucht und mehrere Forscherteams haben vielversprechende Zwischenergebnisse veröffentlicht. Allerdings rechnen Experten generell mit einem marktfähigen Impfstoff zumeist erst im kommenden Jahr.

    Das Gamaleja-Institut hatte bereits im Mai mitgeteilt, einen Impfstoff entwickelt zu haben. Nach eigener Darstellung liefen die ersten Tests erfolgreich. Das Präparat wurde demnach an 50 Soldaten erprobt, die sich freiwillig gemeldet hätten. Russland hat bislang aber keine wissenschaftlichen Daten zu dem Impfstoff für eine unabhängige Bewertung veröffentlicht.

    Kremlchef Putin hatte schon früh Druck bei der Entwicklung gemacht. Nach Angaben von Muraschko wird derzeit ein zweiter Impfstoff gegen Sars-CoV-2 klinisch getestet. Weitere sollen folgen.

    Mehr: Moskau erlaubt Sonderflüge für die deutsche Wirtschaft.

    • dpa
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    2 Kommentare zu "Pandemie: Russland hat Corona-Impfstoff zugelassen – Kritik aus der Wissenschaft"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @ Helmut Oser

      Mit Vakzinen kennen sich die Russen auch hervorragend aus. Die russischen Ärzte sind zudem ganz besonders pflichtbewusst: als passende Sommerlektüre bei diesem heißen Wetter habe ich vor einigen Tagen zwecks Abkühlung "Der Schneesturm" von Vladimir Sorokin gelesen. Da riskiert ein russischer Landarzt sogar sein Leben, um mit Vakzinen in ein kleines Dorf zu gelangen und die Bewohner dort gegen die "bolivianische Pest" zu impfen, die diese zu Zombies mutieren lässt.
      Ich bin mir daher ziemlich sicher, dass die Russen auch die ersten sein werden, die einen Impstoff gegen Zombie-Firmen und Zombie-Staaten finden werden.

    • Russland ist damit das erste Land, dass ein Impfmittel gegen das Coronavirus zugelassen hat. Viele Wissenschaftler im In- und Ausland haben sich skeptisch dazu geäußert.
      Nun, vielleich haben in Russland auch die Wissenschaftler ihre Zeit nicht in Talkshows, mit Politik Beratung und der Vorstellung und Forderung obskurer Zwangsmaßnahmen gegen die Bevölkerung verbracht, sondern sind dem was Wissenschaftler auszeichnet, dem Forschen nachgegangen.
      Wie werden am Schluss sehen wer richtig lag, aber der erste Satz geht eindeutig an Russland.

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