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Papst vor US-Kongress Franziskus kritisiert Waffenlieferungen und Todesstrafe

Papst Franziskus spart vor dem US-Kongress nicht mit klaren Worten, prangert Waffenhandel an und äußert sich zur Flüchtlingskrise. Doch bei einigen strittigen Fragen hält sich der Argentinier zurück.
24.09.2015 - 17:41 Uhr

„Die Todesstrafe gehört abgeschafft!“

Washington Papst Franziskus hat in seiner historischen Rede vor dem US-Kongress mit scharfen Worten Waffenlieferungen und die Todesstrafe kritisiert. Der Export von Waffen an Akteure, die planten, „Einzelnen und Gesellschaften unsägliches Leid zuzufügen“, geschehe „einfach um des Geldes willen“, sagte er am Donnerstag in der erstes Rede eines Papstes vor dem Kongress in Washington. Die Todesstrafe, die in Teilen der USA nach wie vor legal ist, gehöre abgeschafft. Der Argentinier wurde mit langem Applaus empfangen.

Franziskus sprach als erstes katholisches Kirchenoberhaupt vor dem Kongress. Er rief in seiner 50 Minuten langen und auf Englisch gehaltenen Rede dazu auf, „keine Angst vor Fremden“ zu haben, „denn die meisten von uns sind einst selber Fremde gewesen“. Angesichts der weltweiten Flüchtlingskrise forderte er unter großem Applaus eine „menschliche, gerechte und brüderliche“ Reaktion. „Wir dürfen nicht über ihre Anzahl aus der Fassung geraten, sondern müssen sie vielmehr als Personen sehen, ihnen ins Gesicht schauen“, verlangte er.

Vom Missbrauchsskandal bis zur Geldwäsche
Cardinal Mahony of the U.S. arrives for a prayer at Saint Peter's Basilica in the Vatican
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Missbrauchsskandal

In Europa und den USA wurden seit der Jahrtausendwende massenhaft Fälle des Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch katholische Geistliche bekannt. Im Juni 2010 bat Benedikt XVI. erstmals öffentlich um Entschuldigung und versprach Aufklärung. Viele Kritiker sehen das Bemühen des Vatikans, Licht in die Verfehlungen zu bringen und die Verantwortlichen zu bestrafen, aber nicht als ausreichend an. Erst im Januar wurde der frühere Erzbischof von Los Angeles, der 76-jährige Kardinal Roger Mahony, aus allen Ämtern entlassen, weil er Missbrauchsfälle in seinem Wirkungsbereich verschleiert haben soll.

(Foto: Reuters)
Homo-Ehe
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Homosexualität

Das Familienbild von Benedikt XVI. blieb unverrückbar. Vor gut einem Jahr befand er, wer die traditionelle Familie in Frage stelle, bedrohe "die menschliche Würde" und "die Zukunft der Menschheit". Ohne Scheu griff der 85-Jährige jüngst zudem in die Debatten über eine Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen in Frankreich und Großbritannien ein. Jüngst berichtete eine italienische Tageszeitung, ausgerechnet Informationen über ein geheimes Schwulennetzwerk im Vatikan, das auch Kardinäle erpressbar mache, hätten Benedikt XVI. zum Rücktritt bewogen.

(Foto: dpa)
Deutsche Bischofskonferenz
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Abtreibung

Die Debatte über das Lebensrecht Ungeborener und das Selbstbestimmungsrecht Schwangerer erreichte zuletzt wieder einmal Deutschland. Ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer wurde von zwei katholischen Krankenhäusern in Köln mit der Begründung abgewiesen, die notwendigen Untersuchungen seien auch mit einem Verschreiben der sogenannten Pille danach verbunden. Die deutschen Bischöfe rückten inzwischen von ihrem grundsätzlichen Nein zu dem Medikament ab. Nach ihrer Ansicht darf es verschrieben werden, wenn lediglich verhütend und nicht abtreibend wirkt.

(Foto: dpa)
huGO-BildID: 17912954 Neun frisch ordinierte Katholische Priester beten am Sonntag, 9. Mai 2010, bei ihrer Priesterweihe im Muenster in Freiburg, (ap
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Priesternachwuchs

Dass sich vor allem in der westlichen Welt immer weniger junge Männer für das Priesteramt entscheiden, könnte die katholische Kirche nach Meinung vieler Kritiker dort über kurz oder lang vor veritable Existenzprobleme stellen. Vor allem eine Initiative selbsternannter ungehorsamer Geistlicher in Österreich machte zuletzt von sich reden und forderte ein Ende des Enthaltsamkeitsgebots sowie die Zulassung von Frauen zum Priesteramt. Beides lehnte Benedikt XVI. ab. Für die Frauenordination beispielsweise hat die Kirche seiner Ansicht nach „keine Vollmacht vom Herrn“.

(Foto: APN)
Former papal butler Paolo Gabriele walks in a street in Rome
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Geheimnisverrat

Schmerzlich musste Benedikt XVI. im vergangenen Jahr feststellen, dass selbst sein engstes Umfeld ihn hinterging. In der sogenannten Vatileaks-Affäre wurden geheime Dokumente kopiert und aus dem Vatikan geschmuggelt. Der päpstliche Kammerdiener Paolo Gabriele wurde deswegen im Oktober zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt und später begnadigt. Dass Benedikt XVI. lieber theologische Schriften liest und verfasst, als sich Verwaltungsaufgaben zu widmen, war nie ein Geheimnis. Jedem Nachfolger dürfte aber bewusst sein, dass er ähnlichem Geheimnisverrat Einhalt gebieten muss.

(Foto: Reuters)
Chef der Vatikanbank soll nach Misstrauensvotum zurücktreten
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Geldwäsche

Die Vatikanbank, mit offiziellem Namen das Institut für religiöse Werke, wusch in der Vergangenheit unter anderem Gelder der italienischen Mafia. Ihr zwischenzeitlicher Chef Ettore Gotti Tedeschi, der eigentlich gründlich aufräumen sollte, wurde im Mai entlassen - offenbar auf Druck vatikanischer Würdenträger, denen sein Engagement zu weit ging. Im Sommer bescheinigte der Europarat dem Institut anhaltende Defizite im Kampf gegen Geldwäsche. Seit Mitte Februar hat die Bank zwar einen neuen Chef, den 54 Jahre alten deutschen Finanzexperten Ernst von Freyberg, die Affäre ist aber nicht ausgestanden.

(Foto: dpa)

Die Todesstrafe, die in 31 von 50 US-Bundesstaaten immer noch legal ist, verstoße dagegen, dass jedes Leben unantastbar sei, kritisierte der Papst. „Ich ermutige auch alle, die davon überzeugt sind, dass eine gerechte und notwendige Bestrafung niemals die Dimension der Hoffnung und das Ziel der Rehabilitierung ausschließen darf“, appellierte der Papst an die Mitglieder der beiden Parlamentskammern.

Auch religiösen Fundamentalismus verurteilte Franziskus. „Unsere Welt ist in zunehmendem Maß ein Ort gewaltsamer Konflikte, von Hass und brutalen Grausamkeiten, die sogar im Namen Gottes und der Religion verübt werden“, mahnte er. Es sei jedoch Ausgewogenheit nötig, um diese Art von Gewalt zu bekämpfen, und zugleich Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit und persönliche Freiheit zu schützen.

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    Einige zuvor erwartete Streitpunkte erwähnte Franziskus nur am Rande, etwa den Kapitalismus, den er in früheren Ansprachen scharf kritisiert hatte. Er forderte lediglich, die Politik dürfe kein „Sklave von Wirtschaft und Finanzwesen sein“ und warnte vor „ungerechten Strukturen und Handlungen“. Auch umstrittene Fragen der Ehe- und Sexualmoral der Kirche wie Homo-Ehe, Verhütung oder Abtreibung sprach der Papst nicht konkret an.

    Provokant, umstritten – US-Präsident?
    „Nun nehmen wir uns Hillary Clinton vor“
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    Der Weg für Donald Trump als Kandidat der Republikaner für die US-Präsidentenwahl im November ist so gut wie frei. Der Immobilienmogul siegte bei der Vorwahl im Bundesstaat Indiana am Dienstag haushoch und brachte seinen einzigen noch ernsthaften Rivalen Ted Cruz dazu, sich aus dem Rennen zurückzuziehen.

    (Foto: AFP)
    Ted Cruz gibt auf
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    Es „gibt keinen Weg zum Sieg mehr“, räumte Ted Cruz, Senator aus Texas, am Dienstagabend ein. „Wir haben alles gegeben, aber die Wähler haben anders entschieden“, sagt der republikanische Präsidentschaftskandidat sichtlich bewegt. „Mit schwerem Herzen verkündige ich das Aus meiner Kampagne.“ Cruz hatte bei der Vorwahl nur 37 Prozent der Stimmen bekommen, Donald Trump dagegen 53 Prozent. Das Foto zeigt Cruz mit seiner Frau.

    (Foto: Reuters)
    Trump muss nun die Republikaner hinter sich bringen
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    Donald Trump muss nun die Partei hinter sich bringen, in der viele abgestoßen sind von seiner herrischer Art, seinen Ansichten über Frauen und seinen Vorschlägen, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen und elf Millionen illegale Einwanderer abzuschieben. „Er ist derjenige, der uns vereinen muss“, erklärte der Republikaner Henry Barbour aus Mississippi. „Das ist jetzt seine Gelegenheit.“

    (Foto: AP)
    Der umstrittene Milliardär bekam bereits Schützenhilfe
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    Schützenhilfe bekam Trump bereits vom republikanischen Parteichef Reince Priebus (Foto). Trump werde der „voraussichtliche“ Präsidentschaftskandidat der Partei sein, twitterte Priebus am Dienstag. „Wir alle müssen zusammenstehen und uns darauf fokussieren, Hillary Clinton zu besiegen.“ Für Mittwochabend haben einige konservative Granden der Republikaner allerdings ein Treffen anberaumt, bei dem die Option geprüft werden soll, im Herbst einen dritten Kandidaten aufzubieten.

    (Foto: Reuters)
    Trump kann sich nun auf Hillary Clinton einschießen
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    Nachdem Trump keine parteiinternen Rivalen mehr hat, kann er sich nun auf den Schlagabtausch mit Hillary Clinton konzentrieren, auf die trotz einer Niederlage in Indiana die Kandidatur der Demokraten zuläuft. Der Milliardär sagte am Dienstag bereits an die Adresse von Clinton gerichtet: „Wir werden im November gewinnen - und wir werden hoch gewinnen.“

    (Foto: Reuters)
    Das Clinton-Lager räumt Trump kaum Chancen ein
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    Die Demokratin hat sich sehr abfällig über Donald Trump geäußert. „Der Kerl übertreibt so dermaßen. Er ist beleidigend, abscheulich, suchen Sie sich's aus!“, sagte sie. Clintons Wahlkampfmanager räumt Trump geringe Chancen im Rennen um die Präsidentschaftswahl ein: „Trump hat gezeigt, dass er zu spaltend ist und nicht das Temperament besitzt, unsere Nation und die freie Welt zu führen. Mit so viel auf dem Spiel, ist er ein zu großes Risiko.“ Das Foto zeigt Clinton bei einer Late-Night-Show mit dem Moderator Jimmy Fallon.

    (Foto: ap)
    Wie Donald Trump seine Rivalin beleidigte
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    Donald Trump sagte über Hillary Clinton mal, sie sei die „schlechteste Außenministerin aller Zeiten“ gewesen. Und: Sie sei „verzweifelt und traurig“. Jenseits von diffamierenden Äußerungen dürften drei große Themen den Wahlkampf bestimmen: die Zuwanderungspolitik, die Krankenversicherung und die militärische Rolle der USA in der Welt. In allen drei Fragen will Trump eine Kurskorrektur, während Clinton im Wesentlichen die Politik des demokratischen Präsidenten Barack Obama fortführen will. Auch die Wirtschaftslage in den USA treibt viele Wähler um, wie Befragungen in Indiana zeigten.

    (Foto: ap)

    Vor seiner Rede traf der Papst John Boehner, den Vorsitzenden des Repräsentantenhauses. Der republikanische Politiker hatte Franziskus eingeladen, vor dem Kongress zu sprechen. Vor dem Kapitol verfolgten Zehntausende Menschen die Rede auf Leinwänden. Nach der Ansprache zeigte Franziskus sich dort auf einem Balkon, winkte den Menschen zu und grüßte die Menge. Vor seiner Weiterreise nach New York, wo er unter anderem eine Rede vor den Vereinten Nationen halten will, war noch ein Treffen mit Obdachlosen geplant.

    • dpa
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