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Pandemie Weißrusslands Präsident nennt Corona „Psychose“ – und verbreitet Verschwörungstheorien

Europas „letzter Diktator“ Lukaschenko hat eine ganz eigene Sicht auf die Pandemie – und verzichtet auf Zwangsmaßnahmen. Die bisherigen Opfer seien selbst schuld an ihrem Tod.
14.04.2020 - 13:09 Uhr Kommentieren
Der weißrussische Präsident hat so gut wie keine Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergriffen – und bezeichnet das Virus als eine „Psychose“. Quelle: AFP
Alexander Lukaschenko

Der weißrussische Präsident hat so gut wie keine Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergriffen – und bezeichnet das Virus als eine „Psychose“.

(Foto: AFP)

Moskau Es ist paradox: Ausgerechnet Alexander Lukaschenko präsentiert sich als Freiheitskämpfer. Weißrusslands Präsident hält trotz der Verbreitung von Covid-19 nichts von Quarantäne, Grenz- und Geschäftsschließungen. Selbst Maßnahmen zum Abstandhalten sind in Minsk nicht angesetzt.

Auf einer Regierungssitzung vor wenigen Tagen geriet der Staatschef richtig in Fahrt. Einige schlügen Zwangsmaßnahmen im Kampf gegen das Virus vor. „Das ist die leichteste Übung, das kriegen wir innerhalb eines Tages hin. Aber was werden wir dann fressen?“, ereiferte sich der 65-Jährige.

Der Langzeit-Präsident hat seine ganz eigene Sicht auf die Pandemie. Verglich er das Virus zunächst mit einer gewöhnlichen Grippe, so verbreitete er zuletzt Verschwörungstheorien und deutete an, dass das Virus von Menschenhand gezüchtet sei, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

Die Politiker in der ganzen Welt jedenfalls hätten die Lage für ihre Zwecke genutzt, so Lukaschenko, der die Ausgangssperre in Frankreich als Mittel zur Beendigung der Gelbwesten-Proteste ansieht. Weißrussland könne sich auf dieses Spiel nicht einlassen. Zu groß seien die wirtschaftlichen Verluste der „Corona-Psychose“, klagte Lukaschenko. Einen Shutdown der Wirtschaft werde das Land nicht überleben, so sein pragmatisches Fazit.

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    Tatsächlich hat Minsk auch ohne eigene Einschränkungen der Wirtschaftstätigkeit hart mit den derzeitigen Umständen zu kämpfen. Die Weltbank hat jüngst ihren Ausblick zur Wirtschaftsentwicklung verschlechtert.

    Lukaschenko empfiehlt den Schulbesuch

    Wegen der Pandemie werde das BIP nicht um ein Prozent wachsen, sondern um vier Prozent fallen. Das würde selbst dann eintreten, wenn Russland seine Öllieferungen an den Nachbarn zu günstigen Preisen wieder aufnehmen sollte, so die Weltbank. Denn der Export Weißrusslands in die EU und nach Russland werde deutlich einbrechen, prognostiziert das Institut.

    Daher versucht Lukaschenko wenigstens innerhalb des Landes Wirtschaft und soziales Leben weiter am Laufen zu halten. Die Geschäfte haben geöffnet, die Schulen sind in Betrieb. Lukaschenko stellt es den Eltern frei, ihr Kind zur Schule zu schicken.

    Er selbst empfiehlt den Schulbesuch, schließlich sei noch kein Kind an der Krankheit gestorben. Selbst die Fußballliga spielt – und profitiert dabei vom plötzlichen Interesse ausländischer Sportsender, die die Spiele in Länder übertragen, in denen der Spielbetrieb ruht.

    Lukaschenko stellt öffentlich zur Schau, dass er keine Angst vor einer Ansteckung hat. Während seine Amtskollegen von Wladimir Putin bis zu Angela Merkel ihre Regierungsgeschäfte weitgehend per Video- und Telefonschalten abwickeln, reist Lukaschenko unbeirrt durchs Land, besichtigt Betriebe, hält Pressekonferenzen und Regierungssitzungen ab.

    Vor wenigen Tagen erst nahm der seit 1994 amtierende Präsident an einem Amateurturnier im Eishockey, seinem Lieblingssport, teil. Standesgemäß gewann sein Team das Finale gegen eine Auswahl des Minsker Umlands haushoch, wobei sowohl Lukaschenko als auch sein Sohn jeweils eine Torvorlage beisteuerten. Die gute physische Form des in Minsk „Batjka“ („Vater“) Genannten sahen Tausende Zuschauer.

    Hilfegesuch an EU beim Kauf von Medizingütern

    Laut den Behörden gibt es auch kaum Grund zur Sorge. Formell ist die Situation unter Kontrolle. Erste Fälle einer Ansteckung mit dem Sars-CoV-2 gab es Mitte März. Inzwischen sind es laut offizieller Statistik 2919 Infizierte. Ein Zuwachs von 341 Personen verzeichneten die Behörden am Ostermontag, während die Zahl der Todesopfer um drei auf 29 stieg.

    Wie aussagekräftig Statistiken in einem Land sind, dessen Präsident 2015 bei einer Wahlbeteiligung von angeblich fast 90 Prozent über 80 Prozent der Stimmberechtigten in seine fünfte Amtszeit wählten und der anschließend davon sprach, die Ergebnisse zugunsten seiner Gegner gefälscht zu haben, sei dahingestellt.

    Klar ist: Die Zahl der Tests pro Kopf liegt deutlich unter deutschem, österreichischem und sogar russischem Niveau, allerdings beim Zehnfachen der Ukraine. Tests vom Nachbarn Russland zu kaufen, dessen Abschottungspolitik er in der Krise scharf kritisiert, lehnt Lukaschenko ab. Etwas merkwürdig wirkt dabei, dass Minsk nach Angaben des Außenministeriums bei der EU Hilfe für den Ankauf von medizinischen Präparaten und Schutzkleidung im Kampf gegen das Coronavirus erbeten hat.

    Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt unterdessen, dass Minsk zu wenig tue, um die Ausbreitung der Epidemie einzudämmen. Es sei nötig, Massenveranstaltungen abzusagen, die Menschen zur Distanz anzuhalten und verstärkt auf das Virus zu testen, um einen steilen Anstieg der Kranken- und Opferzahlen zu vermeiden.

    Doch Lukaschenko bleibt zumindest in der Öffentlichkeit bei seiner These. Am Coronavirus selbst sei noch niemand gestorben, versicherte er am Montag. Die bisherigen Opfer seien selbst schuld an ihrem Tod, sie hätten sich der Psychose ergeben und aufgehört zu kämpfen, so Lukaschenkos Erklärung.

    Mehr: In New York scheint sich die Corona-Katastrophe glimpflicher zu entwickeln als befürchtet. Doch wird nun klar, wie lange der US-Präsident Warnungen ignoriert hat.

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