Papstwahl Führungswechsel bei der Vatikan-AG

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Schmiergelder, Mafiaverbindungen und Tote

So wird der neue Papst gewählt

Auch heute ist das IOR weit davon entfernt, auf die ersehnte Liste zu kommen. Bei seinen Säuberungsversuchen scheiterte Benedikt XVI. vor allem am internen Widerstand im Vatikan, und Gotti Tedeschi wurde im Zuge der Veröffentlichungen geheimer Dokumente unter noch immer ungeklärten Umständen gefeuert. Mehr denn je steht das Institut für Geheimnisse und Skandale, die in der Vergangenheit auch zwei Tote mit sich brachten. Papst Johannes Paul I., der schon 1978 im IOR aufräumen wollte, überlebte nur 33 Tage im Amt. Der Bankier Roberto Calvi der IOR-nahen Banco Ambrosiano endete vier Jahre nach dem Bankrott der Bank erhängt unter einer Londoner Brücke.

In der Vergangenheit sollen über die Konten des IOR Schmiergelder für Politiker und Mafiagelder gelaufen seien. Auch beim jüngsten Skandal um die Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena geriet das Institut ins Visier der Ermittler. Die Tatsache, dass auch Gotti Tedeschi nach eigenen Angaben mittlerweile um sein Leben fürchtet, verstärkt den miesen Ruf der Vatikanbank.

Eine Gruppe von nichtitalienischen Kardinälen um den Wiener Christoph Schönborn erwägt offensichtlich gar, das Institut komplett aufzulösen, weil der Imageschaden zu groß sei. Stattdessen könnte der Vatikan mit einer externen Bank zusammenarbeiten, um das auf sechs Milliarden Euro geschätzte Vermögen zu verwalten. Schönborn gehört zu den Vertrauten von Ex-Papst Ratzinger. Sein Verhältnis zum vatikanischen Staatssekretär Tarcisio Bertone, der als größter Verhinderer der Transparenzbemühungen von Benedikt XVI. galt, soll dagegen angespannt sein.

Überhaupt gelten die meisten italienischen Kardinäle, insbesondere die der vatikanischen Kurie, als Verfechter des Status quo - auch bei den Finanzen. Das IOR dagegen bedarf einer Revolution. Schönborn selbst, der bei der letzten Papstwahl als Kandidat galt, werden wenig Chancen auf das höchste Amt eingeräumt. Zwei Päpste aus dem deutschen Sprachraum hintereinander gelten als unwahrscheinlich.

Um die Geschicke der Vatikan-Finanzen nicht ganz seinem Nachfolger zu hinterlassen, hat Benedikt XVI. zum Schluss noch eine Entscheidung gefällt: Kurz vor seinem Abgang ernannte er nach fast einjähriger Vakanz den deutschen Finanzprofi und Maltheser Ernst von Freyberg zum neuen Bankchef. Damit ist das Geldhaus der Kurie zumindest nicht in italienischer Hand.

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17 Kommentare zu "Papstwahl: Führungswechsel bei der Vatikan-AG"

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  • Dem "Zensor" scheint die redaktionelle Tiefstform von heute offensichtlich selbst peinlich zu sein. Es geht mir darum, für die geschätzte Leserschaft zu dokumentieren, daß die erste Version der Headline dieses pulitzerpreisverdächtigen Redaktionsartikels lautete:
    "Führungswechsel bei der Gott-AG"

    Dies war schlichtweg Boulevardniveau und unseriöser journalistischer Schwachsinn (!!) und wurde offensichtlich auch selbst als solcher erkannt und wieder revidiert.

    Zensur als Vertuschung redaktioneller Fehlleistungen !!

  • Nasa-Roboter findet Lebensbausteine auf dem Mars und alle Welt blickt auf einen ollen Kamin durch den wirre alte Männer mit Allmachtsphantasien Rauch schicken.

    Wir sind schon so eine Krone der Schöpfung.

  • Alles Gute wünsche ich Ihnen im links-grünen EU-Machtapparat, der Sie garantiert von Ihrem Vermögen, Ihrer Identität, Ihren demokratischen Rechten usw. usf. befreit - dann haben Sie's gut.
    Sie jedenfalls werde ich bewusst in's Gebet einschließen.

  • @Falk
    "Pingeligsein" beim Zensieren zeigt nur die Unerfahrenheit des Zensors.
    Der heutige Zensor zeigt seine Unsicherheit dadurch, indem er übertrieben zensiert.
    Je "großzügiger" ein Zensor sein Handwerk betreibt, desto intelligenter ist er.
    Ein souveräner imtelligenter Zensor, der seiner selbst sicher ist, zensiert so gut wie nie, höchstens bei ausgesprochenen Beleidigungen aus der tiefsten Gossensprache aber nicht bei berechtigter Kritik, auch wenn ihm diese Kritik nicht gefällt.

  • Mein Gott, lieber HB-Zensor, seien sie doch nicht so mimosenhaft empfindlich.
    Freuen Sie sich lieber über Kritik, die sie ja selber als berechtigt angesehen haben, indem sie Ihren Titel abgeändert haben.
    Sie müssen souveräner werden, werter Zensor und sich nicht über jeden ..... aufregen.

  • Ich danke jedenfalls dem Handelsblatt für diesen informativen Artikel.

    Hier noch eine weitere interessante Lektüre, wenn auch vom Mai 2012 ...

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vatikanbank-gottis-werk-und-teufels-beitrag-1.1367301-2

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Der Vatikanstaat ist nicht Mitglied der EU. Findet also keine Anwendung.

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