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Pandemie Türkische Bürger sollen Impfstoff aus China erhalten

Weltweit ist ein Rennen um Impfstoffe entbrannt – auch China und Russland wollen sich Marktanteile sichern. Ankara hat 50 Millionen Dosen des Unternehmens Sinovac bestellt.
03.12.2020 - 03:59 Uhr Kommentieren
Die türkische Regierung hat angekündigt, ab dem 11. Dezember mit der Impfung der Bevölkerung gegen das Coronavirus zu beginnen. Quelle: dpa
Corona-Impfstoff

Die türkische Regierung hat angekündigt, ab dem 11. Dezember mit der Impfung der Bevölkerung gegen das Coronavirus zu beginnen.

(Foto: dpa)

Istanbul, Moskau Die türkische Regierung hat angekündigt, ab dem 11. Dezember mit der Impfung der Bevölkerung gegen das neuartige Coronavirus zu beginnen. Als Impfstoff soll ein Produkt der chinesischen Firma Sinovac verabreicht werden, kündigte Gesundheitsminister Fahrettin Koca an.

„Wahrscheinlich werden wir noch diesen Monat 20 Millionen Dosen erhalten“, erklärte Koca vor Journalisten. Im Januar und Februar sollen demnach weitere 30 bis 40 Millionen Dosen aus China geliefert werden. Über einen Preis für den chinesischen Impfstoff machte die türkische Regierung keine Angaben. Jedoch solle die Bevölkerung umsonst geimpft werden, hatte Staatschef Recep Tayyip Erdogan angekündigt.

Auch der deutsche Impfstoffhersteller Biontech, der über seinen Partner Pfizer die EU-Mitgliedstaaten mit Millionen Impfdosen versorgen möchte, könnte bald die Türkei beliefern. „Wir befinden uns mit Pfizer wegen eines Impfstoffs in intensiven Verhandlungen“, erklärte Koca.

Weltweit forschen Pharmafirmen mit Hochdruck an Impfstoffen und Medikamenten gegen das neuartige Coronavirus. Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO befinden sich gegenwärtig rund 50 Impfstoffprojekte in der klinischen Entwicklung, davon mehr als zehn in der entscheidenden Phase 3 mit mehreren Tausend Probanden.

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    Während das Vereinigte Königreich am Dienstag grünes Licht für das Medikament von Biontech gegeben hatte, folgen nun weitere Länder und veröffentlichen Stichtage, ab denen die heimische Bevölkerung geimpft werden solle. Mit dem chinesischen Hersteller Sinovac hat sich die Türkei einen Lieferanten ausgesucht, der in der EU bisher keine größere Rolle gespielt hat.

    Auch Russland zieht das Tempo bei der Einführung seiner Impfstoffe noch einmal an. Moskau war ja bereits bei der Zulassung mit dem Serum Sputnik V im August weltweit Erster. Im Oktober erklärte Präsident Wladimir Putin dann die Registrierung des zweiten Impfstoffs EpiVakCorona. Nun soll die Massenproduktion anlaufen. In Russland und China wurden Impfstoffe bereits freigegeben, bevor Ergebnisse der entscheidenden Wirksamkeitsstudien vorlagen.

    Warum China und Russland auf der deutschen Liste fehlen

    Das Bundesgesundheitsministerium führt intern sechs Impfstoffkandidaten auf, die 2021 zugelassen werden könnten. Darunter sind neben dem von Biontech auch Medikamente von Astra-Zeneca, Johnson & Johnson, Moderna, Novavax sowie einer Kooperation von Sanofi und Glaxo-Smithkline gelistet.

    Der chinesische Kandidat von Sinovac fehlt auf dieser Liste. Das dürfte vor allem daran liegen, dass die Firma wie auch der russische Kandidat bei der Entwicklung ihres Impfstoffs nicht wie die anderen eng mit der europäischen Zulassungsbehörde Ema zusammengearbeitet haben.

    Der Impfstoff CoronaVac des chinesischen Biotechunternehmens befindet sich als einer von einer Handvoll chinesischen Impfstoffkandidaten in der klinischen Phase 3. Tests mit Tausenden Freiwilligen laufen in Indonesien, der Türkei und in Brasilien, einem der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder.

    Nach vorläufigen Studienergebnissen, die Mitte November veröffentlich wurden, erzeugte das Vakzin eine schnelle Immunantwort, das Level an Antikörpern lag aber unter dem von genesenen ehemaligen Covid-19-Patienten. CoronoVac gehört zu jenen Impfstoffen, die im Notfallprogramm der chinesischen Regierung bereits Zehntausenden Menschen vor Abschluss der klinischen Studien verabreicht wurden.

    Wettrennen um nationale Versorgung

    Die Bekanntgabe erster Impftermine zeigt einerseits, dass der Kampf gegen das neuartige Coronavirus weltweit schon bald in eine entscheidende Phase übertreten könnte. Andererseits zeigt sie auch, wie gespalten die Welt nun doch ist, was die Versorgung mit Impfstoffen angeht.

    Während vor allem westliche Spitzenpolitiker anfangs dafür geworben haben, einen möglichen Impfstoff weltweit und vor allem ärmeren Ländern zukommen zu lassen, ist inzwischen ein Wettrennen darum entstanden, möglichst rasch erst einmal die eigene Bevölkerung zu impfen.

    In der Türkei sind die Infektionszahlen nach einer breiten Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen im Sommer rapide gestiegen. Zuletzt meldete das Gesundheitsministerium über 30.000 Neuinfektionen pro Tag. Türkische Ärzteverbände reden von einem „Corona-Tsunami“, der auf das Land zurolle. Am Montag hatte Präsident Erdogan neue Maßnahmen verkündet. Dazu zählen Ausgangssperren ab 21 Uhr sowie während des kompletten Wochenendes.

    Die Türkei entwickelt parallel einen eigenen Impfstoff. Dieser soll laut Gesundheitsminister Koca im April 2021 zur Verfügung stehen. Derzeit läuft die erste Testphase für ein Medikament, das bessere Ergebnisse erzielt hatte als 15 weitere Kandidaten.

    Russland will asiatische Kunden für eigenen Wirkstoff gewinnen

    Russland will mit den Massenimpfungen bereits nächste Woche beginnen, kündigte Putin am Mittwoch an. Bei den russischen Streitkräften hingegen wird schon eifrig gespritzt. Zwar betonte Kremlsprecher Dmitri Peskow, die Impfung der eigenen Bevölkerung habe „absolute Priorität“ und der Impfstoff werde zuerst in Russland vergeben, doch natürlich schielen die Verantwortlichen auch auf Exportmöglichkeiten.

    Diese finden sich vor allem im asiatischen Raum. Neben China und Korea ist insbesondere Indien an dem Sputnik-Impfstoff interessiert. Der indische Pharmakonzern Dr. Reddy’s Laboratories hat zusammen mit dem russischen Fonds für Direktinvestitionen mit der Erprobung des russischen Serums begonnen. Die multizentrische Zufallsstudie soll Sicherheit und Immunwirkung des Impfstoffs bestätigen.

    Die Zweifel sind offenbar gering, denn Dr. Reddy’s Laboratories hat sich vorsorglich in Moskau schon einmal die Rechte an 100 Millionen Dosen des Stoffs gesichert, wobei das Unternehmen den Impfstoff dann in Indien selbst herstellen will. Insgesamt gibt es Pläne, dass sogar 300 Millionen Dosen des russischen Serums in indischen Bioreaktoren produziert werden.

    Interesse an dem im Vergleich zur westlichen Konkurrenz mit etwa zehn Dollar deutlich günstigeren russischen Impfstoff gibt es nicht nur in den Schwellenländern. Wie die regierungsnahe Tageszeitung „Iswestija“ am Mittwoch berichtete, prüft Ungarn den Erwerb ebenfalls. Ungarn hat bereits am 19. November als erstes EU-Land Muster des Impfstoffs bekommen.

    Nun haben ungarische Spezialisten in Moskau medizinische Einrichtungen und Produktionsstätten für das Serum besucht. Laut Alla Samoilowa, Chefin der Gesundheitsaufsichtsbehörde, sind die Ungarn „sehr interessiert“ an dem Stoff.

    Mehr: Warum Staaten die Impfstoffentwicklung nicht dem Markt überlassen sollten

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