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Hotelanlage auf Phuket

Ab Juli will das Urlaubsparadies wieder internationale Touristen empfangen.

(Foto: Reuters)

Pandemie Thailand plant den Neustart im Tourismus – doch das Urlaubsparadies steht vor großen Hürden

Der Asien-Pazifik-Raum droht mit seiner Abschottungsstrategie den Anschluss zu verlieren. Funktionierende Öffnungskonzepte gibt es nicht. Thailand wagt auf Phuket nun einen Versuch.
25.05.2021 - 12:13 Uhr Kommentieren

Bangkok Auf ihre wichtigste Einnahmequelle muss Thailands populärste Urlaubsinsel bereits lange verzichten. Seit März des vergangenen Jahres ist das Tropenparadies Phuket für internationale Touristen de facto unzugänglich – nur wer 14 Tage Quarantäne in einem Hotelzimmer über sich ergehen lässt, ist dort derzeit willkommen. Das soll sich nun aber ändern: Ab 1. Juli will die Ferienregion wieder ausländische Urlauber empfangen – sofern diese vollständig geimpft sind.

Sollte der Öffnungsplan auf Phuket funktionieren, hätte er nicht nur für den Rest von Thailand Vorbildwirkung: Zahlreiche Volkswirtschaften im Asien-Pazifik-Raum haben sich zu Beginn der Coronakrise international isoliert, um die Pandemie innerhalb der eigenen Landesgrenzen in den Griff zu bekommen. Bei der Viruseindämmung hat diese Strategie lange Zeit gut funktioniert. Doch die Rückkehr zur Normalität gestaltet sich als äußerst schwierig.

Während internationale Reisen in Europa und Amerika wieder anlaufen, gibt es bei den vorsichtigen Grenzöffnungsversuchen der „No Covid“-Länder wie Singapur und Australien Probleme. Auch Thailands Ende der Abschottung steht vor großen Hürden.

Denn um Phuket wieder zu einem Touristenmagneten werden zu lassen, haben sich die thailändischen Behörden ambitionierte Vorgaben gesetzt. Bis der erste Ferienflieger Anfang Juli wieder auf dem internationalen Flughafen der Insel landet, wollen sie 70 Prozent der lokalen Bevölkerung vollständig impfen – und damit Herdenimmunität erreichen. Dieses Ziel soll sowohl dafür sorgen, dass sich potenzielle Besucher auf Phuket sicher fühlen, und gleichzeitig garantieren, dass der Tourismusneustart für die rund 500.000 Inselbewohner keine Gesundheitsgefahren mit sich bringt.

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    Südostasien leidet unter Mangel an Impfdosen

    Doch die Zeit wird knapp: Etwas mehr als einen Monat vor dem geplanten Beginn von Thailands erster Urlaubssaison im Corona-Zeitalter ist ein Großteil der Bevölkerung noch ungeimpft: Vergangene Woche berichteten die lokalen Behörden auf Phuket von erst rund 132.000 Personen, die vollständig immunisiert worden sind.

    Ein Problem ist offenbar die Impfbereitschaft: Phukets Gouverneursamt kündigte deshalb vergangene Woche eine Kampagne an, bei der Staatsbedienstete von Tür zu Tür gehen sollen, um die Bewohner zu einer Impfung aufzufordern. Vertreter von Gesundheitseinrichtungen sehen die anstehenden Massenimpfungen in kurzer Zeit als Herausforderung.

    Unklar ist, was mit den Öffnungsplänen passiert, wenn Phuket die Impfziele verfehlt. Analysten rechnen damit, dass Verzögerungen drohen: „Thailands Plan, Phuket für geimpfte Touristen ab 1. Juli zu öffnen und das Programm im Oktober auf andere Provinzen wie Bangkok auszudehnen, erscheint uns als ambitioniert“, kommentierten Volkswirte der britischen Bank Barclays vergangene Woche. „Wir gehen davon aus, dass Phuket im September öffnen wird“, heißt es seitens der Analysten. „Wir erwarten, dass Bangkok erst spät im kommenden Jahr wieder geöffnet wird.“

    Impfdosen sind in Südostasien im Vergleich zu Europa und Amerika äußerst rar. In Thailand haben bisher erst zwei Millionen der rund 70 Millionen Einwohner mindestens eine Impfdosis erhalten – das sind rund drei Prozent der Bevölkerung.

    Dass Thailand die Grenzöffnung an die Impfraten koppelt, passt zu der großen Vorsicht, die viele Staaten im Asien-Pazifik-Raum im Umgang mit der Pandemie immer noch an den Tag legen. Die Länder, denen es gelang, die Infektionszahlen über Monate nahezu auf null zu drücken, weisen auch trotz mehrerer neuer Virusausbrüche immer noch vergleichsweise geringe Opferzahlen aus. So gibt es in Thailand und Australien seit Pandemiebeginn weniger als 1000 bestätigte Tote im Zusammenhang mit Corona. In Vietnam und Singapur sind es bisher weniger als 100.

    Doch mit den Erfolgen in der Pandemiebekämpfung sind auch die Erwartungen mit Blick auf die weitere Viruseindämmung gestiegen: „Die Ängste und Risikoabneigung sind aus meiner Sicht in Ländern, die gut durch die Krise gekommen sind, sogar gestiegen“, kommentierte Peter Collignon, Infektionskrankheitenexperte der Australian National University. „Eines der Probleme ist, wie man eine Mehrheit der Bevölkerung dazu bringt, ein gewisses Maß an Risiken zu akzeptieren.“

    Geplatzte Travel-Bubble zwischen Singapur und Hongkong

    Bisher hatten Versuche, den internationalen Reiseverkehr zu normalisieren und sich gleichzeitig vor dem Virus zu schützen, wenig Erfolg. Singapur und Hongkong versuchen seit November eine Travel-Bubble zu etablieren, die quarantänefreies Reisen zwischen den beiden Metropolen ermöglichen soll. Doch der Start der Initiative wurde wegen neuer Virusausbrüche mehrfach verschoben – auch der jüngste Termin am 26. Mai wurde wieder verworfen.

    Hintergrund sind die rigiden Vorgaben für die Initiative: Die Travel-Bubble soll nur zustande kommen, wenn es in keiner der beiden Millionenmetropolen innerhalb von einer Woche pro Tag durchschnittlich mehr als fünf neue Infektionsfälle gibt, die voneinander unabhängig sind. Weil das bisher nicht der Fall war, bleiben Asiens Finanzzentren noch weitgehend abgeschottet, während ihre Konkurrenten im globalen Standortwettbewerb, New York und London, wieder in Richtung Alltag steuern.

    Auch eine Vereinbarung über quarantänefreie Reisen zwischen Australien und Neuseeland wurde Anfang Mai nach nur wenigen Wochen wieder unterbrochen, nachdem in Sydney neue Infektionsfälle registriert worden waren. Für den Rest der Welt will die australische Regierung von Premierminister Scott Morrison die Grenzen erst wieder Mitte 2022 öffnen. Kritik daran – unter anderem aus der Reiseindustrie – schmetterte er vergangene Woche ab: „Wenn es um das Leben von Australiern geht, werde ich keine Risiken eingehen.“

    „Wenn es um das Leben von Australiern geht, werde ich keine Risiken eingehen.“ Quelle: AFP
    Scott Morrison

    „Wenn es um das Leben von Australiern geht, werde ich keine Risiken eingehen.“

    (Foto: AFP)

    Eine so kategorische Herangehensweise will man sich in Thailand nicht länger leisten. Das Land ist zwar gerade mit seiner bisher schwersten Corona-Welle konfrontiert – am Montag wurden 2700 Neuinfektionen erfasst –, steht aber auch unter wachsendem wirtschaftlichem Druck.

    In den ersten drei Monaten des Jahres schrumpfte die Wirtschaft des Urlaubslandes um 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – es war das fünfte Quartal in Folge mit negativem Wachstum. Das Ausbleiben der Touristenströme ist einer der Hauptgründe.

    Die nun geplanten Grenzöffnungen dürften vorerst aber nur wenig Abhilfe schaffen: Die Statistikbehörde rechnet für dieses Jahr mit lediglich 500.000 Besuchern aus dem Ausland. Vor der Coronakrise waren es noch 40 Millionen im Jahr.

    Mehr: Asiens Impfdesaster gefährdet den Aufschwung der Region

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