Papademos „Auch die radikale Linke ist gesprächsbereit“

Öffentlich lehnt der Alexis Tsipras, Chef von Griechenlands radikaler Linken, die Bedingungen der EU-Kredite ab. Reine Ablenkung, sagt Regierungschef Papademos. Die Linke sei durchaus zur Kooperation bereit.
Update: 07.06.2012 - 12:21 Uhr 16 Kommentare
Regierungschef Papademos hält den Dialog mit der EU auch bei einem Wahlsieg der Linken für möglich. Quelle: dapd

Regierungschef Papademos hält den Dialog mit der EU auch bei einem Wahlsieg der Linken für möglich.

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Kopenhagen/AthenNach Ansicht des bis vor kurzem amtierenden griechischen Staatschefs Lukas Papademos bleibt auch bei einem Wahlsieg der Linken in Griechenland die „Tür offen“ für Gespräche mit der EU. Alexis Tsipras der Parteiführer der linken Partei Syriza, vertrete gegenüber seinen Landsleuten zwar eine sehr radikale Sprache. „Aber wenn er mit ausländischen Politikern oder Diplomaten spricht, gibt er sich weitaus flexibler“, sagte Papademos am Rand der Tagung des Großbankenverbands IIF in Kopenhagen.

„Er ist im Parlament sehr aggressiv, und er seinen Anhängern verspricht er, die Bedingungen der EU für weitere Kredite rundweg abzulehnen“, sagte Papademos. „Aber gegenüber Ausländern betont er nur, dass man über die Bedingungen noch einmal reden müsse.“ Und damit unterscheidet sich Tsipras nach Auffassung von Papademos grundsätzlich gar nicht so stark von den Vertretern der etablierten Parteien. Denn auch die Führer der demokratischen Nea Dimokratia und der gemäßigt linken Pasok wollten über die Kreditbedingungen noch einmal reden – ein Standpunkt, der bei bei Philip Suttle, dem Chef-Ökonom des IIF, im übrigen durchaus auf Verständnis stieß, wie er bei einer Diskussion durchblicken ließ.

Die Einschätzung von Papademos bedeutet, dass auch bei einem Sieg der Radikalen die politische Entwicklung nicht eskalieren und so auf einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone, den die meisten Griechen ja ohnehin nicht wollen, hinauslaufen muss. Papademos rechnet mit einem sehr knappen Ausgang der Wahl am 17. Juni. Nach seiner Einschätzung haben die etablierten Parteien aber zurzeit einen leichten Vorsprung.

Während der griechische Staatschef in Kopenhagen weilt, ist die Arbeitslosigkeit in seiner Heimat auf ein Rekordhoch geschossen. Die Arbeitslosenquote stieg im März auf 21,9 Prozent von 21,4 Prozent im Vormonat, teilte das Statistikamt am Donnerstag mit. Sie ist damit doppelt so hoch wie der Durchschnitt der Euro-Zone. Nur in Spanien liegt der Wert noch höher.

Eine rasche Trendwende ist nicht in Sicht. Erst 2013 dürfte die Wirtschaft ihre harte Schrumpfkur nach Prognose der EU-Kommission beenden und zumindest stagnieren. In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt um 4,7 Prozent einbrechen. "Die verfügbaren Einkommen werden durch die steigende Arbeitslosigkeit gedrückt, Lohnsenkungen und Steuererhöhungen lasten ebenfalls auf der Binnennachfrage", sagt die EU-Kommission voraus.


Mit Material von Reuters.

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16 Kommentare zu "Papademos: „Auch die radikale Linke ist gesprächsbereit“"

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  • Es geht hier nur darum, die Griechen im € zu behalten, ohne das Gesicht zu verlieren. Und warum? Weil man dann die Steuerzahler weiter zur Kasse bitten kann mit weiteren Rettungspaketen. Nur so fließt das Geld weiter an die Banken. Die Griechen selbst könnten ja gar nicht bezahlen und wenn die Drachme käme, würden sie ihre Verbindlichkeiten auf Drachme umstellen. Dann hätten die Gläubiger unfreiwillig an einem weiteren Schuldenschnitt teilgenommen. DAS wollen unsere bankenfreundlichen Regierungen verhindern. Und deshalb müssen WIR bezahlen. Damit die Banken ihren Spieleinsatz bekommen.
    Die Griechen müssen so oder so sparen, ob mit oder ohne Troika. Da versuchen sie doch wenigstens, sich der Demütigung durch die EU (so empfinden sie es) zu entziehen und sich die Demütigung wenigstens nur selbst zuzufügen. Und wenn dazu die Drachme unumgänglich ist, dann ist es ihnen inzwischen auch egal. Viele haben ja keine Euros mehr auf der Bank, die sie verlieren würden und die noch nicht abbezahlten Immobilien sind sowieso schon der Bank übereignet.
    Dann wählt man eben Syriza.

  • ein reines ablenkungsmanöver ist das von dem kerl. der sieht seine fälle wegschwimmen und die wahl zu verlieren, das ist es. also wird noch schnell die syriza diskreditiert. denn jedes register wird gezogen um die griechen in die knie zu zwingen, nur werden diese machenschaften durchschaut, der lügner und betrüger.
    tsipras/syriza hat sehr wohl einen plan, mit dem er die eu ausklinken kann. nur wird nicht verraten und das ärgert die abgewählten.

  • Nicht mit meinen hart erarbeiteten Steuergeldern, und nicht auf Kosten der Zukunft der Deutschen! Deutschland hat schon genug Schulden und Probleme und lenkt davon ab, indem es sich aufschwingt, die ganze Welt retten zu wollen, und koste es die deutsche Zukunft. Schon jetzt belaufen sich die Schulden auf 2 Billonen! Und die griechischen Oligarchen zahlen noch immer keine Steuern, kaufen aber in den deutschen Großstädten massenhaft Immobilien und treiben so auf Kosten der dämlichen deutschen Steuerzahler die Preise hoch. Blöder als wir Deutschen sind, geht's wirklich nicht. Es reicht!

  • @Domenq

    "Nicht die Pleite schreckt mich; es sind Diktatur und Hilflosigkeit."

    leider zu recht, werter Domenq!
    In meinem Aufsatz "Abyssus abyssum invocat" habe ich versucht, mich diesen Thema zu nähern.
    http://www.fortunanetz.de

  • Ehrlich gesagt, mich interessiert es immer weniger, was mit Griechenland los ist. Und ob und was der Tsipras genau will, ist mir auch total egal. Und wie da am 17. gewählt wird, interessiert mich eigentlich auch nicht. Soll man doch in Griechenland tun, was man will. Und worüber sollte man eigentlich reden? Entschuldigung, aber nach einer gewissen Weile wird diese Soap opera langweilig.
    Das Einzige, was mich interessiert, ist die Verwendung deutscher Steuergelder und da bin ich in der Zwischenzeit stinksauer.

  • FDP, CDU , Grüne, alle werden sie letztendlich bezahlen, aber den deutschen Bürger werden sie herzlos und alternativlos ausnehmen. Wahnsinn, diese Versager !

  • Aber das Problem mit Tsipras und Co. ist doch, dass sie keinerlei ernsthafte Reformen wollen - selbst noch ihre Drohungen an die griechische Oberschicht, sie endlich zur Kasse zu bitten, ist meiner Meinung nach bloßes Geschwätz - "eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus", und solange die dummen Nordeuropäer weiter zahlen lässt es sich immer noch ganz gut leben ... Also wird nach dem 17. Juni weiter palavert und abgezockt werden.

  • PAPPERLAPAPP - GRIECHENLAND IST PLEITE!
    Der deutsche Staatsbürger sollte sein Augenmerk verstärkt auf die deutsche Regierungsverantwortlichkeit richten und weniger auf den unweigerlich im Sumpf versinkenden Kontrahenten. Denn das genau ist Griechenland geworden: Ein Kontrahent.
    PACTA SUNT SERVANDA

  • Papademos hat recht. Das Problem ist, dass Sparen allein nicht hilft. Sicherlich muss ein positiver Primärsaldo im Staatshaushalt her. Damit ist aber das Problem des Leistungsbilanzdefizits immer noch nicht gelöst, dass anzeigt, dass eine Auslandsverschuldung mindestens von privat erfolgt. Auch die vollständige Insolvenz des Landes kann die ungünstigen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft nicht beseitigen (Korruption, Vetternwirtschaft, Schlamperei als subjektive Probleme, Nichtfunktionieren des Banksektors bei Kreditvergabe und Finanzierung von Unternehmen z.B. als objektives Problem). Man wird den Staat und das griechische Volk nicht von einen Tag auf den anderen umstürzen können. Vielleicht wäre Sonderwirtschaftszonen vor den Toren von Athen und Saloniki mit eigener funktionierender Verwaltung, Logistik, Energieversorgung usw. eine kurzfristige Lösung. Schon der Aufbau würde die dringend benötigten Arbeitsplätze schaffen. Eine eigene Bank wäre mit Sicherheit auch hilfreich, eben Klein-Hongkong und Klein-Singapur.

  • Gesprächsbereit? Ich wüsste nicht, was es noch zu besprechen gibt. Es wurde alles gesagt, die Vorgaben sind klar. Wenn die Griechen nun meinen, Vereinbarungen nicht mehr einhalten zu wollen, bitte schön. Aber nicht innerhalb der Eurozone.

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