Papst-Rücktritt Benedikt hinterlässt einige offene Baustellen

Papst Benedikt XVI. war ein Bewahrer, kein Reformer. In die Krisen seiner Kirche griff er ein, anderes blieb liegen. Den nächsten Papst erwarten teils alte Probleme, er muss auf Reformstau und Glaubenstief reagieren.
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Am 28. Februar um 20 Uhr endet die Amtszeit von Papst Benedikt XVI. Quelle: AFP

Am 28. Februar um 20 Uhr endet die Amtszeit von Papst Benedikt XVI.

(Foto: AFP)

RomSein Pontifikat war eines der tiefen Krisen, eine Reform seiner Kirche und ihres bürokratischen „Kopfes“ in Rom blieb aus. Benedikt XVI. gab am Aschermittwoch der katholischen Weltkirche aber noch dringend auf den Weg, wo sein Nachfolger ansetzen müsse: Er geißelte „Sünden gegen die Einheit der Kirche, die Spaltungen im Leib der Kirche“. „Individualismen und Rivalitäten zu überwinden“, das ist ein wieder und wieder formuliertes Anliegen des 85-jährigen Joseph Ratzinger.

Wobei die Weltkirche der 1,2 Milliarden Gläubigen nicht nur eine Reform der römischen Kurie und ihrer „Regierungsfähigkeit“ braucht. Auf jedem Kontinent stehen die Katholiken auch vor anderen Problemen. Der neue Pontifex müsste dann all dieses zusammenführen.

„Die kirchlichen Institutionen müssen die Evangelisierungsaktion unterstützen und nicht bremsen.“ Kämpferisch gibt der einflussreiche südafrikanische Kardinal Wilfried Fox Napier seine Richtung vor. „Zu häufig gibt die Kurie nach außen mehr ein Bild des Karrierismus ab, sie steht weniger für den Dienst an den Gläubigen“, spricht sich der Franziskaner Napier für eine starke spirituelle Erneuerung aus. Nach dem „Vatileaks“-Skandal von 2012, in dem es doch gerade auch um die Intrigen und Machtkämpfe im Vatikan ging, braucht Rom eine neue Ära.

Fortschritte in der Ökumene, Lockerungen bei der Sexualmoral, eine stärkere Rolle der Frauen in der Kirche und die Zölibatsfrage bei den Priestern - das sind einige der vielen „europäischen“ Anliegen an den nächsten Papst. In der zweiten Märzhälfte blicken allerdings Gläubige von fünf Kontinenten auf die Papst-Wahl. In Lateinamerika lebt der katholische Glaube weit stärker als in manch anderer Weltregion. Der Kontinent erwartet den neuen Pontifex zum Weltjugendtag im Juli in Rio de Janeiro – ein sehr wichtiger erster Auftritt vor Millionen von Gläubigen. Drogenhandel, Gewalt, Armut und Korruption sind Probleme, für die auch die Kirche Antworten anbieten muss. Pfingstkirchen und andere aggressive religiöse Gruppen setzen der Mission der Kirche zu.

Wer kann Papst?
Benedict XVI
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Der 28. Februar wird der letzte Arbeitstag von Papst Benedikt XVI. Während er seinen Rückzug vorbereitet, läuft die Suche nach einem Nachfolger bereits auf Hochtouren. Mehrere Kandidaten werden gehandelt.

Mögliche Papst-Nachfolger - Wiener Erzbischof Schönborn
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Christoph Schönborn: Der Erzbischof von Wien ist ein sanftmütig sprechender Konservativer, der auch solchen zuhört, die Reformen fordern. Auf ihn könnte die Wahl fallen, wenn ein Kandidat gesucht wird, der die meisten der rund eine Milliarde Katholiken weltweit anspricht. Der 68-Jährige zeigte wenig Toleranz im Skandal um missbrauchte Kinder in der Kirche. Er selbst stieg in der kirchlichen Hierarchie auf, nachdem sein Vorgänger nach Vorwürfen der Pädophilie vor 18 Jahren das Amt abgab. Sein größter Nachteil könnte die österreichische Nationalität sein: Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Kardinäle nach Benedikt XVI. einen weiteren deutschsprachigen Papst küren.

Milan's archbishop holds a mass
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Angelo Scola: Der 71-Jährige gilt als aussichtsreicher Anwärter für einen italienischen Papst. Der Erzbischof von Mailand und Patriarch von Venedig wurde schon vor der Wahl von Benedikt XVI. als chancenreicher Kandidat genannt. Mailand ist die größte und einflussreichste Diözese in Italien. Kirchenpolitisch gilt Scola als konservativer Traditionalist.

Gianfranco Ravasi, Angelo Sodano
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Gianfranco Ravasi: Der Kultusminister des Vatikans ist ein versierter Wissenschaftler mit modernem Touch - genau die Kombination, die viele Gläubige als ideal betrachten, um die Kirche angesichts jüngster Skandale und einer schrumpfenden Herde wieder zu erneuern. Der 70-Jährige Bibelexperte verfügt über eine umfangreiche Fremdsprachen-Kompetenz: Ravasi twittert auf Englisch, chattet auf Italienisch und hat sein Publikum in mehreren Reden mit einem flinken Wechsel vom Hebräischen ins Arabische beeindruckt.

Mögliche Papst-Nachfolger - Kardinal Angelo Bagnasco
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Angelo Bagnasco: Der Erzbischof von Genua ist Vorsitzender der mächtigen italienischen Bischofskonferenz. Beide Positionen verschaffen ihm einen außergewöhnlichen Einfluss im Konklave, in dem die Italiener den größten Länder-Block stellen. Dies könnte seine Chancen bei der Papstwahl steigern, wenn das Konklave dazu tendiert, den Heiligen Stuhl wieder in italienische Hände zu übergeben. Der 70-Jährige hat das passende Alter. Allerdings spricht sein Mangel an internationaler Erfahrung gegen ihn.

Cardinal Bertone conducts a mass for the 900th anniversary of the Order of the Knights of Malta at the St. Peter Basilica in Vatican
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Tarcisio Bertone war Benedikts „Regierungschef“ und ist im Vatikan nicht unumstritten. Der aus der Region Turin stammende Bertone ist 78 Jahre alt und als Kardinalstaatssekretär so etwas wie die rechte Hand des Papstes. Bertone gilt als volksnah und aufgeschlossen. Er ist seit 2007 auch Camerlengo (Kardinalkämmerer).

President of the Pontifical Council for Inter-Religious DialogueJean-Louis Tauran
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Aus Frankreich kommt Jean-Louis Tauran. Der 69-Jährige leitet den päpstlichen Rat für interreligiösen Dialog. Hier unterhält er sich mit dem Sikh-Priester Giani Gurbachan Singh.

„Religiöser Kriegszustand voller Angst“
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6 Kommentare zu "Papst-Rücktritt: Benedikt hinterlässt einige offene Baustellen"

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  • Shalom e Spiritus Sancti Vatikan,God bless Yisrael!!!

    Bedenkt,Satan fälscht Namen und Geburtort und hat sich mit der Justiz gegen Euch verbündet,mit dem einbezog der Justiz in Vatikan Angelegenheiten haben Sie die Tür für Satan geöffnet,ich hoffe der Nächste Pontifex kann sie wieder schließen.

  • Was zum Beispiel? Global warming? Homo-ehe? S21? Es gab schon immer Mehrheiten und Minderheiten. Aber noch nie wurde es bewiesen, daß Mehrheiten sinnvolleres dachten, wenn überhaupt.

  • ABER PAPSTMESSE , vom 13.02.2013 , GEBEN NICHT ALS WORTE und DAS WAR WICHTIG FÜR Menschheit ALS WAHRHEIT . Mediensklaven sind . . . .


    SICH Gott
    Frank Frädrich

  • das ist ein wieder und wieder formuliertes Anliegen des 85-jährigen Joseph Ratzinger.
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    Ist der Autor in Bezug auf den Heiligen Vater schon bei "Joseph Ratzinger" angelangt? Man sollte Ihnen die Fre*** polieren!

  • Nun muß auch mal Schluß sein mit der Märchentruppe, denn sie sind nur eine Minderheit. Der überwiegende Teil der Menschheit hat einen anderen Glauben oder sind Atheisten, es gibt wichtigeres auf der Welt, als sich über Tage mit so etwas zu beschäftigen.

  • ACH Gott , VERTRAUEN MUSS man sich VERDIENEN und IST VETRAUEN WECK , DURCH TATEN , KANN man NUR NOCH MIT WISSEN GEBEN sich ERKLÄREN aber WISSEN WIRD NICHT VON GLAUBEN GESCHLAGEN UND BEWEIS ?? NUR TATEN. WENN GLAUBE NICHT MAL WEISS " WEM " DIENT . . . . . und ZU GÖTTER MACHEN SOLL !!!

    SICH Gott
    Frank Frädrich

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