Papoulias rügt Schäuble Griechen begehren gegen „deutsches Spardiktat“ auf

Griechenlands Präsident Papoulias reagiert empört auf Schäubles Aussage über mangelnde Reformbemühungen Athens. Damit spricht er aus, was viele Griechen denken: Der deutsche Sparkurs treibe die Griechen in die Armut.
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Eine griechische Zeitung stellt Angela Merkel als Nazi da und titelt mit der abgewandelten Inschrift des Konzentrationslager Auschwitz !"Arbeit macht frei". Quelle: dpa

Eine griechische Zeitung stellt Angela Merkel als Nazi da und titelt mit der abgewandelten Inschrift des Konzentrationslager Auschwitz !"Arbeit macht frei".

(Foto: dpa)

AthenDie Schuldenkrise treibt einen immer tieferen Keil zwischen Athen und Berlin. Für die schwere Rezession, die Monat für Monat Zehntausende Arbeitsplätze vernichtet und bereits zahllose Menschen in die Armut trieb, machen viele Griechen vor allem das „deutsche Spardiktat“ verantwortlich. Griechenlands Staatsoberhaupt hat zwar nur repräsentative Kompetenzen, aber wenn Präsident Karolos Papoulias spricht, horcht das Land auf. Das war besonders am Mittwoch so, als der 83-jährige Papoulias anlässlich eines Besuchs im Athener Verteidigungsministerium sichtlich erregt seinem Ärger Luft machte: „Wer ist Herr Schäuble?“, fragte Papoulias. „Ich lasse nicht zu, dass Herr Schäuble meine Heimat beleidigt.“ Der griechische Staatspräsident spielte damit offenbar auf ein Rundfunkinterview an, in dem Schäuble kurz zuvor tiefes Misstrauen gegenüber den griechischen Sparversprechen erkennen ließ: Man könne sich nicht sicher sein, dass Griechenland auch zu dem stehe, was es jetzt verspreche.

Der Bundesfinanzminister bezeichnete die für April geplanten Parlamentswahlen in Griechenland als „sehr bedenklich“ und regte an, in Athen eine Technokratenregierung nach italienischem Vorbild einzusetzen. Papoulias dazu: als Grieche könne er nicht zulassen, dass sein Land beleidigt werde.

Papoulias Worte haben umso mehr Gewicht, als sein Lebensweg eng mit Deutschland verwoben ist: Als 14-Jähriger schloss er sich in seiner nordgriechischen Heimat Epirus den Partisanen an, die gegen die deutschen Besatzer kämpften. „Wir sind stolz darauf, dass wir nicht nur unser Land verteidigt, sondern stets auch für die Freiheit Europas gekämpft haben“, sagte Papoulias. Aus dem Widerstandskämpfer gegen die Wehrmacht wurde später ein Freund der Deutschen: Papoulias studierte in München Jura und promovierte in Köln bei dem renommierten Rechtswissenschaftler Gerhard Kegel. In Deutschland fand Papoulias während der Obristendiktatur Asyl. Als Mitarbeiter des griechischen Programms der Deutschen Welle war er in jenen Jahren für viele Griechen in der Heimat eine ermutigende Stimme der Freiheit.

Nicht nur Papoulias ist empört über Schäuble. Auch die frühere griechische Außenministerin Dora Bakogianni, die während der Militärdiktatur unter anderem in München lebte, meldete sich am Donnerstag zu Wort: „Es hilft uns Griechen nicht, wenn Herr Schäuble uns sagt, was für eine Regierung wir haben sollen“, sagte Bakogianni im Deutschlandradio. Griechenland habe trotz aller Versäumnisse Respekt verdient. „Könnte sich ein Land in Europa vorstellen, den Deutschen zu diktieren, was für eine Regierung sie haben werden? So weit geht es ja nicht!“, sagte die Politikerin. „Aussagen, die Griechenland beleidigen, helfen nur den Kommunisten und den Ultrarechten“, nicht aber den pro-europäischen Kräften, warnte Bakogianni.

„Solche Aussagen helfen nur Kommunisten und Ultrarechten“
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60 Kommentare zu "Papoulias rügt Schäuble: Griechen begehren gegen „deutsches Spardiktat“ auf"

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  • Es geht nicht um die Rettung von Hellas sondern um die Rettung der immensen Gewinne von Banken, Hedgefonds etc. Die Griechen sehen von dem Hilfspaket keinen Cent. Das Sparpaket trifft die kleinen Leute. Es fehlen Medikamente für Kinder und Alte weil die Spekulanten zuerst ihr Geld kriegen sollen. Das ist nicht vermittelbar für diejenigen die um das nackte überleben kämpfen müssen.

  • Wenn ein paar Idioten in Griechenland Deutsche Fahnen verbrennen oder Boulevardzeitungen Kanzlerin Merkel in Nazi-Uniform abbilden dann ist das genau so wenig repräsentativ für die Hellenen als wenn in Deutschland einige 100 Idioten am 20. April marschieren oder Bild wieder irgendwelche hohle und hirnlose Phrasen auf die Titelseite bringt.

  • Wenn ein paar Idioten in Griechenland Deutsche Fahnen verbrennen oder Boulevardzeitungen Kanzlerin Merkel in Nazi-Uniform abbilden dann ist das genau so wenig repräsentativ für die Hellenen als wenn in Deutschland einige 100 Idioten am 20. April marschieren oder Bild wieder irgendwelche hohle und hirnlose Phrasen auf die Titelseite bringt. Fakt ist dass an der richtigen Stelle gespart und reformiert werden muss. Das braucht Zeit. Auf der anderen Seite braucht das Land einen Schuldenerlass und einen Marschallplan. Wie Deutschland übrigens auch erhalten hat.

  • Wenn man ohne Arbeit reich werden kann und Vermögen einfach so vom Himmel fällt, dann mach´s doch auch. Was hält dich davon ab?

  • Der Papoulias kostet, nur für sein Erscheinen im gr. Parlament, jedes Jahr 350.000 Euro. Macht er währenddessen ein Nickerchen, interessiert das keinen. Welche Einnahmen er nebenbei hat...? Griechischer Beamer halt! Die teilen sich seit Jahrzehnten das ganze Land untereinander auf. Er sollte nicht vergessen wer Schäuble ist. Nämlich der, der sein monatliches Einkommen sichert.
    In den Staatsbetrieben werden die Partei-Handlanger immer noch durchgefüttert. So ein Mitarbeiter bekommt locker monatlich 3500 Euro. Nun haben sie denen 500 Euro gekürzt und gehen auf die Straße um großes Theater zu machen. Währenddessen wird der Mittelstand und die normale Bevölkerung abgewürgt. Solange es diese Beamten und Politiker in GR gibt, die alles blockieren, wird sich in GR auch nichts ändern. Erst müssen die staatlichen Betriebe aufgelöst werden und die Beamten entlassen werden, damit alle Schleusen geöffnet werden können und die Freigeister in GR Fahrt aufnehmen können.

  • Das ist der Hammer!!
    Sich in den "Euro" reinschmuggeln. Dann alles den Bach runtergehen lassen. Und wenn dann gesagt wird "ihr müsst sparen", auch noch beleidigt sein. Als nächstes Deutschlandfahnen verbrennen, die Kanzlerin und Minister Schäuble in übelster Form diffamieren. Irgendwo hat die Unverschämtheit ein Ende - nämlich jetzt! Kein Geld mehr für Griechenland!! Wer denkt denn mal an das eigene Volk? Und Urlaub bei denen? Mit Sicherheit nicht mehr. Da ist die Niederlande, Finnland oder die Türkei weit besser!

  • Wen das alles ist was den Griechen zu ihrer Situation einfällt, hat die BRD-Regierung alle finanziellen Zusagen an Griechenland sofort zurück zu nehmen, basta.
    Beleidigen oder verunglimpfen brauchen wir deutschen Steuerzahler uns von niemand.
    Keine Griechischen Arbeitssuchende in das Nazi-Land BRD aus Griechenland.
    Danke

  • Wenn nur die bekannten Fakten zusammengezählt werden, kommt zwangsläufig die Erkenntnis, dass die von den europäischen Politikern abgezogene Show nur dazu dient, von der eigenen und extremen Verschuldung abzulenken. Das kleine, unbedeutende Griechenland ist der Sündenbock und hat den "schwarzen Peter". Unbestreitbar ist im Staate Griechenland vieles faul; aber schon lange vorher bekannt. Betrogen werden bei diesem menschenunwürdigem Spektakel die armen Schweine in Griechenland, die eben keinen EURO ins Ausland transferieren konnten oder nicht bein Staat angestellt waren. Bei der Rückkehr zum Drachme werden diese hinterzogenen Steuer-Milliarden - nun als Hartwährung - gewinnbringend investiert. Wie dumm muss ein Mensch heute sein, um zu vergessen, dass die Retterin Merkel just vor 2 Jahren durch ihr lavieren (um nicht im Mai 2009 die Wahl in Nordrhein-Westfalen zu verlieren) die Krise in dieser Form mit ausgelöst hat. Um an der Macht zu bleiben, ist der Politik (oder einer Partei) alles recht. Menschen spielen dabei ohnehin nur eine Nebenrolle. Inwieweit die Presse, nach Schlagzeilen heischend, noch objektiv berichtet, oder das Feuer noch schürt, ist schwer zu durchschauen. Wie wäre es denn, wenn griechische Vermögen in der Schweiz eingefroren werden und jeder Kontoinhaber die Herkunft nachweisen müßte. Es käme Erstaunliches zu Tage.

  • Aber ich würde mir wünschen, dass mehr CEOs der Industrie den Mund aufmachen, so wie Herr Fehrenbach von Bosch vor wenigen Tagen,und auf den Unsinn weiterer Rettungsschirme und Erhöhungen derselben hinzuweisen. Leider sind Ackermann und Konsorten zu sehr Partei mit Eigeninteressen und unsere Politiker nicht nur Nichtfachleute, sondern auch noch dem Druck von anderen Schuldnerländern und Außenstehenden mit Interessen wie GB ausgesetzt.

  • Hätte Wulff EINEN Funken Ehre, würde er spätestens jetzt die Konsequenzen ziehen.

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